Das Runde muss ins Eckige

AMRISWIL ⋅ Am Strassenfest hat die Eins A Lounge Bar ihr Zelt aufgestellt. Mit der Gläserschiäbetä WM 2017 sorgten die ehemaligen Barbetreiber für spannende und unterhaltsame Stunden.
12. Juli 2017, 06:58
Sara Carracedo

Sara Carracedo

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Zwischen Fischknusperli und asiatischer Küche wurde bereits zum fünften Mal – jedoch zum ersten Mal am Strassenfest – die Weltmeisterschaft im Gläserschiäbetä ausgetragen. Es ist ein Mix aus einer Fussballweltmeisterschaft und dem bayrischen Bierkrugschieben. Viel wird für das kreative und einfache Spiel nicht gebraucht: ein langer Tisch, etwas Klebestreifen, eine Granini-Orangensaft-Flasche, gefüllt mit einer Handvoll Steine, und 32 motivierte Teilnehmer.

Die Spieler sind schnell beisammen: «Ein grosser Teil besteht aus ehemaligen Stammgästen, aber es machen auch wieder viele neue Gesichter mit» sagt Armin Löw, der als Schiedsrichter amtet. Jedem der 32 Spieler wird ein Land zugelost, das an der Fussballweltmeisterschaft 2014 dabei war.

Regeln wie im Fussball

Die Regeln sind schnell erklärt: Es gilt die Flasche einmal längs in die gegenüberliegende 20 Zentimeter breite Zone zu platzieren. Das gibt einen Punkt. Schiesst der Spieler die Flasche aber in den Extrabereich (ein Quadrat mit zehn Zentimetern Länge), zählt das Tor zwei Punkte. Bleibt man auf der Linie stehen, ist es einem Lattenschuss gleichgestellt. Fällt die Flasche runter oder kippt sie um, gibt es ebenfalls null Punkte. Jeder hat fünf beziehungsweise ab dem Achtelfinale sieben Versuche. «Die Regeln sind simpel, und das sorgt für eine richtige Dynamik, denn jeder kann und will gewinnen», weiss Löw.

Den Freund besiegt

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Nach drei Stunden Spielzeit ist der Achtelfinal durch, und die Spannung steigt nicht nur bei den Spielern. «Das ist echt nervenaufreibend, man fiebert automatisch mit», ist aus dem Publikum zu hören. Isabella Colella, erstmals an der Meisterschaft dabei, gewinnt mit England gegen Südkorea und somit gegen ihren Freund. Sie landet schliesslich auf dem vierten Platz.

Als Ecuador das Spiel gegen Belgien für sich entscheidet, jubelt das Publikum lauthals. Doch die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, als der Underdog Martin Bickel den USA zum Titel der Gläserschiäbetä-WM 2017 verhilft. «Das ist schon meine vierte Weltmeisterschaft. Sonst war ich immer grottenschlecht», sagt Martin Bickel.

Mit viel Feingefühl zum WM-Titel

Der Sieger meint den Trick erkannt zu haben: «Ich glaube, Feingefühl ist hier das A und O. Und es geht darum, sauber und nicht ruckartig abzuspielen.» Die Frauen seien feinfühliger und keine Grobmotoriker wie die Männer, darum seien sie auch so weit gekommen, lacht Bickel. Dies könnte wirklich zutreffen, denn Colella habe keine spezielle Technik gehabt: «Ich wusste nicht was mich erwartet, und habe einfach nach Gefühl geschoben.» Je weiter sie gekommen sei, desto nervöser sei sie geworden, begründet die Romanshornerin ihre Niederlage gegen Belgien. Auch der WM-Sieger sieht die steigende Nervosität als Knacknuss.


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