Flüssiges Gold aus harten Nüssen

WILEN-GOTTSHAUS ⋅ Niklaus Allenspach produziert auf seinem Hof seit fünf Jahren Baumnussöl. Mit seinem regionalen Produkt hat der Landwirt einen neuen Erwerbszweig gefunden.
01. Dezember 2017, 07:31
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch

Fein säuberlich verstaut liegen die Baumnüsse in grossen Holzkisten. Ein nussiger Duft erfüllt den Raum. Niklaus Allenspach leert einen Korb voller ungeschälter Baumnüsse in die grosse Ölpresse. Aus der Rinne tropft das «flüssige Gold» in eine Wanne. «Baumnussöl ist sehr gesund», sagt er. Niklaus Allenspach hat eine Marktnische neu lanciert und möchte damit einen Beitrag zur gesunden Ernährung und ­regionaler Produktion leisten.

Begonnen hat alles vor rund fünf Jahren. Damals habe er mit seinem «Nusshof-Aufbau» angefangen, wie der 58-Jährige seinen neuen Erwerbszweig nennt. Sein Hof mit einer landwirtschaft­lichen Fläche von 5,5 Hektaren zuzüglich wenig Pachtland sei nicht mehr rentabel gewesen. Der gelernte Landwirt sah sich gezwungen, nach einer Alternative zu suchen. 130 Nussbäume hat er damals auf seinem Bauernhof in der Beierhalden gepflanzt. «Mindestens zehn Sorten», erklärt Allenspach und fügt an, dass es insgesamt etwa 300 Sorten gebe. Gleichzeitig habe er sich damals eine Ölpresse angeschafft. «Natürlich ein Schweizer Produkt», wie er betont.

Hochdruckreiniger und Ventilator im Einsatz

Seitdem produziert Allenspach sein kalt gepresstes, naturbelassenes Baumnussöl und bietet zudem Lohnpressungen als Dienstleistung an. Inzwischen seien es rund 150 private Nussbaumbesitzer, die ihre Nüsse ungewaschen oder gewaschen bringen und zu Öl pressen lassen. Ungewaschene Nüsse säubert Allenspach mit einem Hochdruckreiniger und trocknet sie mit einem Ventilator. Die Ernte sei dieses Jahr nur spärlich ausgefallen, denn die Aprilfröste hätten den Nussbäumen arg zugesetzt. Allenspach hofft dennoch, Baumnüsse zukaufen zu können, um seinen Ölvorrat aufzustocken.

Nach der Pressung muss das Öl filtriert werden. Allenspach hat eigens dafür einen Chromstahlkorb entwickelt. «Mit meinen Söhnen habe ich viele Stunden daran getüftelt», erzählt der zwölffache Familienvater und lacht. Der Vorteil seines Filtrierkorbs liege darin, dass mit dem Bodensatz kein wertvolles Öl ­verloren geht. Leichte Pressrückstände zeugen von der Natur­belassenheit des Öls. Allenspach hat auch ein Lanzen-Düngegerät entwickelt, um Hochstammbäume effizient zu düngen, denn der Nussbaum braucht genügend Nährstoffe. Grundsätzlich wird im ­Dezember mit dem Pressen begonnen, weil dann der Reifungsprozess abgeschlossen ist. «Die Nüsse, die ich vorher presse, stammen noch vom vergangenen Jahr», führt Allenspach aus.

Für die Gewinnung von einem Liter Öl werden fünf bis sechs ­Kilogramm ganze Nüsse benötigt. Um ein qualitativ hochwertiges Öl zu bekommen, ist es wichtig, dass die Nüsse sehr sauber und trocken sind. Allenspach presst die Nüsse samt Schale. «Der leichte Geschmack der Schale macht das Öl besonders nussig», erklärt Iris Allenspach, die Frau des Ölproduzenten. Das aromatische Öl soll nicht erhitzt, sondern nur für die kalte Küche verwendet werden. «Ein paar Tropfen Öl über Gemüse oder Pasta ergibt eine spezielle Note», schwärmt sie. Baumnussöl sei besonders reich an lebensnotwendigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem an essenziellen Omega-3-Fettsäuren. Iris Allens­pach empfiehlt deshalb, täglich fünf bis zehn Baumnusskerne zu essen.

Etwa 95 Prozent der in der Schweiz konsumierten Baum­nüsse stammen aus dem Ausland, die meisten aus Frankreich. In den vergangenen Jahren sind im Kanton Thurgau insgesamt etwa 6000 Nussbäume gepflanzt worden. Nussbäume beginnen ab einem Alter von ungefähr zehn Jahren Früchte zu tragen.

Die Nussbaumbestände sind zurückgegangen

«Ein Nussbaum auf dem Bauernhof war früher selbstverständlich», sind sich Iris und Niklaus Allenspach einig. Die Nussbaumbestände seien innerhalb der letzten 50 Jahre markant zurückgegangen. Dies hänge mit der Struktur der Landwirtschaft und der allgemeinen Bautätigkeit zusammen. «Viele Nussbäume, die in der Nähe von Miststöcken gewachsen waren, mussten gefällt werden, um neuen Scheunen Platz zu machen», erklärt Niklaus Allenspach den Rückgang des Bestandes. Er hofft, seiner geliebten Arbeit noch lange nachgehen zu können. «Baumnussöl produzieren kann ich auch noch nach meiner Pensionierung, denn die Arbeit bereitet mir viel Freude.»

Einkauf von Baumnussöl

Der Verkauf erfolgt direkt ab Hof. Auf Wunsch ist auch eine Zustellung per Post möglich; Telefon: 071 422 29 03 oder 079 542 78 73; Internet: www.allenspach-tg.ch


Leserkommentare

Anzeige: