Das Blumenherz ist sein Abschiedsgruss

BISCHOFSZELL ⋅ Fritz Knaus hat Freude an der Natur. Er schätzt sich glücklich, seinen Lebensunterhalt unter freiem Himmel verdienen zu können. Die letzten Monate vor der Pensionierung geniesst der langjährige Stadtgärtner in vollen Zügen .
07. August 2017, 07:27
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Fritz Knaus schneidet eine Rose ab und riecht an ihr. Die korallenrote Blüte, die den Namen «Duftwolke» trägt, verströmt einen starken Duft. Der Bischofszeller Stadtgärtner zeigt hinüber zum Barocken Rosengarten und verrät, dass dies sein Lieblingsplatz sei. Die Rosenvielfalt ist hier ­speziell gross. «850 Rosenstöcke habe ich vor 14 Jahren in diesem Garten gepflanzt», erinnert er sich. Seit 35 Jahren arbeitet Fritz Knaus als Stadtgärtner in der ­Rosenstadt, Ende Februar 2018 wird er in Pension gehen.

Schöne Gärten haben Fritz Knaus schon immer fasziniert. «Ich würde mich wieder für diesen Beruf entscheiden – auf jeden Fall», sagt der gelernte Gärtner mit einem zufriedenen Lächeln. Er habe Freude an der Natur und arbeite gerne draussen. Zu seiner Lieblingsaufgabe gehörte stets das Bepflanzen des Osterbrunnens. Dabei konnte er seiner Kreativität freien Lauf lassen. Im Frühjahr schmückte er diesen jeweils im Auftrag der Stadt. Meistens nahm er dabei das Jahresmotto auf, so heuer «Bischofszell verbindet». Fritz Knaus dekorierte den Brunnen im Museums- garten mit roten und gelben Bändern, den traditionellen Bischofszeller Farben, sowie mit Menschenfiguren aus gleichfarbigem Sperrholz sowie mit verschiedenen Frühlingsblumen.

Besonders freut Fritz Knaus aber, dass ihm das Blumenherz so gut gelungen ist, das er im Frühsommer am Wiesenbord an der Grabenstrasse angepflanzt hat. Das farbenfrohe Werk aus Begonien, Tagetes und Agratum hat ihm schon zahlreiche Komplimente eingebracht. «Das Blumenherz gleicht einer Patisserie», meint Knaus erfreut.

Grosser Wasserbedarf in warmen Monaten

Während der Stadtgärtner ­erzählt, zeigt er immer wieder Fotos mit verschiedenen Be- pflanzungen, welche er auf dem Handy festgehalten hat. Man spürt es: Fritz Knaus ist Stadt- gärtner mit Leib und Seele.

Der Hochsommer, w enn es heiss ist, stellt für Knaus die arbeitsintensivste Zeit dar. Dann ist der 62-Jährige den ganzen Tag mit dem Giessen der Pflanzen beschäftigt. Siebenmal muss er täglich den Tankwagen auffüllen, bis alle Pflanzen in der Stadt gegossen sind – im Normalfall sind es insgesamt 10000 Liter Wasser.

Neben den vielen schönen Erlebnissen gibt es aber auch solche, die Fritz Knaus nachdenklich stimmen. «Manchmal gibt es Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum.» So habe er im Bahnhofkreisel einst 20 Rosenbäumchen angepflanzt, doch heute seien nur noch vier vorhanden. Die fehlenden Rosenbäumchen seien dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Ungern erinnert sich Knaus auch an ein Erlebnis, das erst ein paar Tage zurückliegt. «Ich hatte an der Grabenstrasse gejätet und musste tags darauf feststellen, dass im Nachhinein jemand Unkrautsamen aus­gestreut hat», erzählt er. Trotz unschöner Vorkommnisse ist es aber doch so, dass die positiven Erfahrungen überwiegen, wie Knaus betont: «Ich schätze die gute Zusammenarbeit im Werkhof-Team. Wir arbeiten miteinander und nicht gegeneinander.»

Ausser Rosen mag Knaus ganz besonders Orchideen. Er habe zwar keine daheim, denn dazu fehle ihm der geeignete Platz. Orchideen brauchen laut Knaus einen hellen Standort, vertragen aber keine direkte Sonneneinstrahlung. «Am besten platziert man sie an einem Fenster auf der Nordseite», sagt er.

Keine Angst vor dem Ende des Berufslebens

Der Stadtgärtner freut sich auf seine Pensionierung in rund einem halben Jahr. Langweilig wird es ihm mit acht Gross- kindern bestimmt nicht. Zudem möchte er künftig vermehrt mit seiner Frau zusammen Velofahrten an den Bodensee unternehmen. Der See bedeutet den beiden sehr viel. Am Wochenende seien sie meistens am Wasser ­anzutreffen, erzählt Knaus.

«Meine Frau Regula ist in Mammern am Untersee aufgewachsen», führt er weiter aus. Fritz und Regula Knaus würden gerne ihren Lebensabend am ­Bodensee verbringen. «Ich hoffe, wir finden dort eine passende Wohnung.» Vielleicht wird es ja eine sein mit Seesicht und Fenster zur Nordseite – für die Orchideen, die der Gärtner so mag.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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