Frische Mücken sind ihre Leibspeise

BISCHOFSZELL ⋅ Über 30 Erwachsene und Kinder trafen sich beim Tanklager zur offiziellen Batnight. Der einheimische Fachmann Marius Heeb stellte ihnen die faszinierende Welt der Fledermäuse vor.
30. August 2017, 05:18
Christof Lampart

Im Mittelpunkt des Interesses standen am Freitagabend nicht nur die zwei echten Fledermäuse (je eine Zwerg- und eine Zweifarbenfledermaus), die sich gegenwärtig als Pfleglinge bei Marius und Franziska Heeb von ihren Verletzungen erholen, sondern vor allem die Heebs selber. Denn das Ehepaar aus Bischofszell engagiert sich schon seit Jahren für den Schutz der zwanzig Fledermausarten, die im Thurgau nachgewiesen sind, neun davon in der Region Bischofszell.

Die Leidenschaft begann bei Marius Heeb in der Schule. Der Lehrer wollte den Kindern keine alltäglichen Tiere vorstellen, und so kam er auf jene nachtaktiven Säugetiere, die zusammen mit den Flughunden die Ordnung der Fledertiere bilden. «Bei der Vorbereitung auf den Unterricht hat es zuerst ihm und dann auch mir den Ärmel reingenommen», erzählte Franziska Heeb, während sie mit einem Stäbchen ein paar Mehlwürmer zurechtrückte, um die Zweifarbenfledermaus aus dem Spalt zu locken, wohin sie sich zur Enttäuschung der Kinder verkrochen hatte.

Beim Gewicht gibt es grosse Unterschiede

Mehlwürmer sind okay, aber eigentlich stünde dem Tier wohl eher der Sinn nach frischen Mücken. Doch in der kleinen Behausung ist nicht eine einzige, geschweige denn die erforderliche Menge an Mücken anzutreffen, die ein solches Tier normaler- weise frisst. «Das sind 2000 bis 3000 Mücken – und zwar jede Nacht», erklärte Marius Heeb und setzte dies dann in Relation zum menschlichen Körpergewicht. «Eine Fledermaus frisst jeden Tag gut die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts. Stellt euch mal vor, wie viel Brot ihr da essen müsstet!», sagte der Lehrer. Die schwerste Fledermaus wiegt so viel wie eine Pflaume, die leichteste erreicht gerade einmal das Gewicht eines Sugus.

Es zeigte sich, dass einige Kinder schon etwas über die Tiere wussten, die Namen wie Grosser Abendsegler, Zweifarben­fledermaus oder Langohrfledermaus tragen. Dennoch wussten Heebs immer wieder Neues zu erzählen. Zum Beispiel, dass in einem von Menschen aufgehängten Nestkasten problemlos dreissig Tiere Platz finden. Dabei passt zwischen Rück- und Vorderwand nicht einmal ein grosser menschlicher Finger. «Fledermäuse lieben es eng und halten sich gerne in Spalten auf, wo Feinde wie Katzen und Marder nicht hingelangen», erklärte Marius Heeb.

Dann ging es, mit einem Echolot-Detektor ausgerüstet, hinaus ins Gelände, dann in den Wald und schliesslich auch dem Kanal entlang, wo sich ein Biber laut platschend ins Wasser begab. Doch der Faszination der Fledermäuse tat dies keinen Abbruch.

Fledermäuse fliegen anders als Vögel

«Plipp-Plopp» rauschte es auf einmal aus dem Gerät: «Das ist der Grosse Abendsegler», stellte Marius Heeb fachkundig fest und die Kinder lauschten andächtig. Einige schauten auch zum Himmel hinauf und deuteten fragend auf ein unbekanntes Flugobjekt. «Das könnte er sein», nickte der Experte und verriet, wodurch man Fledermäuse von Vögeln unterscheiden kann, auch wenn sie weit oben fliegen. «Fledermäuse fliegen ruckartiger als Vögel – vor allem, wenn sie jagen.»

 

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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