Wegen Kackhaufen: Amriswiler fordert Hundeverbot im Zentrum

AMRISWIL ⋅ Immer wieder stösst Marcel Lindenmann auf unerwünschte Hinterlassenschaften. Bereits überlegt er sich, eine Überwachungskamera zu installieren, um so den fehlbaren Hundehalter ausfindig zu machen.
07. Februar 2018, 05:18
Tobias Bolli

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Dem Amriswiler Marcel Lindenmann platzt der Kragen: Er fordert ein Hundeverbot im Stadtzentrum. Grund für seinen Ärger sind die Häufchen, die sozusagen direkt vor seiner Nase landen. «Fast jede Woche stosse ich auf Hundedreck vor meiner Haustür. Ich finde es eine Sauerei, dass die Bahnhofstrasse quasi als Hundeklo missbraucht wird.»

Und nicht nur die dicken Hinterlassenschaften strapazieren seine Nerven: «Noch öfter kommt es vor, dass mir irgendein Hund an die Fassade pinkelt.» Diese Zustände seien unhaltbar und müssten nun ein Ende haben. «Ich will dem Verursacher unbedingt auf die Schliche kommen», sagt Lindenmann. Bereits habe er ermitteln können, dass der Hund sein Geschäft höchstwahrscheinlich zwischen 7 und 8 Uhr morgens verrichtet.

Die Geschichte zieht Kreise. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Amriswil, wenn…» häufen sich die Diskussionsbeiträge. Unter einem Beweisfoto bekunden einige ihre Sympathie für Lindenmann, andere beklagen die unappetitliche Wirkung solcher Bilder. Diese, so heisst es, würden die Pinnwand doch eher verunzieren. Zudem wird befürchtet, dass Hundehasser durch das dokumentierte Missverhalten einiger Besitzer weiter angestachelt werden könnten.

Solche Befürchtungen kommen nicht von ungefähr: Im Umfeld von Amriswil wurden immer wieder Giftköder gefunden. Die «Thurgauer Zeitung» berichtete von einem Australian Ridgeback in Oberaach, der wegen eines mit Schneckengift präparierten Köders qualvoll gestorben ist. Obschon die Besitzerin eine hohe Belohnung aussetzte, konnte der Verursacher bis heute nicht ausfindig gemacht werden.

Facebook-User empfehlen Überwachungskamera

Lindenmann wurde von der Facebook-Gemeinde empfohlen, über die Installation einer Überwachungskamera nachzudenken. Eine Anregung, die bei ihm auf offene Ohren stösst. «Coole Idee», findet er auf Facebook.

Sollte sich Lindenmann für die Installation einer Kamera entscheiden, wäre er mit einer komplizierten Gesetzeslage konfrontiert. Je nach Akteur sind zwei verschiedene Gesetzestexte anzuwenden. Will eine öffentliche Institution eine Kamera installieren, kommt das Kantonsgesetz zur Anwendung. Private Personen müssen ihre Überwachungspläne dagegen auf das Bundesgesetz abstützen, da das Persönlichkeitsrecht Sache des Bundes ist.

Dieses schreibt keine pauschalen Richtlinien vor, sondern fordert eine Beurteilung des Einzelfalls. Generell gilt: Überwiegt das berechtigte Interesse des Filmenden dasjenige der Gefilmten, ist private Überwachung zulässig. «Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn ein Juwelier seine Kundschaft filmt, um sicherzustellen, dass er nicht überfallen wird», sagt Fritz Tanner, Datenschutzbeauftragter des Kantons Thurgau.

Ob Hundedreck einer Person so sehr zusetzen kann wie ein Einbrecher einem Juwelier, lässt sich laut Tanner nur schwer beantworten. Liesse sich aber eine Kameraeinstellung finden, die nur das schuldige Tier filmt, befände sich Lindenmann auf sicherem Terrain. «Solange keine Personen aufgenommen werden, wird der Datenschutz nicht tangiert», bestätigt Tanner.

Die meisten Hunde verhalten sich tadellos

Von Seiten der Gemeinde ist man erstaunt über das Problem von Lindenmann. «Ich habe von keinen solchen Beschwerden gehört», sagt Beatrice Mezger von der Hundekontrollstelle. «Ein Hundeverbot im Stadtzentrum ist für uns kein Thema.» Die Besitzer der rund 700 Hunde in Amriswil würden sich mehrheitlich vorbildlich verhalten. Auch Stadtschreiber Roland Huser sieht keinen Handlungsbedarf. «Ich bin oft unterwegs in der Stadt. Hundedreck sehe ich praktisch nie.»

Wird ein Hundehalter beim Liegenlassen eines Häufchens ertappt, kann ihn die Polizei dafür mit 150 Franken büssen. Nach Auskunft des Polizeipostens Amriswil werden solche Bussen aber «selten bis gar nie» verteilt. Die meisten Hundebesitzer scheinen sich also an die Aufnahmepflicht zu halten – auch wenn das für Lindenmann ein geringer Trost sein dürfte.


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