Volles Haus für Hermann Hess

AMRISWIL ⋅ Am Sonntag lud das Ortsmuseum zur Erzählstunde mit dem Unternehmer und ehemaligen Nationalrat. Seine Geschichte lockte rund 120 Interessierte und ehemalige Mitarbeiter an.
06. Februar 2018, 05:18
Sara Carracedo

Sara Carracedo

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Kaum hat das Museum seine Türen geöffnet, beginnt sich der hinterste Raum des Gebäudes schon zu füllen. Wenige Minuten später bleibt kein einziger der 77 Stühle mehr frei und notgedrungen werden noch Sitzgarnituren aufgestellt. Doch auch das hilft nichts, denn immer mehr Leute suchen sich einen freien Platz mit möglichst guter Sicht zum Bildschirm und zum Erzähler.

«Im Schnitt haben wir 50 Besucher an einer Erzählstunde. Heute ist es wieder eine der seltenen Ausnahmen mit mehr als doppelt so vielen Besuchern», freut sich Eugen Fahrni, Präsident des Ortsmuseums der Stadt Amriswil. Für dieses grosse Interesse sorgte die persönliche Erzählung von und über Hermann Hess, dem ehemalige Inhaber der Esco Kleider AG und aktuellen Immobilien-Mogul. Gespannt hingen ihm die Besucher an den Lippen und staunten nicht schlecht über sein Erlebtes und seine Geschichten.

Er begeistert mit Humor

«Ich war überrascht, als ich für die Erzählrunde angefragt wurde, denn ich betrachte mich nicht als Museumsgegenstand», sagt Hess, greift zu einem der alten Holzleisten, welche neben ihm von der Decke hängen, und hält ihn als Vergleich hin. Mit diesem Spruch bricht er nicht nur das Eis zwischen Publikum und ihm, er streift auch seine Nervosität ab.

Der zweite Lacher lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Als Hess auf einer Abbildung eines alten Geschichtsbuches in seiner Präsentation den Grundriss der Ortschaft Amrischweil mit einem Laserpointer zeigen will, sucht dieser verzweifelt nach dem sonst so gewohnten Gerät. Da hilft ihm Eugen Fahrni aus: «Ein Laserpointer geht beim Fernsehbildschirm nicht, aber hier habe ich einen sogenannten archaischen Laserpointer» und streckt ihm einen hölzernen Zeigestab entgegen. Wieder ertönt grosses Gelächter seitens der Zuhörer und Hermann Hess.

Die nicht immer so guten alten Zeiten

Er erzählt von seinen Vorfahren, von Geschichten und der Entstehung rund um die Bekleidungsindustrie und seinen laufenden Projekten im Gewerbeimmobilien-Investment. Doch auch über seine Familie, Kindheit und Schulzeit berichtet Hess. Bei den Zuhörern kommt vor allem seine offene Art gut an: «Ich fand es schön, dass er auch über die negativen Ereignisse in seinem Leben gesprochen hat», sagt Besucherin Lieselotte Stucki-Spohn, welche selbst bei Esco gearbeitet hat und dessen Vater Direktor bei der Kleider AG war.

Doch es sind noch mehrere ehemalige Mitarbeiter im Raum. Diese bezieht Hess immer wieder in seine Erzählungen mit ein und die erwidern mit einem Nicken und lächeln leicht angetan zurück. Viele wussten, wovon Hess in seinen Geschichten sprach und so glich die Erzählstunde einem in vertrauten alten Zeiten schwelgenden Rückblick.