Lebende Rasenmäher

BIESSENHOFEN ⋅ Erwin Allenspach hält seit 20 Jahren Alpakas. Die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammenden Kleinkamele züchtet er und lässt aus der Wolle Duvets herstellen.
20. November 2017, 07:04
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Mit ihren grossen tiefschwarzen Kulleraugen und der flotten Frisur ziehen sie einen sogleich in ihren Bann. Fiona, Mela, Felina und wie sie alle heissen, blicken neugierig auf und machen sich auf leisen Sohlen heran. Erwin Allenspach streichelt seinen ­Alpakas über ihr weiches Fell, während sie genüsslich am mitgebrachten Futter knabbern.

«Die Tiere dienen mir als ­lebende Rasenmäher», scherzt Erwin Allenspach. Früher habe er Schafe gehalten, seit bald 20 Jahren Alpakas. Angefangen habe er mit zwei jungen Tieren, die er im damaligen Erlebniszoo in Eichberg gekauft hatte. Gegenwärtig leben neun Alpakas bei Erwin ­Allenspach in ihrem Gehege auf der Wiese in Biessenhofen. «Heuer gab es keinen Nachwuchs, im vergangenen Jahr ­waren es drei Fohlen», sagt der Hobbyzüchter. Die meisten Jungtiere verkauft der gelernte Metzger an Privatpersonen, insgesamt seien es bislang etwa dreissig ­gewesen. Für die Haltung von ­Alpakas brauchte er eine Wildhaltebewilligung, inzwischen muss ein Sachkundenachweis erlangt werden. «Ich war damals einer der ersten Alpakahalter in der Region», blickt er zurück. Mit den Jahren kamen immer mehr dazu. Gemäss Auskunft des Landwirtschaftsamtes Kanton Thurgau sind zurzeit 469 Alpakas und 123 Lamas verzeichnet.
 

Die Tiere sind pflegeleicht und genügsam

Erwin Allenspach betont, dass ­Alpakas pflegeleicht und genügsam seien. Die Tiere versorgen sich auf der Wiese weitgehend selbst – sie sind Pflanzenfresser und ernähren sich fast ausschliesslich von Gräsern. Im Winter werde Heu zugefüttert und zwischendurch ganz wenig Kraftfutter. Mit Kraftfutter sollte sehr sparsam umgegangen werden, da Alpakas zur Verfettung neigen. Ursprünglich stammen sie aus den südamerikanischen Anden und gehören zur Familie der ­Kamele. Die Kleinkamele werden dort vorwiegend ihrer Wolle wegen gezüchtet. In ihrer Heimat, im Hochgebirge der Anden, seien die Tiere extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. «Unser Klima stellt deshalb für die Tiere kein Problem dar.» ­Alpakas benötigen einen ganzjährigen Weidegang. Um sich vor Hitze, Regen und Schnee zu schützen, haben die Alpakas in Biessenhofen einen Offenstall.

Erwin Allenspach lässt seine Tiere alle zwei Jahre scheren. «Grundsätzlich im Frühjahr», sagt er. Aus der Schurwolle lässt er Duvets anfertigen und verkauft sie an Private. «Die bei der Schur eines Tieres gewonnene Wolle reicht zur Füllung von durchschnittlich einem Duvet», erklärt der 48-Jährige. Da die Wollfaser innen hohl ist, wirke sie temperaturausgleichend. «Die Decke hält somit warm, verringert aber das Schwitzen.»

Unterschieden wird zwischen zwei Alpakatypen – dem Huacaya und dem Suri. Das Haar des Huacaya-Alpakas hat eine gekräuselte, flauschige Faser und ist dicht am Körper. Das Haar des Suri-Alpakas hingegen weist keine Kräuselung auf und fällt in langen Strähnen herunter. Weil ihm die Huacayas besser gefallen, hält Erwin Allenspach diese Art.
 

Sein ältestes Tier ist 21 Jahre alt

Alpakas gibt es in sehr vielen verschiedenen Farbtönen – von weiss über braun und grau bis schwarz. Einige Alpakahalter bevorzugen weisse Tiere. Allenspach hatte sich für eine kunterbunte Mischung entschieden, wie er sagt. Alpakas werden durchschnittlich 20 Jahre alt. Sein ältestes Tier sei 21-jährig und noch enorm fit.

Und worin liegt der Unterschied zwischen Alpakas und ­Lamas? Am auffälligsten sei die Grösse. «Alpakas sind deutlich kleiner als Lamas. Zudem sind die Ohren der Alpakas relativ kurz und laufen spitz zusammen, die Ohren der Lamas sind länger.» Und weshalb spucken Alpakas und Lamas? Das Spucken sei eine Ausdrucksform der Rangordnung innerhalb der Herde. «Auch spucken die Tiere, wenn sie extrem gereizt werden oder sich bedroht fühlen.»

Die Alpakahaltung bezeichnet Erwin Allenspach als eine Outdoor-Freizeitbeschäftigung der besonderen Art, und zudem sei es ein idealer Ausgleich zu seinem Berufsalltag.


Leserkommentare

Anzeige: