Tagblatt Online, 12. Juni 2012 01:07:00
«Ich würde es wieder tun»
Nach der Wahl: Walter Hugentobler gratuliert seinem Amtsnachfolger Peter Kummer zum Grossratspräsidium. (Bild: Archivbild: Nana do Carmo)
OBERAACH. Mehr als 30 Jahre lang hat sich der Oberaacher Unternehmer Peter Kummer für die Öffentlichkeit engagiert. Nun zieht er sich aus dem aktiven politischen Leben zurück, bleibt trotz allem aber ein politischer Mensch.
RITA KOHN
Es war ein furioser Abschluss einer langen politischen Karriere: Ein Jahr lang war Peter Kummer als Grossratspräsident der höchste Thurgauer. Vor kurzem ging dieses Jahr zu Ende. Für Peter Kummer ist damit die Zeit als «Privatperson» angebrochen. Ein weiteres politisches Mandat komme für ihn nicht in Frage, sagt der Mann, der lange Jahre die Stadt Amriswil und zuvor die Schulgemeinde geführt hat.
Gesucht habe er seine politischen Ämter nicht, sagt Kummer. Im entscheidenden Moment sind ihm Türen aufgegangen. Bereut, dann jeweils nach reiflicher Überlegung Ja gesagt zu haben, hat Peter Kummer aber nie. «Ich würde es wieder tun», sagt er rückblickend. Und auch, dass ihn Ämter wie Regierungsrat, Nationalrat oder Ständerat nie gereizt hätten und er keine Ambitionen auf ein solches Mandat hat.
Unternehmer und Vater
So hat Peter Kummer mit Ende seiner Amtszeit als höchster Thurgauer auch seine politische Karriere beendet. «Das ist ein schöner Schlusspunkt», zieht er in seinem Berner Dialekt Bilanz. Angesprochen auf seine familiären Wurzeln, schmunzelt der Oberaacher. «Ich fühle mich als Thurgauer», sagt er. Als junger Familienvater und Unternehmer zog es ihn vor vielen Jahren in die Heimat seiner Frau Marlies.
«Ich hatte im Kanton Bern zusammen mit einem Freund eine Unternehmung aufgebaut, die von der Grösse her an ihre Grenzen stiess.» Die beiden jungen Unternehmer standen vor der Frage, ob sie sich trennen oder die Firma massiv vergrössern sollten. Sie entschieden sich für eine freundschaftliche Trennung und Peter Kummer baute in Oberaach ein neues Unternehmen auf. «Wir haben später noch viele Jahre zusammen gearbeitet», schildert Kummer.
Schule und Gemeinde
Als Vater von drei Töchtern setzte sich Peter Kummer auch mit den Belangen der Schule auseinander. Die Bitte der Oberaacher, er möchte sich als Schulbehördenmitglied zur Verfügung stellen, war der Grundstein für die spätere politische Karriere. Denn von der Schulbehörde Oberaach ging es nahtlos zur Schulbehörde Amriswil und von dort ins Schulpräsidium. «Nach acht Jahren als Schulpräsident wollte ich mich zurückziehen», sagt Peter Kummer rückblickend.
Genau zu diesem Zeitpunkt gab auch Gemeindeammann Ernst Bühler seinen Rücktritt bekannt. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger gelangte die SVP an ihr Mitglied Peter Kummer. «Ich habe mir die Sache reiflich überlegt», sagt er. Denn die Übernahme des Gemeindeammann-Amts würde bedeuten, dass er sich ganz aus seiner Unternehmung würde zurückziehen müssen.
«Meine Frau Marlies und zwei langjährige Angestellte haben die Leitung des Unternehmens für ein halbes Jahr probehalber in die Hand genommen», erzählt Peter Kummer. Dabei habe sich gezeigt, dass es gut funktioniere. Also hat sich der Oberaacher als Politisches Oberhaupt der Stadt Amriswil zur Verfügung gestellt und die Firma in die Hände des neuen Leitungsteams gegeben.
Kein Parlamentarier
Dass er später auch für den Grossen Rat kandidiert habe, sei Folge seines Gemeindeammann-Amts (später Stadtammann-Amt) gewesen. «Ich bin kein Parlamentarier, ich fühle mich in der Exekutive wohler», sagt Peter Kummer von sich selber. Aber durch die Verbindung der beiden Ämter habe er die Möglichkeit bekommen, an der Ausarbeitung von Gesetzen und Bestimmungen mitzuwirken, die wiederum einen direkten Einfluss auf die Gemeinden haben.
Hier macht der langjährige Politiker auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ämtern aus. Als Grossratspräsident habe er nichts direkt bewirken können. Ganz anders als Stadtammann.
Gut loslassen
Nach einer intensiven Zeit als aktiver Politiker ist Peter Kummer nun seit einigen Tagen ganz und gar Privatperson. Ihm ist es auch in dieser Rolle wohl. «Das heisst aber nicht, dass ich nicht weiter ein politischer Mensch bin», sagt er und betont, dass er nach wie vor gerne politische Diskussionen führe und am politischen Geschehen interessiert sei. Nur ein weiteres Amt übernehmen, das komme für ihn nicht mehr in Frage. Auch aus Altersgründen: «Wenn man pensioniert ist, sollte man das Feld Jüngeren überlassen.»
Aus seiner Zeit als Politiker habe er gelernt, dass die Kommunikation etwas sehr Wichtiges sei, soll das Zusammenleben klappen. «Wenn man die Kommunikation pflegt und Toleranz übt, kann man gut miteinander leben.» Bei tieferer Betrachtung sei es ja ein kleines Wunder, dass die Gesellschaft überhaupt funktioniere. Denn es brauche sehr viel, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen.
Den Jüngeren gibt Peter Kummer die Anregung mit auf den Weg, sich für die Öffentlichkeit zu engagieren und sich tiefer mit der Politik zu befassen. «So gibt es einen ganz anderen Blickwinkel.» Und das letztlich habe einen positiven Einfluss auf das Funktionieren der Gesellschaft.
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