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Tagblatt Online, 21. Oktober 2011 06:52:00

Ein Abenteurer will nach Baku

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Einfahrt des Schnellzugs im Bahnhof Amriswil: Auf der Strecke nach Zürich entstehen die meisten der Lieder von Roger De Win. (Bild: Manuel Nagel)

Roger De Win singt in seinem Lied für den Eurovision Song Contest von wahren Abenteuern, die man nicht weit weg, sondern in seinem Herzen findet. Doch sein bislang grösstes Abenteuer würde ihn bis nach Aserbaidschan führen.

MANUEL NAGEL

AMRISWIL. Beim vereinbarten Interviewtermin mit Roger Kuster ist der Amriswiler Sänger, besser bekannt unter dem Künstlernamen Roger De Win, nicht alleine. Neben ihm sitzt ein weiterer Restaurantgast: Dan aus Neuseeland, der für kurze Zeit geschäftlich in Romanshorn zu tun hat. Durch eine Arbeitskollegin erfuhr Dan von einem Konzert De Wins in Kreuzlingen, ging hin und war von dessen Auftritt begeistert. Zufällig haben sich jetzt die Wege der beiden erneut gekreuzt, Dan erkannte den Sänger sofort und kam mit De Win ins Gespräch.

Das sei das Schöne an Musik, schwärmt Roger De Win anschliessend, nachdem sich Dan verabschiedet und De Win alles Gute gewünscht hatte. Sie verbinde und berühre Menschen.

Das ist auch das Ziel De Wins, wie er selber erklärt. Sollte eines seiner Lieder je an einer Hochzeit gespielt werden, dann hätte er mit seiner Musik zwei Menschen so berührt, am schönsten Tag in ihrem Leben seinen Song zu spielen. Das sei doch ein unglaubliches Gefühl.

Udo Jürgens als Vorbild

Einen Evergreen, ein zeitloses Lied zu komponieren, das ist De Wins Traum. Etwas, was sein Idol Udo Jürgens geschafft hat. Dass De Win gerade den Österreicher als Vorbild hat, kommt nicht von ungefähr. Wie Jürgens singt auch De Win auf Deutsch. Es war eine bewusste, wenn auch keine einfache Entscheidung. Deutsch zu texten sei sehr anspruchsvoll, hat De Win die Erfahrung gemacht.

Der Amriswiler komponiert und schreibt seine Lieder zum grössten Teil selbst. Hin und wieder unterstützt ihn dabei auch sein Produzent Helly Kumpusch. Zusammen mit dem Deutschen, der bei vielen Schlagerkompositionen Trompete spielt, schrieb er diesen Sommer den Song «Die wahren Abenteuer».

Via Kreuzlingen nach Baku

Darin singt De Win, dass wahre Abenteuer nicht unbedingt nur in New York oder sonst an fernen Orten erlebt werden können. Vielmehr seien die wahren Abenteuer dort, wo man etwas bewegen und wo man seine Leidenschaft ausleben könne – in seinem Herzen.

New York ist dann auch nicht das Ziel De Wins. Dieses Lied soll den Amriswiler aber nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, führen. Dort, am Rande des Kaukasus am Kaspischen Meer, findet 2012 die nächste Ausgabe des Eurovision Song Contests (ESC) statt. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg, denn zuerst muss sich De Win einen von sechs Plätzen für die Schweizer ESC-Ausscheidungsshow am 10. Dezember in Kreuzlingen erkämpfen.

Die Konkurrenz ist gross. Unter den rund 230 Mitstreitern sind auch illustre Namen wie der von Lys Assia zu finden. Die «Grande Dame» und erste Gewinnerin des Wettbewerbs im Jahre 1956 will dieses Kunststück 56 Jahre später mit Hilfe des ESC-Urgesteins Ralph Siegel wiederholen.

Deutsch als Handicap

Doch nicht nur bekannte Namen wie der von Lys Assia sind mögliche Stolpersteine für De Win, um sich gegen über 200 andere Interpreten durchzusetzen und es somit in die Entscheidungsshow zu schaffen. Die Tatsache, dass er Deutsch singe, bezeichnet De Win als schwierigste Hürde. Seit man am ESC nicht mehr in der Landessprache singen müsse, seien die meisten Titel in Englisch gesungen. So auch der aserbaidschanische Gewinnerbeitrag von diesem Jahr.

De Win hofft dabei auf den Effekt, dass die Leute sein Lied als etwas anderes empfinden. «Es würde mich natürlich freuen, wenn möglichst viele sich den Song anhören und für ihn stimmen, sollte er ihnen gefallen», wünscht sich der 37-Jährige, der verheiratet und Vater zweier Kinder ist.

Inspirierende Zugstrecke

Viele seiner Lieder entstehen auf der Strecke zwischen Amriswil und Zürich, wenn er zur Arbeit fahre. Einst Lehrer, arbeitet er heute als Journalist. Beides seien Traumberufe, genau wie Musiker, verrät De Win. Eine Teilnahme an der Show in Kreuzlingen würde seine Bekanntheit noch etwas erhöhen. In Holland ist er schon oft am Radio zu hören, und auch am anderen Ende der Welt in Neuseeland kennt man den Namen Roger De Win – zumindest Dan, der Fan aus dem Restaurant.





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