Künstlerischer Vorstoss in wenig bekannte Sphären

SCHÖNENBERG ⋅ Arthur Schneiter lud zum Poesietag ein. Mit seinen Gästen Katrin Bibiella und Thomas Niggli präsentierte der einheimische Bildhauer und Klangkünstler das anspruchsvolle Programm «Im Gehör der Steine».
05. August 2017, 05:18

Dass Poesie wesentlich vielseitiger ist als die kurzen Reime, die in früheren Zeiten von jungen Menschen in Alben geschrieben wurden, zeigte sich am vergan- genen Sonntagabend anlässlich des Kradolf-Schönenberger Poesietages. Der kulturelle Anlass erlebte seine bereits neunte Auflage und lockte rund 60 interessierte Personen in Arthur Schneiters Bildhauerwerkstatt hinter der alten Seidenweberei.

Unter dem kryptischen Veranstaltungstitel «Im Gehör der Steine» präsentierten Gastgeber Arthur Schneiter und seine beiden Gäste, Katrin Bibiella und Thomas Niggli, Poetisches, welches durch die Stimme von Ka­trin Bibiella und die besonderen Instrumente der beiden Herren erlebbar gemacht wurde.

Lyrische Hommage an den Hochsommer

Katrin Bibiella rezitierte einige Gedichte aus ihrem umfang- reichen Schaffen. Ein besonderes Merkmal der 53-jährigen Lyri- kerin aus dem deutschen Oppenheim ist ihre kraftvolle Stimme, mit der sie scheinbar einfache Dinge zum Leben erweckt. So beschrieb Bibiella bei ihrem Auftritt einen Kreuzgang, machte den Morgenklang hörbar oder lobte den Hochsommer.

Für die musikalische Unterhaltung an diesem Poesietag sorgte Thomas Niggli mit seiner Sitar, einem in unseren Breitengraden eher unbekannten Instrument. Die Sitar ist ein dreisaitiges ­Instrument, dass im weitesten Sinne mit einer Gitarre zu ver- gleichen ist. Die Klänge, die der 63-jährige Zürcher der aus Indien stammenden Langhalslaute entlockte, sorgten für Staunen.

Ebenfalls fasziniert waren die Zuhörer von den ungewöhn- lichen Klängen, welche Arthur Schneiter mit seinen steinernen Instrumenten erzeugte. Im Gegensatz zu den hängenden Klangstäben riefen die rollende Steinkugel in ihrer Mulde oder die zwei weiteren Exemplare, die aneinandergerieben wurden, eher dumpfe Töne hervor.

Das Publikum schien von den aussergewöhnlichen Darbietungen sehr in den Bann gezogen zu sein. Während und zwischen den einzelnen Vorträgen war es so still, dass man eine fallende Stecknadel hätte hören können. So mussten sich die drei Protagonisten auch etwas gedulden, bis sie den «Lohn der Künstler» erhielten. Der Applaus fiel am Ende dafür umso frenetischer aus.

Monika Wick

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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