Seine Talente ins Spiel bringen

AMRISWIL ⋅ Hilfe leisten auf regionaler Basis: Dazu möchte Barbara Lüthi die Facebook-User anregen. Sie hat, angelehnt an gesamtschweizerische Projekte, eine neue Gruppe ins Leben gerufen.
08. August 2017, 05:17
Rita Kohn

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Blumen giessen während der Ferien, Hunde und Katzen betreuen, mit Betagten spazieren gehen oder auch beim Umzug helfen: Die Palette der möglichen Hilfe ist gross. «Dieses Potenzial gilt es zu nutzen», sagt die 55-jährige Amriswilerin Barbara Lüthi und gründet eine Facebook-Gruppe unter dem Titel «Amriswil & Umgebung Mir hälfäd enand». Angelehnt hat sie die Idee an die Facebook-Gruppen im Stile von «Fründe helfed Fründe». Eigentlich habe sie zunächst nur eine etwas kleinräumigere Gruppe gründen wollen, weil bei vielem die Distanz halt eine grosse Rolle spiele. Dann habe sie sich aber auch Gedanken über das Wort «Freund» gemacht. Nicht alle, die über Facebook vernetzt seien, seien auch Freunde, sagt sie. Deshalb habe sie einen anderen Titel gewählt, obwohl das Prinzip das selbe bleibe.

Barbara Lüthi erhofft sich, durch die neue Gruppe ein Netzwerk für die Menschen der Region aufbauen zu können, das dazu beiträgt, die gegenseitige Hilfsbereitschaft wieder zu stärken. «Ich finde es schade, wenn jemand beispielsweise Kinderkleider in den Altkleidersack steckt, obwohl sie ein paar Strassen weiter von einer jungen Familie ganz dringend gebraucht würden», umschreibt sie ihr Anliegen. Das gelte für vieles andere auch.

In einen Abwärtsstrudel geraten

Selber hat Barbara Lüthi bereits für die Pflanzen eines älteren Ehepaars während dessen Abwesenheit gesorgt. Sie habe Zeit dafür, sagt sie und lächelt müde. Seit einem Burn-out ist die einstige Sozialpädagogin arbeitslos und inzwischen ausgesteuert. Es liege nicht daran, dass sie keinen Job haben möchte, betont sie. «Aber für alles braucht man heute die entsprechende Ausbildung.» In ihrem Alter wolle sie niemand mehr einfach so einstellen. «Ich habe über den Kompass im Bereich Aktivierung von Seniorinnen und Senioren gearbeitet. Das hat mir sehr viel Spass gemacht.» Auch die Rückmeldung der Verantwortlichen sei gut gewesen. Aber um zu einer Anstellung in diesem Bereich zu kommen, müsste sie die entsprechende Ausbildung vorweisen. So sei es ihr in verschiedenen Situationen ergangen.

Um sich nicht ganz nutzlos zu fühlen, setzt sich Barbara Lüthi für andere Menschen ein. Sie fürchtet, dass sie selber in absehbarer Zeit selber zu den Menschen in Amriswil gehört, die von der Fürsorge leben.

Die Menschen zusammenbringen

Noch zehre sie vom Erlös ihres Häuschens, das sie aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit habe verkaufen müssen.

Wenn das Geld aufgebraucht sei, habe sie keine andere Perspektive mehr, als sich an die Sozialhilfe zu wenden. Es sei denn, sie finde doch noch eine Anstellung. Die Betreuung der neuen Facebook-Gruppe macht Barbara Lüthi Freude. Sie ist überzeugt davon, dass sie nach einer Anlaufzeit ein tragfähiges Netzwerk bieten kann, das die Grundlage für einen Austausch und quasi Nachbarschaftshilfe gibt. «Voraussetzung dafür ist, dass genügend Menschen mitmachen», sagt die Initiatorin. Sie sei aber zuversichtlich.

«Auch wenn es bei uns möglich ist, Dinge zu verschenken oder günstig abzugeben – oder auch nach Dingen zu suchen – sind wir keine Verkaufsplattform», sagt Barbara Lüthi. Es ­liege ganz im Ermessen der Gruppenmitglieder, wie die gegen­seitige Hilfe letztlich aussehe.


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