«Ich konnte nicht Nein sagen»

AMRISWIL ⋅ Eugen Fahrni soll Ehrenbürger der Stadt Amriswil werden. Der gebürtige Glarner hat sich auf verschiedenen Ebenen für die Öffentlichkeit eingesetzt.
01. Dezember 2017, 07:31
Rita Kohn

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

 

Er hatte ein mulmiges Gefühl, als er zu einem Gespräch ins Stadthaus gebeten wurde. Eugen Fahrni konnte sich im Frühjahr nicht vorstellen, was Stadtpräsident Martin Salvisberg und Stadtschreiber Roland Huser mit ihm zu besprechen haben könnten. Dann aber erfuhr er, dass ihm eine besondere Ehre zuteil werden sollte: Die Stadt möchte ­Eugen Fahrni gerne zum Ehrenbürger machen. «Im ersten Moment habe ich mich gefragt, wieso. Ich habe doch gar nichts Aussergewöhnliches gemacht», sagt er bescheiden und schaut schmunzelnd auf die Liste, die eine stattliche Anzahl ehrenamtlicher ­Einsätze enthält. Er habe eben nicht Nein sagen können, bekennt Eugen Fahrni.

Gemeinderat, Vize-Gemeindepräsident, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde: Seine ­öffentlichen Ämter haben Eugen Fahrni mit vielen Aufgaben konfrontiert: «Als Gemeinderat war ich unter anderem für den Bau der Alterssiedlung, die Sanierung der Bahnhöfe Amriswil und Oberaach oder den Neubau der Schiessanlage Almensberg mitverantwortlich.» Das Bauen beschäftigte ihn auch in seinem Amt als Präsident der Evange­lischen Kirchgemeinde. In seine Amtszeit fielen die Renovation der Kirche Amriswil, die Gesamt-Renovation des Alten Pfarr­hauses, die Aussenrenovation der Kirche Oberaach oder die Renovation mehrerer Pfarrhäuser.

«Ich wollte mich immer mit der Sache vertraut machen»

Wann immer sich Eugen Fahrni für etwas zur Verfügung gestellt hat, war es ihm wichtig, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Das habe ihm eine ganz neue Welt eröffnet, sagt er Rückblickend. Er wurde auf diese Weise mit verschiedensten Themen konfrontiert und bekam einen vertieften Einblick in die jeweilige Welt. Als OK-Mitglied gestaltete er unter anderem Anlässe wie das Nordostschweizerische Schwingfest, das Nordostschweizerische Jodlerfest, die Minigolf-Europameisterschaften oder das Kantonal-­Musikfest mit. Dass er dazu Hand geboten und seine Zeit zur Ver­fügung gestellt habe, habe auch damit zu tun gehabt, dass er ­hinter der Sache stehen konnte, für welche die jeweilige Gruppierung stand. «Ich fand es grossartig, was die Schwinger, die ­Minigolfer oder die Jodler machen», sagt er. Doch nicht nur für verschiedene Anlässe, sondern auch für beständige Sachen setzt sich Eugen Fahrni ein. So steht er heute an der Spitze der Gruppe, die das Ortsmuseum Amriswil betreut.

Der Grund, wieso er sich für die Öffentlichkeit engagiert, liegt viele Jahre zurück. «Wir wurden in Amriswil damals sehr herzlich aufgenommen», sagt Eugen Fahrni. Das war vor fast 50 Jahren. Bis 1968 lebten Eugen und Betty Fahrni in Langenthal. «Ich hatte mich für eine Redaktoren-Stelle beim «Thurgauer Tagblatt» in Weinfelden beworben», blickt der Amriswiler zurück. Die Stelle bekam jedoch der Amriswiler Fis. Dafür aber meldete sich Max Grob bei Eugen Fahrni und bot ihm die Redaktorenstelle beim «Amriswiler Anzeiger» an. «Wir mussten zuerst mal nachsehen, wo Amriswil überhaupt ist», bekennt Eugen Fahrni. Das Stellenangebot überzeugte den Glarner, er zog mit der Familie in den Oberthurgau. Nein, bereut habe er diesen Schritt nie, sagt er voller Überzeugung.

Die Nachbarn wurden zu Freunden

Nachdem er ein paar Jahre als Redaktor und Schriftsetzer auf verschiedenen Schiffen der Holland-Amerika-Linie gearbeitet hatte und eine Weiterbildung in England absolvierte, ist er in der Ostschweiz zur Ruhe gekommen. Seine Arbeit als Redaktor brachte es mit sich, dass er verhältnismässig schnell mit seinem neuen Zuhause vertraut wurde. «Aber wir fanden auch in unserem unmittelbaren Umfeld sehr nette Auf­nahme.» Die einstigen Nachbarn im Haus an der Weinfelder­strasse, in das die junge Familie zunächst einzog, sind bald zu Freunden geworden. «Diese Freundschaften bestehen heute noch», freut sich Eugen Fahrni.

Der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember, an der die Stimm­bürger über den Antrag, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen, be­finden werden, sieht er gelassen entgegen. Er habe diese Ehrung nicht gesucht, freue sich aber über die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht werde.


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