Jaro ist ihr ständiger Begleiter

BISCHOFSZELL ⋅ Fabienne Veillard ist Mitinhaberin der Tierklinik Lindenhof in Oberegg. Die Tierärztin warnt vor Hitzschlag bei Hunden. Diese Gefahr dürfe nicht unterschätzt werden.
04. August 2017, 06:49
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Zurzeit wird bei uns eine Hauskatze stationär behandelt», sagt Fabienne Veillard. Das Tier sei vermutlich angefahren worden und habe einen Kieferbruch erlitten. Nebst der Intensivbetreuung brauche die Katze auch Infusionen, erklärt sie. Die Katze sei momentan die einzige Patientin mit stationärem Aufenthalt, was eine Ausnahme sei. Veillard ist Tierärztin mit Schwerpunkt Klein­tiere und Mitinhaberin der Tierklinik Lindenhof in Oberegg bei Bischofszell. In der Klinik arbeiten acht Tierärzte, eine Konsiliartierärztin sowie neun tiermedizinische Praxisassistentinnen. In der Tierklinik Lindenhof werden Klein-, Heim- und Nutztiere sowie Pferde ambulant oder stationär behandelt. Gegründet wurde die Einrichtung vor 35 Jahren. Was damals als Pferdeklinik begann, hat sich zur Klinik für alle Tierarten entwickelt.

Krebs ist heute auch bei Tieren heilbar

Haustiere haben heute in unserer Gesellschaft einen deutlich hö­heren Stellenwert als früher. Das Verhältnis des Menschen zum Tier hat sich stetig gewandelt. Früher wurden Katzen oder Hunde kurzerhand eingeschläfert, wenn sie verletzt oder krank waren. Heute sind die Tierhalter bereit, für ihren Liebling auch mal tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Zudem hat die Veterinär­medizin enorme Fortschritte ­gemacht. «Bedeutete einst eine Krebserkrankung bei einem Tier das Todesurteil, so kann heutzutage mit einer gezielten Behandlung ein lebenswertes Dasein ­ermöglicht werden», betont die Tierärztin. Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie seien bei einem Tier viel weniger stark als bei einem Menschen. Die Chemotherapie beim Tier verfolge nämlich einen anderen Ansatz als in der Humanmedizin. «Bei unseren Patienten ist das Ziel eine Verlängerung der Lebenszeit bei guter Lebensqualität und minimalen Nebenwirkungen.»

Häufig werden auch verletzte Katzen in die Tierklinik gebracht. Oftmals weiss niemand, wem sie gehören. Für sie müssen nach der Genesung neue Plätze gesucht werden, weil die Besitzer meistens nicht eruiert werden können. «Ich empfehle deshalb, freilaufende Katzen chippen zu lassen», sagt Fabienne Veillard.

Hunde sind sehr hitzeempfindlich

Jeden Sommer muss mindestens ein Hund mit Hitzschlag in der Tierklinik Lindenhof behandelt werden. Grundsätzlich kommen die Tiere mit hohen Sommer­temperaturen gut zurecht. Leider passiert es immer noch, dass Hunde im Auto warten müssen. Die Autofahrer unterschätzen dabei die Hitze – für das Tier kann dies tödlich enden. Hunde sind überaus hitzeempfindlich. Wegen des Fehlens von Schweissdrüsen am Körper können sie nämlich nicht schwitzen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur über die Zunge und das Hecheln. Grosse Hitze im Fahrzeuginnern kann für Tiere zur Todesfalle werden. «Ein Hund, der einen Hitzschlag erlitten hat, muss stationär behandelt werden», führt Fabienne Veillard aus.

Da es immer weniger Landwirte gibt, sind auch weniger Grosstierärzte nötig. «Zudem können die gut ausgebildeten Bauern ihre Kühe oftmals selber behandeln.» Mit dem Melkroboter werde nicht nur die Milchmenge erfasst, sondern es werden auch gesundheitliche Störungen bei der Kuh sofort belegt. Ausserdem kann der Trächtigkeitsstatus mittels Milchprobe bestimmt werden.

Während Fabienne Veillard erzählt, liegt Jaro lang ausgestreckt und dösend am Boden ­daneben. Der siebenjährige Labrador sei ihr ständiger Begleiter. In der Praxis oder unterwegs bei Hausbesuchen – überall sei der treue Gefährte mit dabei. Man spürt, dass Fabienne Veillard tierliebend ist: Brav streckt ihr Jaro seine Pfote hin. Ausser ihrem Hund besitzt die Tierärztin auch noch Kaninchen. Wie viele es sind, weiss sie noch selber nicht. «Das Muttertier hat vergangene Nacht geworfen. Ich habe im ­Moment keine Ahnung, wie viele Junge es überhaupt sind», bemerkt sie und lacht.

Gelungene Geburten sowie erfolgreiche Behandlungen und Operationen gehören zu den schönsten Momenten der Tierärztin. «Unser Ziel sind gesunde Tiere und glückliche Tierbe­sitzer.» Traurig hingegen sei es, wenn sie ein Tier einschläfern muss. Das könne bei den Betroffenen oft zu Problemen führen, weiss Veillard aus Erfahrung. Die Veterinärmedizinerin ist froh, dass das Wohlergehen von Tieren in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft erlangt hat. «Ein Tier, das sich wohlfühlt, leidet weniger an Krankheiten und ist auch leistungsfähiger.»

www.tierklinik-lindenhof.ch


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