Ein echter Mord als Basis

BISCHOFSZELL ⋅ Am Freitag fand die Premiere des Stücks «Duell der Chefköche» aus der Feder Reto Wiedenkellers statt. Die Städtlibühne spielt im Bistro zu Tisch eine neue Version des Krimi-Dinners.
28. November 2017, 08:00
Sara Carracedo

Sara Carracedo

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Eine leicht überforderte, schrille Dame empfängt überschwänglich die eintreffenden Gäste. Hektisch scheucht sie eine junge Frau in düsteren Klamotten umher, welche die Besucher an deren Platz führt. Dabei drückt sie jedem ein Kärtchen in die Hand: «Sie sind heute mal nicht die Person, die Sie im wahren Leben sind. Heute spielen Sie die Zivilstandsbeamtin Jolanda Giesing», erklärt sie etwas gelangweilt jedem dessen persönliche Rolle. Ihre Mimik ist kühl und ihre Arbeit macht ihr allem Anschein nach überhaupt keinen Spass. Die Gäste sind irritiert und fragen sich, ob dies wohl bereits zum Stück gehöre. Als alle Zuschauer ihren zugewiesenen Platz samt ihrer neuen Rolle übernommen haben, heisst die aufgetakelte Dame namens Gabriella Gloor alle herzlich willkommen in ihrer eigenen Fernseh-Show namens «Duell der Chefköche».

Gesellschaftsspiel Cluedo als Vorbild

Es ist der letzte Testlauf der neuen Show mit Gästen und dem ersten grossen Gewinn. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, sind Notar Mörgeli und Kommissar Cleever als Aufsichtspersonen und Aushilfsjuroren mit von der Partie. Im Kochduell treten drei Chefköchinnen gegeneinander an. Doch bereits nach der Erbsensuppe, welche Juroren und Publikum aufgetischt wird, wird der letzte Testlauf zum letzten Abendmahl für den Notar. Die sonst schon überforderte Moderatorin gerät in Panik und ihre Assistentin Frau Traber nutzt auch diese Situation für einen frechen Spruch: «Er hat doch nicht ins Gras gebissen! Der hat den Löffel bei der Suppe abgegeben.»

Die Dialoge sind durchgehend gespickt mit witzigen Wortspielen und kecken Sprüchen. Sie alle stammen von Regisseur Reto Wiedenkeller, welcher das Stück geschrieben hat. «Die Idee dazu stammt vom Gesellschaftsspiel Cluedo. Jeder Spieler schlüpft in eine Rolle und muss aufgrund der Gegebenheiten erraten, wer der Mörder ist», erläutert er den Ursprung der Idee.

In sieben Wochen geschrieben

Nachdem Wiedenkeller die Idee hatte, begann die einjährige Vorbereitungszeit: «Während meiner Recherchen stiess ich auf einen ähnlichen Fall in England, der sich tatsächlich so ereignet hatte.» Jener Mord diente als Basis für sein neustes Werk, das er in sieben Wochen geschrieben hatte. Die Schwierigkeit bestand darin, die Spannung auf der Bühne stets aufrecht zu erhalten. Üblicherweise stehen die Schauspieler auf der Bühne, das Stück beginnt, nach dem ersten Akt folgt die Pause, danach der zweite Akt. So könne die Spannung bis zum Höhepunkt aufgebaut werden. «Bei diesem Stück hatten die Schauspieler immer wieder Pausen, in denen das Essen serviert wurde und nach den Unterbrüchen mussten sie die Spannung weiterführen», sagt der Regisseur.

Auch Schauspielerin Carol-Cilgia Rickenbacher vermisst die Pause, welche sie sonst immer hinter der Bühne verbringt: «Wir waren stets beim Publikum und mussten in unseren Rollen bleiben. Das war sehr schwierig, als meine Familie da sass und sich mit mir unterhalten wollte.»

Wiedenkeller hatte bislang noch nie ein Stück mit Dinner und Theater konzipiert gehabt, doch die Idee zum Titel «Mörder-Znacht ab halber Acht» hat mit einer möglichen Fortsetzung zu tun, wie er verrät: «Es war mein erster Mörder-Znacht, aber wohl nicht mein letzter.»

Weitere Vorstellungen

Im Dezember und Januar wird der «Mörder-Znacht ab halber Acht» noch zehnmal aufgeführt. Termine unter www.staedtlibuehne.ch


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