Bügeln wie die Grossmutter

AMRISWIL ⋅ Mit antiken Bügeleisen hat das Bauernmuseum Bohlenständerhaus im Schrofen das Ausstellungsjahr 2018 eröffnet.
08. Februar 2018, 05:19
Barbara Hettich

Schön angeordnet, auf alter Wäsche stehend, sind die rund 40 antiken Bügeleisen in der Scheune des Bohlenständerhauses ausgestellt. Eine Ausstellung, die insbesondere Frauen zu faszinieren scheint, zumindest waren sie am vergangenen Museumssonntag in der Überzahl. Vom kleinsten Bügeleisen bis zum kiloschweren Schneiderbügeleisen: Als Steckdosen noch keine Selbstverständlichkeit waren, wurden die Bügeleisen mit glühender Kohle gefüllt oder auf einem speziell dafür vorgesehenen «Öfeli» heiss gemacht. Modelle solcher Bügeleisen gab es viele und zudem Besonderheiten wie Bügeleisen mit Vergaser, wie die Ausstellung eindrücklich aufzeigte.

Museum profitiert von Haushaltsauflösung

Heidi Diener aus Zürich hat ihre bemerkenswerte Bügeleisen-Sammlung, die sie über viele Jahre zusammen getragen hatte, der Stiftung Bohlenständerhaus geschenkt. «Ich musste meinen Haushalt auflösen», erklärte die ältere Dame und zeigte sich glücklich, dass für ihre Bügeleisen der passende Ort gefunden wurde. «Meine Tochter kennt Stiftungsrätin Brigitta Stahel», erklärte sie, weshalb dies das Bohlenständerhaus ist.

Mit der Bügeleisen-Ausstellung hat die Stiftung Bohlenständerhaus Schrofen-Amriswil das Jahr 2018 eröffnet: Ein Jahr mit neuer Präsidentin und neuen Herausforderungen. Nach dem Rücktritt von Stiftungspräsident Christoph Langenegger im Februar 2017 hat Karin Hungerbühler aus Amriswil das Ruder übernommen. Sie ist seit Eröffnung des Museums mit dem Bohlenständerhaus verbunden: Erst als Gönnerin, dann als Mitglied der Betriebskommission und seit drei Jahren Mitglied des Stiftungsrats. Dennoch: «Das war ein einschneidender Wechsel», blickt sie auf die ersten Monate ihrer Amtszeit zurück. Die Gründungsmitglieder der ersten Stunde hätten sich aus dem Stiftungsrat verabschiedet. Wider das Vergessen habe sie deshalb als erstes eine Chronologie anhand alter Sitzungsprotokolle und mündlicher Überlieferungen erstellt und wolle nun auch eine Inventarisierung in Angriff nehmen. Dass dies eine Herkulesarbeit sein dürfte, ist sich Hungerbühler bewusst.

Armut ist der beste Konservator

Die Aufarbeitung macht sich bereits bemerkbar. In der Scheune, im Ausstellungsraum hängt eine Tafel mit der Entstehungsgeschichte des Bohlenständerhauses: Im Dezember 1983 beschliesst die Gemeinde Amriswil auf Anraten der kantonalen Denkmalpflege das rund 500-jährige Bohlenständerhaus der Familie Affentranger zu kaufen. Bis 1981 hatte die Familie dieses noch selbst bewohnt.

Für den Erhalt und die Finanzierung wurde eine Stiftung gegründet, die 1984 das Haus übernahm und bis zur Eröffnung im Mai 1989 restaurierte. Im Thurgau gebe es viele gut erhaltene Schlösser und Burgen aber nur ein Bohlenständerhaus, welches noch im Original erhalten sei, sagt Karin Hungerbühler. «Armut ist der beste Konservator, Familie Affentranger hatte zu unserem Glück nicht das Geld, etwas am Haus zu verändern.» Im mit viel Liebe eingerichtetem Haus wird aufgezeigt, in welcher Not die «normalen» Menschen früher lebten.


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