Das Angebot ist stets ausgebucht

AMRISWIL ⋅ Der Ferienpass bot diese Woche Primarschülern verschiedene Kurse an. «Mit dem Lastwagen unterwegs im Oberthurgau» war einer davon. Die Muldenzentrale erfüllt diesen Kindheitstraum schon seit einigen Jahren.
15. Juli 2017, 05:18
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Wer weiss, was das ist?», fragt Michael Halter, als er die drei Kinder des Ferienpasses in der Muldenzentrale herumführt. Die beiden siebenjährigen Emilia und Ariel wissen es nicht, doch der elfjährige Sandro antwortet wie aus der Pistole geschossen: «ein Hydraulikzylinder».

Seine Eltern führen einen Bauernhof in Hefenhofen, erzählt Sandro. Er selber möchte den Hof mal übernehmen. «Vielleicht will ich auch Mechaniker für Landwirtschaftsmaschinen werden», sagt er, denn Maschinen würden ihn faszinieren.

«Ein Gefäss, das Träume erfüllt»

Für Sandro Diethelm ist es nicht das erste Mal, dass er beim Ferienpass diesen Kurs belegt. Bereits vor zwei Jahren durfte er mit einem der Chauffeure einen Vormittag lang im Oberthurgau herumfahren. «Wir bieten das schon seit sieben oder acht Jahren an», sagt Rolf Brühlmann, Geschäftsleiter der Muldenzentrale und somit Herr über die auffälligen grünen Lastwagen. «Der Ferienpass ist ein Gefäss, das Träume erfüllt», meint Brühlmann, «und ich erinnere mich an meine Kindheit: Mit einem Lastwagen mitfahren, das ist für viele Kinder ein Traum.» Brühlmann verhehlt dabei nicht, dass die Kinder auch den Gedanken der Entsorgung und des Recyclings gut weitertransportieren würden: «Wenn ein Kind sagt: ‹Papi, Batterien gehören aber nicht in den Abfall!›, das sitzt.»

Den zeitlichen Ablauf bringen die Ferienpass-Kinder jedoch nicht durcheinander. Der Chauffeur könne ja gut während der Fahrt Fragen beantworten, sagt Brühlmann. Dennoch schaut er genau, zu wem er die Kinder in den Lastwagen setzt. «Einige meiner Männer haben selber Kinder, oder sie sind in einem Verein aktiv, wo sie mit Kindern zu tun haben.»

Zwei Hefenhofer kurven durch den Thurgau

Das ist bei Benjamin Mayer der Fall. Er ist Mitglied bei den Barracudas, dem Unihockeyverein aus Romanshorn. Und wie Sandro wohnt auch er in Hefenhofen. Der Chauffeur hat sichtlich Spass an seinem jungen Fahrgast. «Es gibt Kinder vom Ferienpass, die sind etwas schüchtern», sagt Mayer. Das habe auch oft mit dem Alter zu tun. Sandro hingegen sei sehr interessiert und frage ihn allerlei, zum Beispiel wie viel PS denn der Lastwagen habe.

Als kurz vor Mittag die drei Brummer mit Emilia, Ariel und Sandro an die Fuchsbühlstrasse 6 zurückkehren, steigen die Kinder mit einem grossen Lachen im Gesicht aus und werden bereits von den Eltern erwartet. Die Frage, ob es ihnen gefallen habe, ist eigentlich überflüssig.

«Unser Angebot ist tatsächlich immer sehr gut besucht», sagt Rolf Brühlmann. Er kann sich jedenfalls nicht erinnern, dass jemals ein Platz frei geblieben wäre. Und er erzählt die Geschichte eines Knaben aus Amriswil, der ganz am Anfang mit dem Ferienpass im Lastwagen unterwegs war und auch später oft bei der Muldenzentrale vorbeischaute, weil er Lastwagenchauffeur werden wollte. Brühlmann riet ihm, doch Lastwagenmechaniker zu werden. Da könne er auch Lastwagen fahren. Nun habe dieser mittlerweile junge Mann gerade die Ausbildung abgeschlossen, weiss Rolf Brühlmann. Nicht bei der Muldenzentrale OTG, «aber vielleicht arbeitet er ja in Zukunft mal für uns», sagt Brühlmann und lacht. «Dann würde sich der Kreis schliessen.»


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