Nach Grossmutters Art

AMRISWIL ⋅ Zwei Frauen vom Bohlenständerhaus zeigten am Sonntag das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch natürliche, altbewährte Methoden, die wieder im Trend sind.
09. November 2017, 07:13

Bei dem garstigen Sonntagwetter trat man gerne ein in das Bohlenständerhaus und schaute sich in Grossmutters Speisekammer um. Hedi Zahner bot den Gästen zum Willkomm einen wärmenden, sämigen Eierlikör an, bevor diese sich umsahen bei den Schlemmereien. Für unsere Grossmütter war es noch selbstverständlich, alles was im Garten und auf dem Feld heranreifte und nicht sofort verbraucht wurde, haltbar zu machen, sei es durch Dörren, Trocknen, Sterilisieren oder Einkochen, und zwar in Mengen mit denen auch die Bäuche von Knechten und Mägden gefüllt werden konnten.

Die Kunst des Einmachens und Haltbarmachens von allem, was zum Erntezeitpunkt nicht sofort verwendet werden kann, wurde über Ge­nerationen weitergegeben. Den heutigen Kleinhaushalten angepasst, war Hedi Zahners Sauerkraut portionenweise in Einmachgläser gestampft und verschlossen worden, nicht mehr im gusseisernen, bauchigen Topf wie bei der Witwe Bolte. Gelees und Konfitüren wurden schön beschriftet in kleinen Gläsern präsentiert: «Gekochte Quitten sollten einen Tag lang im Sud stehen gelassen werden vor der Weiterverarbeitung», verriet die erfahrene Hausfrau. Sie habe aber auch ein paar Beutel Hagenbuttentee mitgekocht, damit die Farbe so schön leuchtend rot wurde. Grossmutters Holunderblüten­sirup feiert mit Sekt gespritzt ein Comeback als Hugo.
 

Ein guter Vorrat spart Zeit und Kraft

Beim Tisch mit Kürbis, Rauchfleisch, Kräutersalz und Cutneys erklärte die Präsidentin des Bohlenständervereins Karin Hungerbühler. «Die natürlichen Konservierungsmittel sind die gleichen geblieben, nämlich Alkohol, Zucker, Salz, Rauch, Luft und Essig. Ein guter Vorrat spart Zeit, Kraft, Geld, er beruhigt und bringt Abwechslung.» Längst sei ein Vorrat an Eingemachtem nicht mehr Notwendigkeit wie etwa in den Kriegsjahren, aber mit dem wachsenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein unserer Zeit machen Vorräte ohne künstliche Zusatzstoffe wieder Sinn: «Die überall aufkommenden Hofläden haben viel zur neuen Beliebtheit von natürlichen Einmachmethoden beigetragen. Die Bauernfamilien machen das jetzt nicht mehr nur für den Eigenbedarf», sagt sie.

Rezepte lagen auf zum Mitnehmen und ausprobieren: Feines aus der wilden Weiberküche, eine Anleitung zur Herstellung von Sauerkraut und so weiter. Das älteste Buch war wohl das Oberrheinische Kochbuch von 1840 mit Anweisung für junge Hausmütter und Töchter, die in der Kunst zu Kochen und Einzumachen einige Geschicklichkeit erlangen wollen. Daneben lag die neueste Ausgabe der «Landliebe» mit einer mehrseitigen Schautafel zum Haltbarmachen.

 

Trudi Krieg

amriswil@thurgauerzeitung.ch


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