Für die nächsten 200 Jahre

HAGENWIL ⋅ Der Wehrgang und das Restaurant im Schloss müssen saniert werden. Das Projekt wird rund 2,5 Millionen Franken kosten. Mit einem symbolischen Akt ist die erste Etappe des Vorhabens gestartet.
28. Oktober 2017, 08:34
Rita Kohn

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Bagger habe man für diesen Anlass keine auffahren lassen können, sagt Baukommissionspräsident Urs Fischer und schmunzelt. Dass der Spatenstich für die Sanierung also etwas anders ausfallen würde als gewohnt, war allen klar, die sich an diesem Freitagvormittag im Schlosshof versammelt haben. Es ist ein besonderer Anlass, zu dem sich die Gäste eingefunden haben. Denn mit dem symbolischen Akt ist der Startschuss zur ersten Bauetappe im Schloss Hagenwil gefallen.

Es ist bereits das dritte Projekt, das der Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» an die Hand genommen haben. Und weitaus das grösste. Rund 2,5 Millionen Franken müssen aufgewendet werden, um einerseits den Wehrgang im westlichen Bereich des Schlosses und andererseits die Südmauer sowie das Restaurant und das «Wöschhüsli» im Schlosshof zu sanieren. Eine Sanierung, die dringend notwendig ist, wie Urs Fischer deutlich macht. Ursprünglich habe man sich im dritten Projekt vor allem der Südmauer annehmen wollen, führt er aus. Beim näheren Hinsehen sind dann gravierende Schäden ans Licht gekommen. So gab es beispielsweise unter dem Restaurantbereich gebrochene Balken. Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind sofort Verstärkungen eingezogen worden, die nach der Sanierung wieder aus dem Schlosshof verschwinden werden.

Jetzt können die Arbeiten beginnen

Der desolate Zustand einiger Gebäudeteile machte umfangreiche Abklärungen und Planungen notwendig. Deshalb zeigte sich Urs Fischer erleichtert, dass man nun von der Planungs- in die Umsetzungsphase übergehen kann. «Mit dem heutigen Tag können wir loslegen», sagt er. Zwei Jahre haben sich die Vereinsmitglieder nun intensiv mit der Sache auseinandergesetzt. In dieser Zeit ist das Projekt deutlich gewachsen.

Etwas verhaltener gibt sich Architekt Thomas Kaczmarek. «Wir sind mit dem Konzept so weit», bestätigt auch er. «Aber es müssen noch ein paar Abklärungen getroffen werden, bevor wir loslegen können. Insbesondere gehe es darum, das Alter einiger Bauteile, die entfernt werden müssten, richtig festzustellen. Kaczmarek rechnet damit, dass die Sanierungsarbeiten bis übernächstes Jahr abgeschlossen werden können. Dann würden die Bauten wieder für die nächsten 200 Jahre sicher sein.

Die Erhaltung des alten Gemäuers ist das statuarische Ziel des Vereins «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil». Der Verein hat bereits die Renovation des Rittersaals und des Grossmutterstüblis initiiert. Letzteres wird vor allem für Hochzeiten gerne genutzt. Das nun in Gang gesetzte Vorhaben ist das weitaus grösste der bisherigen Projekte. Noch sind nicht alle notwendigen Gelder zusammen gekommen. Zwar habe man schon eine beträchtliche Summe zusammen, für die vollständige Finanzierung müssen aber weitere Spenden generiert werden. Vereinspräsident Bernhard Koch ist aber zuversichtlich, dass die fehlende Summe noch zusammen kommt. Genügend Geld, um die erste Etappe zu finanzieren, ist vorhanden.

Ein historischer Akt

«Wir feiern heute einen historischen Akt», sagt Bernhard Koch und begrüsst zum symbolischen Spatenstich nicht nur Vertreter der umliegenden Gemeinden, sondern auch von Stiftungen und der Denkmalpflege. Sie haben mit ihren Beiträgen und ihrer Mitarbeit dazu beigetragen, dass die Sanierung tatsächlich an die Hand genommen werden kann.

Auch Stadtpräsident Martin Salvisberg sieht die Bedeutung des aktuellen Vorhabens: «Heute ist ein geschichtsträchtiger Tag», sagt er. Er und sein Team von der Bauverwaltung seien immer wieder zu Spatenstichen eingeladen, und jeder davon sei ein wichtiger symbolischer Akt. Aber einen vergleichbaren Spatenstich habe er bis jetzt nicht erlebt. Im Namen der Behörden dankte er den Vereinsmitgliedern für ihr Engagement. Ohne dieses wäre die Sanierung nicht möglich gewesen. Denn ein solches Bauvorhaben hätte die Möglichkeiten der Besitzerfamilie Angehrn bei weitem überschritten. «Ohne Spenden würde es gar nicht gehen», sagt er unumwunden.

Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Verein, der Besitzerfamilie und den Leuten von der Denkmalpflege findet beim Vereinspräsidenten wie auch beim Stadtpräsidenten lobende Worte. Dann, nach der musikalischen Einlage durch ein Bläserensemble unter der Leitung des Schwiegervaters des aktuellen Schlossherrn Andi Angehrn, kann der symbolische Akt erfolgen, mit dem die Bauphase eröffnet wird: Die alte Türe unter dem Wehrgang West wird durch den Handwerker in traditioneller Kleidung geöffnet: Zum Vorschein kommt das in neuer Frische strahlende Schloss.


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