Wohnen wie im Gartenmagazin

MUOLEN ⋅ Der Garten von Yvonne Aldrovandi-Schläpfer ist eine Wundertüte. Mit ihren speziellen Dekoideen, die sie auch selber fotografiert, schafft sie es immer wieder in renommierte Zeitschriften.
20. Oktober 2017, 07:19
Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Das Auge ist heillos überfordert. Wo nur soll es zuerst hinschauen? Auf die alten Wanderschuhe am Wegrand, aus denen der Hauswurz spriesst? Auf die Spritzkanne, die als Springbrunnen glucksend Wasser ins Biotop sprudelt? Aufs schmucke Gartenhäuschen, dessen Kinderbett und alter Schesenwagen mit gelbem Blumenschmuck alle Blicke auf sich zieht? Auf die vielen Lebensweisheiten, notiert auf Fensterläden und Schiefertafeln? Eigentlich ist es einerlei, wo der Blick zuerst verharrt. Denn Yvonne Aldrovandi-Schläpfers Garten ist ein Bijou bis in den hintersten Winkel. Kein Wunder, schafft es die Muolerin immer wieder in renommierte Gartenmagazine.

Doch damit nicht genug: Mit ihren Fotos gewann sie auch schon Wettbewerbe, ergatterte sich ein Monatsblatt im SRF-Jahreskalender, sie hat Ausstellungen mitorganisiert und kann während der Olma zusammen mit anderen Mitgliedern des ­Photoklubs Hinterthurgau im Auftrag der Thurgauer Staatskanzlei offizielle Bilder des Gastkantons machen.

Yvonne Aldrovandi ist keine, die gern im Mittelpunkt steht. «Es hat sich einfach immer wieder etwas ergeben, über das ich selber staune», sagt sie. «Ich sehe das als Geschenk.»

Als junge Frau hat sie das KV absolviert, später mit ihrem Mann Christian zwei Adoptivtöchter grossgezogen und in der Spitex Regio Wittenbach als Aktuarin gewirkt. Nebenbei pflegte die Hausfrau und Mutter leidenschaftlich ihren Garten und verschönerte ihn mit Möbeln aus Brockenhäusern oder Flohmärkten und mit unzähligen Dekoideen.

Die Leidenschaft für Fotografieren entdeckt

Als die Muolerin 2007 auf der Suche nach einer Anleitung für Betonschalen im Internet auf einen Blog stiess, war sie so begeistert, dass sie gleich selber bloggen wollte. Mangels Computerkenntnissen verwarf sie die Idee aber wieder. Doch der Gedanke liess sie nicht mehr los und 2011 startete sie ihren Gartenblog «Happy Sonne», auf dem sie jede Woche schrieb. Aber Schreiben allein genügte nicht, die Leute wollten auch Fotos sehen. «Dabei hatte ich bis vor sechs Jahren noch nie eine Kamera in der Hand», sagt die Muolerin und lacht.

Mit jedem Kurs, den sie belegte, wuchs bei der heute 55-Jährigen die Freude am Fotografieren. Inzwischen tut sie es mit einer Profikamera: einer Nikon D5. «Seit ich fotografiere, sehe ich jeden Käfer in der Natur», sagt sie, die es besonders mag, frühmorgens oder abends mutterseelenallein mit der Kamera durch die Gegend zu streifen. Sie, die auch regelmässig Leserbilder an die «Thurgauer Zeitung» schickt, weiss: «Das Fotografieren gibt einem viel, auch wenn es einem mal nicht so gut geht.»

Nebst ihrer Kamera hat Yvonne Aldrovandi-Schläpfer auch immer zahlreiche Gartenmagazine griffbereit. Wenn andere Leute Bücher lesen, liest sie Gartenheftli. Diese sind eine Fundgrube an Ideen, die sie oft abwandelt. Speziell freut sie sich natürlich, wenn etwas aus ihrem Garten veröffentlicht wird. Und das kommt öfters vor.

Mit 55 Jahren drückte sie die Schulbank

Aktuell sind Yvonne Aldrovandis mit Sukkulenten bepflanzten und auf Stelzen stehenden Mokkatassen in «Mein schöner Garten spezial» abgebildet. Im «Schweizer Garten» vom 22. September wird ihre sprudelnde Spritzkanne zu sehen sein. Auch in «Gartenspass» und «Gartenideen» war die Muolerin mit Sinn für Schönes schon präsent, unter anderem mit einem Porträt über sie und ihren Garten. Meist werde sie angefragt aufgrund ihres Blogs, sagt die Muolerin. Sie selber bezeichnet sich als «Sammlerin alter Schätze». «Durchstarterin in der Lebensmitte» wäre aber mindestens so passend. Nicht nur das Gartenwissen und das Fotografieren hat sie vertieft, seit ihre Töchter ausgeflogen sind, sondern auch das Schreiben. Seit vier Jahren ist sie als freie Journalistin für die «Thurgauer Zeitung» tätig. Dieses Jahr hat sie zudem einen Tag pro Woche die Schulbank gedrückt. «Mit um Jahrzehnte ­jüngeren Leuten» absolvierte Yvonne Aldrovandi die Medienschule in St. Gallen. Erzählt hat sie es praktisch niemandem. «Ich hatte das Gefühl, es kommt so abgehoben daher, wenn ich in meinem Alter noch so etwas mache.» Obwohl: Inzwischen denke sie oft: Wenn nicht jetzt, wann dann?


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