Der Goldfisch im Einmachglas

HAUPTWIL ⋅ Immer im Herbst reist Peter Boehrer nach Japan, um sich dort die schönsten Kois nach Farben und Mustern auszusuchen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz bietet er sie in seinem Fachgeschäft zum Verkauf an.
14. Juli 2017, 05:19
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Unermüdlich plätschert das Wasser in die Becken: In diesen Hälterungsbecken tummeln sich unzählige Fische – jeder sieht anders aus, keiner gleicht dem andern. «Zwischen 1500 und 2000 Kois befinden sich hier in unseren Räumen», erklärt Peter Boehrer. Sämtliche Kois, die er zum Verkauf anbietet, stammen von namhaften Züchtern aus Japan. Peter und Birgit Boehrer betreiben seit 21 Jahren das Koi- und Teich­center in Hauptwil.

Vom Geschenk der Oma zur grossen Passion

Angefangen hat alles in früher Kindheit. «Als Zweitklässler bekam ich von meiner Grossmutter einen Goldfisch in einem grossen Einmachglas geschenkt», erzählt Peter Boehrer und lacht. «Diese Tierhaltung wäre heute aber nicht mehr erlaubt», sagt er. Später erhielt er ein Aquarium, und von seinem ersten Lehrlingslohn hat er sich ein weiteres gekauft. Damals begann der gelernte Bäcker/Konditor, auch verschiedene Fische zu züchten und er besuchte Fisch- und Pflanzenbörsen in der Schweiz. Zusammen mit seinem Vater baute er einen Teich. So konnte die immer grösser werdende Menge an Fischen unter freiem Himmel leben, erinnert sich der im Rheintal aufgewachsene Peter Boehrer. Durch ein Inserat in einer deutschen Gartenzeitschrift sei er dann erstmals auf den japanischen Koi gestossen. Er habe sich ein paar Kois ge­kauft und den Teich umgebaut. Daraus ist eine grosse Leidenschaft entstanden, und der Bäcker-/Konditor­meister absolvierte eine Zusatzausbildung als Tierpfleger.

Kois leben in kontrollierten Naturteichen

Seit vielen Jahren reist Peter Boehrer jeden Herbst nach Japan und kauft bei seinen ihm be­kannten Züchtern nur qualitativ hochwertige Kois ein. Dort le­ben die Fische in kontrollier­ten Natur­teichen, sogenannten «Mud­ponds». In Japan ist das Klima ähnlich wie hier in der Schweiz. Vor dem Winter werden die Kois aus den Naturteichen abgefischt und verkauft. Peter Boehrer sucht sich jeden Fisch selber aus. «Sie stammen nicht vom Grosshandel», betont er. Dabei achte er auf die Farben und Muster.

Kois gibt es in über 130 Farbvariationen, und jede Farbqualität trägt einen japanischen Namen. In Containern gelangen die ausgesuchten Fische dann mit dem Flugzeug in die Schweiz. Die Lebenserwartung eines Kois liegt zwischen 50 und 60 Jahren. «Von den insgesamt rund 150 Kois, die wir in unserem Teich daheim in Oberbüren halten, ist der älteste 48-jährig», sagt Peter Boehrer. Doch nicht nur der Koi hat es ihm angetan. «Auch die Kultur, die Kochkunst und die Bonsai-Gärten in Japan gefallen mir», schwärmt der Koi-Kenner.

Früher sei die Haltung dieser Tiere eher exklusiv gewesen. Es gab nur wenige Fische, die aber sehr teuer verkauft wurden. Heute gibt es Kois bereits ab 30 Franken. Schwimmteiche seien in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Ein Schwimmteich biete auch ideale Lebensbedingungen für ­einen Koi. Die Qualität des Wassers sei das A und O einer Koi-Haltung. Filteranlagen ermög­lichen eine optimale Wasser­qualität. Peter Boehrer betont, dass er auf biologische Filter grossen Wert lege.

Der Unterschied zu Haustieren ist nicht gross

Kois können sehr zutraulich ­werden und sogar aus der Hand fressen. Es könne eine Beziehung aufgebaut werden, wie etwa zu einem Hund oder einer Katze. Zudem seien Kois extrem schallempfindlich. «Sie erkennen mich am Schritt und kommen ans Ufer, wenn ich mich dem Teich nähere», erzählt Peter Boehrer.

Birgit Boehrer zeigt auf die 25 glänzenden Pokale, die in Reih und Glied an der Wand stehen. Diese habe ihr Mann mit den Champion-Kois an Wettbewerben in Deutschland und Holland gewonnen, oftmals mit «Tategoi», erzählt sie. «Tategoi» ist ein Koi, dem eine gute Entwicklung sowohl in Grösse als auch in Farbe prognostiziert wird. Eine Zucht beinhaltet nur sehr wenige dieser aussergewöhnlichen Fische. Ein Richterteam aus Japan bewertet an den Wettbewerben die teilnehmenden Kois nach Vitalität, Farbe sowie Flossen- und Körperform. Peter Boehrer hat sich dabei schon einige Male den Europameistertitel geholt. «Dies ist eine Wertschätzung meiner Arbeit», freut er sich.

Boehrers verbringen ihre Sommerferien zu Hause am Teich bei ihren Kois. «Wenn man so viele Tiere besitzt wie wir, kann man halt nicht einfach verreisen», ­sagen die beiden.

www.koi-teich.ch


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