Musikfestival im Wetterglück

SCHWEIZERSHOLZ ⋅ Das Open Air Bischofszell ist sich treu geblieben: Friedlich-familiär, übersichtlich und bei jungen Familien äusserst beliebt.
29. Mai 2017, 05:17

«Goht’s Eu guet, sind Ihr gschmeidig?», will Martina Dieziger, Frontfrau der Gruppe Posh, von ihrem Publikum wissen. Klar ist man das – vor der Bühne am Waldrand am Heuberg in Schweizersholz wird kräftig gerockt, Haarmähnen werden geschüttelt, Arme gereckt und verschiedenste Körperteile bewegt. Posh weiss, wie man lautstark und mit gängigen Riffs die Massen in Bewegung setzt. Selbst die kleinsten Festivalbesucher sind von der Show beeindruckt, und mit Ohrenklappen geschützt, bestaunen sie von ihren Logenplätzen aus die energiegeladene Frau, die da über die Bühne fegt. Die Band hatte einst die grossen Open-Air-Bühnen erobert, war im Letzigrund Vorband von Bon Jovi. In den vergangenen Jahren wurde es um die Band aus St. Gallen und Winterthur eher ruhig. Mit ihrem neuen Album «Born Out Of Silence» sind sie wieder da – am Open Air Bischofszell begeisterten sie mit gradlinigem und schnörkellosem Sound.

Nach einer halben Stunde Umbaupause macht sich Junior Tshaka, Reggae-Musiker aus Neuchâtel, mit seiner Band für den Auftritt bereit. «Das ist meine persönliche Gute-Laune-Musik», sagt Maya Villabruna-Belt voller Vorfreude. Seit 13 Jahren ist sie OK-Präsidentin des Bischofszeller Open Airs und stolz darauf, dass immer mehr junge Familien kommen. «Das zeigt mir, dass wir vieles richtig machen», sagt sie. Rund 1000 Besucher haben dieses Jahr den Weg auf den Heuberg gefunden und verbringen ein musikalisch-friedliches Wochenende. Die Festwirtschaft läuft auf Hochtouren, das erste richtig schöne Sommerwochenende macht durstig. «Wir können das gebrauchen, unserer Vereinskasse tut dies nach dem Wetterpech in den vergangenen Jahren gut», meint Villabruna-Belt.

Seit 1971 gibt es das Open Air Bischofszell, organisiert vom Verein Open Air Bischofszell, dessen Sinn und Zweck es ist, New­comern und musikalischen Talenten eine Plattform zu bieten.

Einen Hauptact gibt es am Open Air Bischofszell nicht. Alle Bands – deren acht standen an diesem Wochenende auf dem Programm – sind gleichwertig. Gewissermassen ein Heimspiel hatte dennoch die Band Yes I’m very tired now mit Frontmann Marc Frischknecht, der einst im Sandbänkli Bischofszell die Schulbank drückte und vergangenes Jahr von SRF 3 zum «Best Talent» ausgezeichnet wurde. Mit melancholischem Indie-Pop beschloss Yes I’m very tired now das musikalische Programm in der Samstagnacht, bevor am Sonntagmorgen Swissmayd die Konzertbesucher aus ihren Zelten rockten.

 

Barbara Hettich

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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