Revival der Zweitakter

ZIHLSCHLACHT ⋅ Vor Jahrzehnten standen Mofas auf dem Wunschzettel der meisten Jugendlichen ganz oben. Dann verschwanden diese Zweiräder zusehends. Peter Straub hat nun seine alte Leidenschaft wiederentdeckt.
19. Juli 2017, 16:29
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

«Mit 14 besass ich mein erstes Mofa, es war violett und mein ganzer Stolz», erinnert sich Peter Straub. Heute ist der Zihlschlachter 34 Jahre alt und im Begriff, das Rad der Zeit zurückzudrehen: Seit einigen Monaten ist Straub wieder vermehrt mit einem Velotöffli unterwegs. Das Mofa der Marke Puch ist nicht mehr violett, sondern schwarz, vermag jedoch die gleichen Emotionen zu wecken wie das erste Gefährt in den Neunzigerjahren.

Mit dem Gedanken, ein Mofa aus den guten alten Zeiten zu reaktivieren, begann sich Straub erst dieses Jahr zu beschäftigen. Auslöser war ein Feierabendbier mit Raphael Steiger, einem Kollegen aus Bischofszell. «Als wir so gemütlich beisammensassen, wurden Jugenderinnerungen wach und zu diesen gehörten natürlich auch unsere legendären Touren mit dem Töffli», erzählt Straub. Eine Schnapsidee war es nicht – im Gegenteil. Straub begab sich umgehend auf die Suche nach einem fahrtauglichen Exemplar und wurde recht bald im Internet fündig.

Occasionen können den Neupreis übertreffen

«Die Rückbesinnung auf Velotöfflis scheint ein Trend zu sein, der zum Kult werden könnte», schätzt Straub die Situation ein. Entsprechend hoch seien die Preise für Occasionen. Laut Straub werden gebrauchte Mofas mitunter für über 2000 Franken angeboten. So tief musste er selber zwar nicht in die Tasche greifen, doch dafür investierte er während Wochen einen Grossteil seiner Freizeit in die Restaurierung des Puch Maxi N mit Baujahr 1981. «Es dürften 30 bis 40 Stunden gewesen sein», vermutet Straub. Der Zustand des Fahrzeugs sei dem Alter entsprechend gewesen. Gewisse Teile habe er ersetzen müssen, was aber dank Internet kein Problem gewesen sei. Neu sei auch die Lackierung. «Der Motor war in Ordnung, doch es gab etliche rostige Stellen am Chrom», sagt der Mofafan. Völlig unproblematisch ist der Gebrauch des restaurierten Zweirads allerdings nicht, wie Straub freimütig einräumt. Den nötigen Treibstoff müsse er sich selber mischen, da dieser an Tankstellen kaum noch erhältlich sei.

Seine Leidenschaft teilt Straub derzeit mit sechs Gleichgesinnten aus der Region. Mit der Escolounge in Amriswil verfügt man auch schon über ein Stammlokal. Sollte sich der Kreis der Interessenten noch vergrössern, wird die Töffli Gang Thurgau von der heutigen losen Gruppierung in einen Verein umgewandelt. Der martialische Name täuscht darüber hinweg, dass die Mofa-Freaks vom Scheitel bis zur Sohle friedliche Zeitgenossen sind. Straub: «Wir wollen Hektik und Stress vermeiden und beim Fahren die Landschaft geniessen.» Bei Tempo 30 ist das gut möglich. Im Gegensatz zu früher ist diesen Mofafahrern die Geschwindigkeit nicht mehr wichtig.

www.facebook.com/toeffligangthurgau


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