«Concerto» der feinen Klänge macht den Anfang

ZIHLSCHLACHT ⋅ Am 2. September wird mit einem Dorffest der Klangpark auf dem Areal der Rehaklinik eröffnet. Vergangene Woche wurde nun die erste Skulptur gesetzt.
25. Juli 2017, 07:31

Der Klangpark soll es in naher Zukunft Menschen ermöglichen, ein wenig innezuhalten und sich den verschiedensten Klängen hinzugeben. Diverse Stationen mit den tönenden Kunstwerken einheimischer Künstlerinnen und Künstler werden in den nächsten Tagen und Wochen entlang eines Rundweges installiert werden und dann die Aufgabe haben, «klingende Kontaktknüpfende» zwischen Personal, Patienten und Passanten zu sein.

Nebst dem Klinikpark ist der Klangpark auch auf dem Areal des nahe gelegenen Wohnheims Sonnenrain angelegt. «Es wäre schön», so erklärte es Klangpark-Initiator und Pro-Humanis-Präsident Peter Grau, Zihlschlacht, im Rahmen der Setzung der ersten Skulptur, «wenn dadurch die wertvolle Arbeit der Rehaklinik Zihlschlacht noch bekannter werden würde.»

Wenn in gut sechs Wochen der Klangpark feierlich der Öffentlichkeit übergeben werden wird, wird dieser aus elf Kunstwerken bestehen, die man fast alle haptisch-klanglich erleben kann. Und zwar ganz egal, ob man als gesunder Mensch oder als Mensch mit einer Beeinträchtigung den Klangpark begeht bzw. befährt. Letzteres ist ganz besonders wichtig, denn wie Peter Grau am Donnerstagnachmittag vor rund 20 geladenen Gästen erklärte, sollen bis auf eine Skulptur alle Objekte auch für Rollstuhlfahrer zugänglich und anfassbar sein.

Es ist Kunst zum Anfassen

Letzteres ist bei der deutlich über 100 Kilo schweren Metallkonstruktion «Concerto», die von der Kunstschaffenden Ruth Rüegg, Halden, geschaffen wurde, garantiert der Fall. Denn dass an eine Harfe erinnernde Werk, welches in unmittelbarer Nähe zum Klinikeingang platziert wurde, wird dann bei der Eröffnung über ein mit Verbundsteinen gepflastertes Plätzchen gut von beiden Seiten erreichbar sein.

Selbstredend kann man auch über die nicht gestimmten Saiten von «Concerto» streichen, sie zupfen oder leicht anschlagen, wobei das «Concerto» stets neu, immer anders erklingt. Kurzum: es ist Kunst zum Anfassen, die lange erfreut, da sie stets aufs Neue den bewusst gesuchten Kontakt herausfordert.

Dass das Kunstwerk einer Harfe ähnelt, war zwar nicht beabsichtigt, ist aber wohl auch nicht ganz zufällig. «Ich wollte einem leichten, manchmal kaum hörbaren Klang Platz geben. Einem Klang, der auch der Stille einen grossen Platz einräumt», erläuterte Rüegg. Darüber hinaus freute sich die Künstlerin sehr über den Auftrag aus der Heimat. «Wenn man ein Werk für Menschen schafft, die in derselben Gegend zu Hause sind wie man selbst, dann ist das nochmals eine ganz besondere Wertschätzung, die ich als Künstlerin sehr schätze», freute sich Rüegg. Ebenso habe sie es geschätzt, dass seitens der Auftraggeber kaum Vorgaben gemacht wurden. «Ich habe es sehr geschätzt, diese Freiheit zu haben. Die einzige Bedingung war, dass das Kunstwerk klingen musste», so Rüegg.

Auch Zihlschlachts Gemeindepräsidentin, Heidi Grau, dankte «für die ganz sensationelle Idee. Wir in Zihlschlacht brauchen keine Elb-Philharmonie, denn wir haben nun schon bald den Klangpark», jubelte sie. Besonders stolz mache es sie, dass dies «der erste Klangpark im Thurgau» sei, fuhr Grau fort.

 

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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