Sein Ziel ist Paris

HAUPTWIL-GOTTSHAUS ⋅ Janik Fischer gehört in seiner Altersklasse zu den besten Schweizer Judokas. Talent und Trainingsfleiss zeichnen ihn aus. Die Gemeindeverwaltung ist seine berufliche Ausbildungsstätte.
05. Januar 2018, 06:38
Christof Lampart

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Gefragt, wer oder was ihn vor vielen Jahren einst zum fernöstlichen Kampfsport gebracht hat, antwortet Janik Fischer wie aus der Pistole geschossen: «Das waren meine Eltern. Sie suchten einen Sport, bei dem ich meine Energie, von der ich als kleiner Bub zu viel hatte, richtig ausleben konnte.» Und scheinbar trafen die Erziehungsberechtigten die richtige Wahl. Denn für den feinen Techniker, der an Judo vor allem «die Disziplin und das Zusammensein unter Kollegen» schätzt, stand schon bald einmal fest, dass «ich keinen anderen Sport als Judo machen will».

Und so wusste der heute 18-Jährige schon früh, was er einmal werden wollte. Vielleicht nicht unbedingt beruflich, wohl aber sportlich. «Ich möchte mich im Judo immer verbessern und mich dabei stets mit den Besten messen. Einfach, damit ich dann am Ende einer der Besten sein werde», erzählt der Sportler in einem Café im «Neumarkt»-Komplex in der St. Galler Innenstadt. Dass das Gespräch hier stattfindet und nicht vielleicht beim Arbeitgeber oder im Elternhaus, ist kein Zufall, sondern dem eng getakteten Terminplan geschuldet, welcher zwar der Lehre genügend Aufmerksamkeit zukommen lässt, das Hauptaugenmerk jedoch auf das sportliche Vorwärtskommen legt. «Ich habe nachher noch Training», lässt Fischer, der in der Kategorie bis 60 Kilo in der Altersklasse U 21 seine Gegner vorzugsweise per Ippon auf die Matte legt, überhaupt keine Zweifel an seinen ganz persönlichen Priori- täten aufkommen.
 

Verständnisvolle Arbeitgeberin

Für dieses Jahr hat sich Janik Fischer vorgenommen, national wieder um Meisterehren zu kämpfen, und international hofft das Mitglied des Schweizer Nationalkaders auf Einsätze im Europacup. Demnächst geht es für ein Turnier nach Holland. Seit gut drei Jahren besucht Janik Fischer in St. Gallen die Privatschule «United School of Sports», die dem jungen Kampfsportler genügend Freiraum bietet, um seine Ziele konsequent zu verfolgen. Derzeit besucht er die Schule nur für zwei Lektionen am Freitagnachmittag. «Das ist für mich optimal, denn so kann ich die Trainings am regionalen Stückpunkt in St. Gallen bestens planen», erklärt das Mitglied des Judoklubs St. Gallen-Gossau.

Auch seine Arbeitgeberin, die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus, gewährt dem Stift im dritten Lehrjahr gewisse Freiheiten, damit er sich ganz seiner Karriere als Spitzensportler widmen kann. «Hier haben viele Leute Verständnis für meinen Sport, was mich sehr freut und ich auch sehr schätze». Denn für das Fernziel, die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2014 in Paris, braucht es nun mal gewisse Opfer. Auch in Sachen Freizeit liegt nicht viel drin. Muss es aber auch nicht, denn «ich möchte momentan nichts anderes ausser Judo machen; das füllt mich komplett aus», sagt Janik Fischer.