«Ich kenne das System von innen»

SULGEN ⋅ Mit Christoph Stäheli bewirbt sich ein Lehrer für das Präsidium der Volksschulgemeinde Region Sulgen. Der 53-Jährige ist überzeugt, dass ihm seine bisherige berufliche Erfahrung von grossem Nutzen wäre.
30. September 2017, 05:19
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Herr Stäheli, Sie unterrichten seit zwei Jahrzehnten. Weshalb wollen Sie den Lehrerberuf nun an den Nagel hängen?

Ich habe diesen Schritt mit meiner Frau ausführlich diskutiert und mich gefragt, was ich auf- geben würde. Es wäre in der Tat viel. Andererseits liegt mir auch die neue Volksschulgemeinde sehr am Herzen. Auf strategischer Ebene aktiv zu werden, sehe ich als erfüllende Aufgabe.

Was spricht dafür, einen Pädagogen zum Volksschulpräsidenten zu wählen?

Ich kenne das System Schule von innen. Ich weiss, wie Lehrkräfte ticken, kenne die Bedürfnisse der Kinder und die Erwartungen der Eltern. Als Lehrer habe ich tagtäglich mit Menschen zu tun. Bei der Führung einer Klasse geht es um den wertschätzenden Umgang mit unterschiedlichsten Ansprüchen. Im Übrigen war ich nicht immer Lehrer. Ich weiss auch, was es heisst, in der Privatwirtschaft tätig zu sein.

Wie haben Sie als Lehrer die Zusammenarbeit mit der Schulbehörde erlebt?

Seit der Einführung der Schul­leitungen hat die unmittelbare Zusammenarbeit spürbar abgenommen. Als Präsident wäre es mir wichtig, die Menschen an un­serer Schule zu kennen. Ich würde wissen wollen, was sie beschäftigt, ohne aber dreinzureden. Operatives und Strategisches würde ich klar trennen. Die Verknüpfung dieser Bereiche habe ich in der Vergangenheit schon kritisiert. Ich würde mich also hüten, diesen Fehler zu begehen.

Die Bildung der VSG Region Sulgen war nicht unum­stritten. Welchen Standpunkt nahmen Sie damals ein?

Ich war stets ein klarer Befür­worter dieser Organisationsform. Wir leben in einer Region, die immer mehr zusammenwächst. Es gibt unzählige Vernetzungen. Mit einer VSG können viele Doppelspurigkeiten beseitigt und ­Synergien gebündelt werden. Eine koordinierte Zusammenarbeit wird wesentlich vereinfacht.

Soll die künftige Behörde auf die Argumente der einstigen Gegner nochmals eingehen?

Ich glaube, dass sich die Menschen mit der gegebenen Situation ganz gut arrangiert haben. Ich erwarte, dass die Behördenmitglieder klar hinter der Volksschulgemeinde stehen, was aber nicht heissen soll, dass unser Handeln nicht kritisch hinterfragt werden darf. Es ist wichtig, die Vergangenheit zu kennen, bewältigen müssen wir sie in diesem Fall aber nicht.

Wie beurteilen Sie die Grösse der Schulbehörde und das Pensum des Präsidenten?

Eine siebenköpfige Behörde erachte ich als ausreichend und gut. Das 80-Prozent-Pensum für das Präsidium ist anfänglich sicher richtig. Mittelfristig kann ich mir aber eine Reduktion vorstellen.

Wie bewerten Sie den Zustand jener Schulgemeinden, die ab 2018 die VSG Region Sulgen bilden werden?

Wir haben vier gut funktionie­rende Schulen und sieben Schulhausteams. Es wäre mir ein Anliegen, diese Vielfalt zu pflegen und zu fördern. Wir müssten sicher schauen, welche Gemeinsam­keiten vorhanden sind und diese dann gezielt stärken.

Schulleiter und Schulsozialarbeiter gab es zu Ihrer Schulzeit noch nicht. Sind diese Funktionen inzwischen unverzichtbar geworden?

Ja, denn unsere Welt ist äusserst vielschichtig und komplex ge­worden. Die Ansprüche und Erwartungen an jeden einzelnen sind gestiegen. Professionelle Hilfe von aussen kann immer mal wieder nötig und hilfreich sein.

Was werden die wichtigsten Aufgaben der Schulbehörde in der ersten Amtsdauer sein?

In der ersten Phase müssen die Verwaltungsstrukturen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Für die Behörde wird es wichtig sein, die Ressorts so aufzugleisen, dass die Zuständig­keiten und Kompetenzen klar sind. Es wird darum gehen, Synergien zu suchen und vor allem zu nutzen. Mir persönlich ist auch die Nachhaltigkeit unseres Handelns ein grosses Anliegen.


Leserkommentare

Anzeige: