«Wir würden genauso bauen»

AMRISWIL ⋅ Die Georges Bleiker AG braucht mehr Platz. Diesen hat sie auf dem Gelände der ehemaligen Krapf AG an der Hauptstrasse zwischen Hemmerswil und Steinebrunn gefunden. Der Umzug von Hefenhofen an den neuen Standort ist bereits im Gang.
29. November 2017, 07:19
Manuel Nagel

Manuel Nagel

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@thurgauerzeitung.ch

«Als wir Anfang Februar 2017 zum ersten Mal hier reinliefen, da wussten wir, das ist es», sagt Bruno Meier, Standortleiter der Georges Bleiker AG. «Wir würden genauso bauen, aber es ist ja bereits gebaut.» Die Rede ist vom Areal und der Immobilie des ehemaligen Fahrzeugbauers Krapf an der Arbonerstrasse 100. Hinzu komme noch die Wiedererkennung an der meist frequentierten Hauptstrasse des Kantons. «Die Firma Krapf kannte man. Jeder wusste, wo sie stand.» So einen Werbeeffekt könne man sich nicht kaufen.

Gekauft hat das Areal die Investorengruppe MBB Immobilien. Die drei Buchstaben stehen für Müller Bleiker Bleiker. Nebst den beiden Zwillingen Daniel und Marcel Bleiker, den Söhnen von Firmengründer Georges ­Bleiker, beteiligt sich auch noch Harald Müller an der Immobilie.

«Er wollte, wir wollten – eine gute Ausgangslage»

«Als Chauffeur bei der Georges Bleiker AG bekam ich die Möglichkeit, hier mitzuinvestieren», sagt Harald Müller. Aufgegleist wurde der Verkauf von der Firma Krapf an die MBB Immobilien vor bald einem Jahr. «Ich war mit Rolf Krapf schon vor zwei Jahren im Kontakt», sagt Daniel Bleiker. Im Januar 2017 habe er dann von Rolf Krapf einen Anruf bekommen, dass er die Liegenschaft verkaufe.

Daniel Bleiker erinnert sich: Die Verhandlungen liefen sehr speditiv. Er wollte, wir wollten. Das ist immer eine gute Ausgangslage.» Auch Harald Müller bestätigt, dass alles sehr fair abgelaufen sei. Ausserdem habe man mit der Krapf AG schon seit Jahrzehnten Geschäftsbeziehungen unterhalten. Die Firma Bleiker entsorgte für die Firma Krapf, diese wiederum lieferte Fahr­zeuge an die Georges Bleiker AG. «Immer hervorragende Arbeit, qualitativ sehr hochstehend», sagt Daniel Bleiker. So habe sich auch ein kollegiales Verhältnis aufgebaut und man habe auch mal über etwas anderes als nur über das Geschäft gesprochen.

So wurde diesen Sommer das Areal verkauft. Die Krapf AG blieb jedoch noch auf dem Gelände, weil sie einen Grossauftrag von Zweifel Chips fertigstellen musste. «Als wir Mitte September mit der Räumung begonnen haben, da wurden noch die letzten Fahr­zeuge in der Halle produziert», sagt Bruno Meier.

Doch seit dem 1. November ist die Georges Bleiker AG offizieller Mieter des Areals. «Unser Ziel ist es, dass wir Anfang 2018 den Betrieb hier aufnehmen können, sagt Bruno Meier. Er übernahm vor fünf Jahren die ope­rative Leitung des Betriebs von Daniel Bleiker, als dieser mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte und kurzfristig ­einen Stellvertreter suchte.

Kurzfristige Lösung als Idealfall

Doch aus der kurzfristigen Lösung wurde ein langfristiger Idealfall – Bruno Meier, lang­jähriger Mitarbeiter der Firma, blieb Chef. «Er hat das so toll gemacht und ich habe mich daran gewöhnt, kürzerzutreten», sagt ­Daniel Bleiker.

Und seit dem 1. Oktober ist Daniel Bleiker auch nicht mehr Besitzer der Georges Bleiker AG. Er verkaufte sein Aktienkapital «mit bestem Wissen und Gewissen», wie er sagt. Eine Nachfolge innerhalb der Familie war kein Thema, sodass Bleiker eine andere Nachfolgeregelung suchte. Er fand diese bei der Firma Thommen aus Kaiseraugst (siehe Kasten). Auch ausländische Unternehmen hätten seine Firma ­«fieberhaft» kaufen wollen, verrät Bleiker. Er entschied sich jedoch bewusst für ein Schweizer Familienunternehmen. Bei der Thommen-Gruppe seien zwei Leute am Ruder, Vater und Sohn. «Ähnlich wie bei uns», sagt ­Daniel Bleiker, «einfach nur viel, viel grösser.»

Grosse Fahrzeugwaage wird eingebaut

Somit bleibe sein Unternehmen nicht nur in Schweizer Hand, auch die Arbeitsplätze hier im Oberthurgau seien nun auf Jahre hinaus gesichert, sagt Bleiker.

Standortleiter Bruno Meier bekräftigt das. Man habe nun viel mehr Platz – dreimal so viel – wie am alten Standort beim RAZ ­Hefenhofen. «Somit werden wir eher Stellen schaffen, aber ­sicher keine abbauen.» Durch den Zusammenschluss mit der Thommen-Gruppe werde man zudem auch vom Know-how der neuen Besitzer profitieren können – und umgekehrt.

«Im Raum Amriswil zu bleiben, hatte für uns höchste Priorität, weil wir währschafte Oberthurgauer Firmen als Stammkundschaft haben», sagt Bruno Meier. Man sei regional stark verankert und auch die meisten Mitarbeiter würden hier wohnen.

Nun folgen bis zum definitiven Umzug nur noch kleinere Arbeiten. Lediglich eine grosse Bau­investition gibt es am neuen Standort: der Einbau einer grossen Fahrzeugwaage.


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