Tagblatt Online, 07. Mai 2012 01:09:00
«Auf der Reise zu mir selbst»
Priska Schwarz bei ihrer letzten Versammlung als Gemeindeammann. (Bild: Archivbild: Helio Hickl)
HEFENHOFEN. Priska Schwarz hat ihr Amt als Gemeindeammann von Hefenhofen niedergelegt. Bevor sie sich einer neuen Aufgabe zuwendet, geht sie mehrere Wochen auf Wanderung. Zeit, um auszuspannen, sagt sie.
RITA KOHN
In wenigen Tagen sitzt Priska Schwarz im Zug nach Amsterdam. «Ich fahre auf die westfriesischen Inseln und wandere von dort der holländischen und belgischen Küste entlang in den Süden. Von dort geht es dann rüber an die englische Küste», sagt die bis vor kurzem noch als Gemeindeoberhaupt amtierende Hefenhoferin. Begleitet wird Priska Schwarz von der Jack-Russel-Hündin Luna.
Wie lange sie für die Strecke brauchen wird, weiss Priska Schwarz noch nicht. Sie wolle sich weder unter Zeit- noch unter Leistungsdruck setzen, sagt sie. Die Wanderung soll auch eine Reise zu sich selber sein. «Ganz im Sinne von: Der Weg ist das Ziel.» Deshalb habe sie auch nur die beiden ersten Nächte eine Unterkunft gebucht. Danach will sie dort halt machen, wo es ihr gefällt.
Meer und Himmel
Die Idee, sich auf eine mehrwöchige Wanderung zu machen, trug Priska Schwarz schon geraume Zeit mit sich herum. Konkret wurde es in der Weihnachtszeit. «Ich liebe das Meer, die Weite und dramatische Himmel», sagt die Hefenhoferin. Deshalb habe sie sich für diese Route entschieden.
Die letzten Wochen verbrachte das ehemalige Gemeindeoberhaupt von Hefenhofen seine knapp bemessene Freizeit damit, Schuhe und Rucksack zu testen und sich auf die Wanderung vorzubereiten. «Ich musste wissen, was ich alles mitnehmen kann.» Mit dabei ist ein Schlafsack aber kein Zelt. «Die Zeit, in der ich mit dem Zelt unterwegs gewesen wäre, ist vorbei», sagt Priska Schwarz mit einem Schmunzeln. «Den Schlafsack habe ich nur für den Notfall dabei. Wenn man zu Fuss unterwegs ist, kann es schon mal vorkommen, dass keine Unterkunft in der Nähe ist, wenn man nicht mehr weiter mag.» Grundsätzlich werde sie aber nach gemütlichen B & B Ausschau halten.
Zeit zum Aufbruch
Die mehrwöchige Wanderung – Priska Schwarz plant, rund zwei Monate lang unterwegs zu sein – symbolisiert auch ihre berufliche Zukunft. Dass sie gerade jetzt von ihrem Amt als Gemeindeammann zurückgetreten ist, ist kein Zufall. «Ich wusste schon bei den letzten Wahlen, dass ich keine volle Amtsperiode mehr machen werde.» Das hat sie auch so kommuniziert.
Allerdings wollte Priska Schwarz den Bau des Gemeindehauses noch bis zum Ende betreuen. Nach dem Nein der Bürgerinnen und Bürger zum Projekt, ging sie nochmals über die Bücher. «Ich finde den Zeitpunkt für den Rücktritt richtig gewählt», kommt sie zum Schluss. Abzuwarten bis Ende Jahr – so lange hätte es gedauert, bis das Gemeindehaus bezogen hätte werden können – mache wenig Sinn. Sie habe sich entschieden, das Rechnungsjahr abzuschliessen und dann den Platz für ihren Nachfolger zu räumen, sagt Priska Schwarz.
Gerne mit Menschen zu tun
Der Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt gebe ihr die Möglichkeit, noch einmal eine neue Aufgabe anzugehen. «Hätte ich die Amtsperiode fertig gemacht, wäre das schwieriger geworden», sagt die Hefenhoferin. Einen neuen Job hat Priska Schwarz noch nicht angenommen. Aber sie weiss, in welche Richtung ihre künftige berufliche Aufgabe gehen sollte.
«Ich habe gerne mit Menschen zu tun.» Sie könne sich gut vorstellen, eine Aufgabe im sozialen Bereich zu übernehmen. Immerhin hat sie mit ihrer juristischen und ihrer pädagogischen Ausbildung einen guten Boden dafür. Dazu kommt die langjährige Erfahrung als Gemeindeammann und im Vormundschaftswesen.
Ein Traumberuf
Bereut, sich als Gemeindeammann von Hefenhofen beworben zu haben, hat Priska Schwarz nie. «Ich bin eine Generalistin», sagt sie von sich selber. Es gebe kaum einen Beruf, in dem sie ihrem Naturell entsprechend ein so vielfältiges und abwechslungsreiches Aufgabengebiet gehabt hätte. Deshalb habe sie die Jahre als Gemeindeoberhaupt von Hefenhofen genossen.
Ihr Job hat aber auch Öffentlichkeit mit sich gebracht. «Für mich war das nie ein Problem», sagt Priska Schwarz. Schwieriger war es manchmal für den Ehemann und die Tochter von Priska Schwarz. Für die Familie, die weiterhin in Hefenhofen lebt, wird sich in dieser Hinsicht einiges ändern. Abgesehen davon schliesst Priska Schwarz auch nicht aus, sich wieder politisch zu betätigen. Nur lieber nicht in einem Parlament, sagt sie und lacht.
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