Nachbars Vieh und Tochter geschnappt

MUOLEN ⋅ Am Anfang von Alois und Lisbeth Gablers Geschichte stand eine Fusion, bei der auch die Liebe eine Rolle spielte. Heute halten die beiden auf ihrem Hof 80 Wasserbüffel. Aus der Milch werden Mozzarella und Halbhartkäse hergestellt.
11. August 2017, 07:24
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich sind Wasserbüffel in Asien beheimatet. Dort werden sie heute noch als Zugtiere beim Reisanbau eingesetzt. Im beschaulichen Muolen sind keineswegs Reisfelder zu finden – jedoch Wasserbüffel, die auf saftig grünen Wiesen genüsslich weiden. Alois und Lisbeth Gabler sind die Besitzer der «Büffeloase», wo eine Herde, bestehend aus rund 80 Tieren, lebt. Zum landwirtschaftlichen Betrieb gehören zudem 260 Hochstammbäume.

Seit 1986 führen die beiden gemeinsam einen Hof im Weiler Pfin. Alois Gabler musste schon früh Verantwortung für den Landwirtschafts­betrieb tragen. Als er 21 Jahre alt war, starb sein Vater Josef. Anfangs gab es nur Braunvieh, später kamen Rotfleckkühe dazu. Auch konnte Alois Gabler von seinem Nachbarn einen Teil des Viehbestandes übernehmen. «Wir haben gewissermassen fusioniert», sagt Lisbeth Gabler-Egli und lacht. Alois Gabler hat nämlich nicht nur Vieh von Kilian Egli übernommen, sondern auch noch dessen Tochter geheiratet.

Rumänischer Praktikant gab den Anstoss

Neue Tierschutzverordnungen und der Tiefflug des Milchpreises, der damals bei 60 Rappen pro ­Liter lag, liessen Gablers nach Alternativen suchen. Im Jahre 2010 entschieden sie sich, von der Milchwirtschaft mit Kühen auf Wasserbüffel umzustellen. Alois und Lisbeth Gabler kauften acht Büffelkälber, die sie selber auf­zogen. Die Tiere stammen ursprünglich aus Italien. «Drei Jahre später konnten wir bereits unsere ersten Wasserbüffel melken», erzählt Alois Gabler. Ein Grossteil der Milch wird seither von der Firma Züger Frischkäse in Oberbüren zu Büffelmozzarella verarbeitet. Während der Winter- monate gelangt auch eine kleine Milchmenge in die Käserei von Muolen. Dort wird seit einem Jahr der Halbhartkäse «Buffalo-Joe» produziert und verkauft.

Ende der Neunzigerjahre sei ein Bauer in Schangnau im Emmental durch einen rumänischen Praktikanten erstmals auf das Thema Wasserbüffel gestossen. Dieser Landwirt habe damals die ersten Tiere aus Rumänien importiert. Gemäss Auskunft von Swissherdbook in Zollikofen leben 594 Herdebuch-Kühe (Stand 30. 11. 2016) in der Schweiz. Das Herdebuch ist eine vom Zuchtverband geführte Zusammenstellung der Abstammungsnachweise von Zuchttieren.

«Zu Beginn mussten wir bei­nahe Büffelpsychologie studieren, um alles über diese Tiere zu erfahren», erinnert sich Lisbeth Gabler schmunzelnd. Wasser­büffel seien neugierige, ruhige und äusserst intelligente Tiere. «Sie hören sogar auf ihren Ruf­namen», erzählt sie. Eine grosse Herausforderung bei der Haltung sei die Rangordnung in der Herde. Es sei schwierig, ein fremdes Tier in eine bestehende Gruppe zu integrieren. Gablers haben gute Erfahrung damit gemacht, die Jungtiere früh in die bestehende Herde einzugliedern.

Ansonsten ist die Haltung nicht sehr anspruchsvoll. Wasserbüffel sind genügsame und anpassungsfähige Tiere. «Sie bekommen nur Raufutter wie Heu und Gras – im Winter ausser Heu noch Mais aus eigenem Anbau», erklärt Alois Gabler. Im Melkstand erhalten die Büffel Bier- treber und wenig Getreidewürfel als Lockfutter. Ansonsten benötigen sie kein zusätzliches Kraftfutter. Auch sind Büffel extrem robust. «Dadurch brauchen wir den Tierarzt nur sehr selten», führt der Landwirt aus.

Wasserbüffel schwitzen kaum

Eine Besonderheit beim Wasserbüffel ist die dicke Haut, die nur wenige Schweissdrüsen aufweist und somit kaum schwitzen kann. In den Sommermonaten sind deshalb Suhlen für diese Tiere sehr wichtig. Suhlen sind morastige Bodenvertiefungen mit Wasser. Auf der Wiese haben sich Gablers Wasserbüffel selber eine Suhle gegraben, die aber oftmals austrocknet. Anstelle einer Suhle können die Tiere auch abgespritzt werden. «Wir haben deshalb auf dem Hof eine Sprinkleranlage mit Regenwasser installiert», sagt Lisbeth Gabler.

Gegenwärtig ist die Wasserbüffelherde etwas kleiner. «Die Jungtiere verbringen die Sommermonate in der Nähe der Schwäg­alp», verrät Lisbeth Gabler. Wasserbüffel geben drei- bis viermal weniger Milch als normale Kühe. Ein Wasserbüffel gibt durchschnittlich nur rund 2500 Liter im Jahr. Büffelmilch weist etwa acht Prozent Fett auf und damit doppelt so viel wie Kuhmilch, und rund vier Prozent Eiweiss. Weil sich die Eiweisszusammensetzung von der Kuhmilch unterscheidet, wird die Wasserbüffel-Milch häufig von Kuhmilch-Allergikern getrunken. Das Fleisch von Wasserbüffeln ist zudem sehr gesund. Im Vergleich zum Rindfleisch enthält es weniger Cholesterin.

Am Wegrand, gleich neben «Gablers Büffeloase», steht ein Selbstbedienungshäuschen mit Milch- und Fleischerzeugnissen. Lisbeth Gabler, eine gelernte ­Bäckerin-Konditorin, stellt auch Büffelmilch-Joghurt her. Gefrorenes Fleisch ist jederzeit erhältlich und frisches nach Absprache. Besonders beliebt sind die Büffel-Burger. Auf Anfrage bieten Alois und Lisbeth Gabler für kleine Gruppen Hof-Events an. Gablers sind auch an Märkten anzutreffen. «Das ist stets mit viel Aufwand verbunden», betonen sie. Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von ihren fünf erwachsenen Töchtern und deren Partnern.

Der 55-jährige Alois Gabler hofft, dass der Landwirtschaftsbetrieb auch nach seiner Pensionierung weitergeführt wird. Doch im Moment zählt nur das, was jetzt ist: «Wir sind glücklich mit unseren Tieren und froh, dass wir diesen Schritt gewagt haben.»

www.büffeloase.ch


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