"Er ist noch nicht über dem Berg"

MOTOCROSS AMRISWIL ⋅ Nach zwei schweren Unfällen stehen die Veranstalter des Amriswiler Motocross am Pranger. "Wir wollten doch nicht schummeln", sagt der Medienverantwortliche Bruno Siegenthaler zu Vorwürfen, man habe falsch über den Gesundheitszustand eines Buben informiert. Und er bangt um einen am Sonntag verunglückten 57-jährigen Seitenwagenfahrer.
25. September 2017, 17:13
Manuel Nagel
"Wir können uns gar nicht über die ansonsten gelungene Veranstaltung freuen", sagt Bruno Siegenthaler mit bedrückter Stimme. Der Medienverantwortliche des Amriswiler Motocross sah sich am Montagmorgen plötzlich am nationalen Pranger des Boulevards: "Rennleitung lügt schwer verletzten Bub (6) gesund" titelte "Blick online". Dies deshalb, weil am Sonntag während des Rennens über Lautsprecher bekanntgegeben wurde, dass es dem am Samstag laut Kapo-Medienmitteilung schwerverletzten Knaben besser gehe und er das Spital wieder habe verlassen können.

"Plötzlich machte diese Information die Runde", erzählt Siegenthaler. Er sei der Meinung gewesen, dass diese Information von der professionellen Rettungssanität, die der Veranstalter engagiert hatte, gekommen ist. Vielleicht waren die Verantwortlichen naiv, dass sie diese Meldung sogleich öffentlich gemacht haben, vielleicht waren sie einfach nur froh über die vermeintlich gute Nachricht. Wahrscheinlich waren sie beides.


"Wir wollten doch nicht schummeln"

Doch: Das Gerücht erwies sich im Nachhinein als falsch, der Sechsjährige befindet sich immer noch im Kinderspital, wie Siegenthaler in Erfahrung bringen konnte. "Wir sind ja lauter Amateure. Alle sind arbeitstätig und opfern sich für das Motocross auf. 200 Leute, die am Wochenende für null Rappen gearbeitet haben", sagt Bruno Siegenthaler.

Laute Motoren und dreckige Maschinen am 56. Internationalen Motocrossrennen in Amriswil. Unser Fotograf Reto Martin war mit der Kamera unterwegs. (Bilder: Reto Martin)

Umso mehr trifft es ihn, der schon seit 52 Jahren im Organisationskomitee sitzt, dass nun die Veranstaltung und das OK in einem schlechten Licht erscheinen. "Wir wollten doch nicht schummeln", versichert Siegenthaler. "Doch am Samstag lief alles sehr seltsam", erzählt der Medienchef. Gleich von fünf oder sechs Passanten seien die Rettungsflugwacht und die Polizei aufgeboten gewesen. Als die professionellen Sanitäter vor Ort nach der Erstversorgung die Rega alarmieren wollten, hiess es, die seien jetzt dann gleich da. Das habe zu Verwirrung geführt, weil dies Sache der Sanitäter vor Ort wäre.

Dem Knaben gehe es den Umständen entsprechend gut, ist Siegenthaler erleichtert. Er weiss von einer Hirnerschütterung und von Schürfungen im Brustbereich, die geblutet haben, jedoch keine operativen Massnahmen nötig gemacht hätten.

Siegenthaler betont jedoch, dass die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten worden seien. Die Zuschauer seien durch zwei Seile vier Meter von der Strecke entfernt gewesen. Und das herrenlose Motorrad sei auch in diesen Seilen hängen geblieben. Aber oftmals seien die Zuschauer auch sehr nahe bei den Abschrankungen. Dennoch sei in den vergangenen 51 Jahren nie ein Zuschauer verletzt worden.
 

"Noch nicht über dem Berg"

Leider blieb es nicht der einzige gravierende Zwischenfall an diesem Rennwochenende. Am Sonntag verunglückte ein 57-jähriger Seitenwagenfahrer, der mit seinem 15-jährigen Sohn an einem Oldtimerrennen teilgenommen hatte. "Das ist ein Clubmitglied von uns", sagt Bruno Siegenthaler. "Glücklicherweise ist dem Sohn nichts passiert, aber wir bangen um unseren Kollegen. Er ist noch nicht über dem Berg."

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