«Zu wenig Respekt vor der Schweiz»

BISCHOFSZELL ⋅ An der Bundesfeier der Rosenstadt hielt Verena Herzog die Festrede. Die SVP-Nationalrätin aus Frauenfeld ermunterte die Schweiz zu einem selbstbewussten Auftreten gegenüber der Europäischen Union.
02. August 2017, 07:05
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

War das Wetter vielleicht schon zu schön? Am bislang heissesten Tag des Jahres fanden sich am Dienstag deutlich weniger Leute als in den Vorjahren ein, um vor der Bitzihalle gemeinsam den Geburtstag der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu feiern.

Da die Stadtmusik turnus- gemäss in der Nachbargemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf auftrat und die ursprünglich vorgesehene Formation ihre Teilnahme absagte, hatte man für einmal mit Musik aus der Konserve vorliebzunehmen. Nicht verzichten mussten die Besucher hingegen auf den Brunch, der auch heuer vor dem Festakt offeriert wurde.

Das Staatswesen gleicht einem Rosengarten

Mit Verena Herzog konnte Stadtpräsident Thomas Weingart erstmals seit längerer Zeit wieder ein Mitglied des Nationalrates an der Bischofszeller Bundesfeier willkommen heissen. Der Gast aus der Kantonshauptstadt bedankte sich für die Einladung mit diversen Komplimenten und verglich – passend zum Ort der Ansprache – die Entstehung der Schweiz mit der Gestaltung eines Rosengartens. Herzogs Fazit: «Vielseitigkeit ist erwünscht und wichtig, sowohl im Rosengarten als auch in unserem Staat.»

Die Nationalrätin rief dazu auf, jenen Leuten ein ehrendes Andenken zu bewahren, die wie Niklaus von Flüe in brenzligen Situationen kluge Ratschläge erteilt hätten. «Er war ein Gärtner, der mit den richtigen Tipps im damaligen verwilderten Rosengarten Ordnung schuf und darauf achtete, dass sich die Pflanzen ergänzten.» Auch der in Bischofszell geborene Reformator Theodorus Bibliander, der im 16. Jh. den Koran übersetzt hatte, fand in der Festrede lobende Erwähnung. Er sei seiner Zeit viel zu weit voraus gewesen und deshalb nicht verstanden worden. «Bibliander realisierte ganz pragmatisch, dass man sich wieder auf die wesentlichen Dinge konzentrieren sollte», sagte Herzog.

Brüssel darf nicht wichtiger werden als Bern

Im letzten Teil ihrer Ansprache befasste sich die Politikerin mit dem Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union. Es werde versucht, an den Strukturen der Eidgenossenschaft zu rütteln, stellte Herzog unter Bezugnahme auf den institutionellen Rahmenvertrag fest. Dieser scheine auf den ersten Blick harmlos, sei es aber nicht. Herzog warnte vor einer automatischen Anpassung des Schweizer Rechts an jenes der EU: «Nicht jede Änderung der EU-Bürokraten ist ein Fortschritt.» Sie verwies auf eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen, die besage, «dass genau solche Änderungen fast immer zum Nachteil der Schweiz und ihrer Wirtschaft sind».

Herzog beklagte einen Mangel an Respekt und Wertschätzung gegenüber der Schweiz. Deren Devise sollte es sein, Schritt für Schritt mit Beharrlichkeit und Geduld auf Augenhöhe zu verhandeln. Auch wenn heutzutage alles schnell gehen müsse, dürfe man nichts übers Knie brechen.


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