Jetzt folgt die Knochenarbeit

BISCHOFSZELL ⋅ Die Ortsplanungsrevision tritt in die Phase der konkreten Umsetzung. In der Stadtwerkstatt hatte die Bevölkerung ein weiteres Mal Gelegenheit, Fragen zu stellen sowie eigene Anliegen und Bedenken zu äussern.
28. September 2017, 05:19
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Mit der Revision der Ortsplanung sei ein vielschichtiges Projekt am Laufen, stellte Stadtpräsident Thomas Weingart zu Beginn der Veranstaltung fest und zog einen anschaulichen Vergleich mit der Schwarzwäldertorte. Wie diese brauche auch die Ortsplanung einen guten, stabilen Boden. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, wird die Bischofszeller Bevölkerung zur Mitarbeit eingeladen. Zu diesem Zweck ist die Stadtwerkstatt ins Leben gerufen worden. Die Premiere erlebte dieser Workshop im vergangenen April. Zur zweiten Auflage fanden sich am Dienstagabend rund zwei Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner in der Bitzihalle ein.

Raumplaner Olaf Wolter stellte eingangs jene Leitsätze vor, die für die Räumliche Entwicklungsstrategie aufgestellt worden sind. Sie basieren grossteils auf Erkenntnissen der ersten Stadtwerkstatt. So wird eine hochwertige Siedlungsentwicklung innerhalb der bestehenden Bauzonen gefordert, was zur Stärkung der Stadt als Wohn- und Lebensraum führen soll. Die Siedlungsentwicklung nach innen habe bedürfnisorientiert zu erfolgen, wobei Siedlungs- und Freiräume gleichwertig zu behandeln seien.

Zur Verkehrsproblematik wird festgehalten, dass der Verkehr siedlungs- und umweltverträglich abzuwickeln sei. Die Verkehrsplanung habe angebotsorientiert zu erfolgen und solle in den Dienst der Siedlungsentwicklung gestellt werden. Eine grosse Bedeutung wird dem Umgang mit den Landreserven beigemessen. Diese seien in den Dienst der Stadtentwicklung zu stellen. ­Wolter sprach Klartext: «Es er­folgen keine Veräusserungen von Grundstücken zur Verbesserung der Finanzlage.» Von der Stadt wird erwartet, dass sie die Entwicklung innovativer, generationenübergreifender und energieeffizienter Wohn- und Gewerbeformen unterstützt.

Eine Erweiterung des ­Zentrums wird angedacht

Die Leitsätze wurden in vier Gruppen diskutiert und die Resultate im Plenum erläutert. Zustimmend zur Kenntnis genommen wurde zum Beispiel, dass das Wachstum den Infrastrukturen angepasst werden soll und nicht umgekehrt. Bemängelt wurde das Fehlen einer konkreten Aussage zum Transitverkehr. Kritisch hinterfragt wurde der Verlauf der heutigen Hauptverkehrsachsen. Eine Arbeitsgruppe vermisste ein Konzept für den Landschaftsschutz, während eine andere darauf hinwies, dass die Kirchenwiese nicht als Siedlungsfreiraum definiert ist.

Im zweiten Teil der Abends befassten sich die Teilnehmer mit den diversen Handlungsräumen. Wolter erklärte, dass die Altstadt in ihren vielfältigen Funktionen gestärkt werden solle, wobei ein tragfähiger Ausgleich zwischen Vitalität und Ruhe zu suchen sei. Bischofszell solle auch ausserhalb des historischen Ortskerns zur Stadt werden. Im Sinne einer Zentrumsweiterung rund um den Bahnhof könnten Einkaufs-, ­Arbeits- und Wohnnutzungen in hochwertigen städtebaulichen Strukturen entwickelt werden. Als erhaltenswert werden die ­sogenannten Wohninseln im ­Bereich von Schweizersholz und Halden angesehen.

Diese und viele andere Aspekte wurden ebenfalls gruppenweise erörtert. Dabei zeigte sich, dass in der Altstadt die Gefahr von Nutzungsfriktionen besteht und eine Zentrumserweiterung zwar als sinnvoll erachtet wird, die Umsetzung aber eine grosse Herausforderung darstellen würde. Die Ergebnisse der zweiten Stadtwerkstatt werden in die Arbeit der Ortsplanungskommission einfliessen. Stadtpräsident Weingart sprach von einer Knochenarbeit, die nun bevorstehe.


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