Diese Kühe verkauft er nicht

SITTERDORF ⋅ Die Viehherde auf der Stallfassade an der Amriswilerstrasse ist nicht zu übersehen. Die Wandmalerei am Gebäude von Metzger Otto Baumgartner findet grosse Beachtung.
26. August 2017, 05:19
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Oft halten die Leute hier an, um das Kunstwerk zu bestaunen oder gar zu fotografieren», erzählt Viehhändler und Metzger Otto Baumgartner. An seiner Stallfassade an der Amriswilerstrasse in Sitterdorf prangen seit ein paar Wochen 26 fast lebensecht wirkende Kühe mit einem Stier, samt Viehhändler und Bauer. Otto Baumgartner freut sich über das gelungene Werk, das auf grosses Interesse stösst. Gemalt hat es der Tier- und Pferdemaler Heinz J. Berchtold aus Schönholzerswilen, der keinesfalls als Künstler bezeichnet werden möchte.

Zwei Monate habe es gedauert, bis das 20 Meter lange Gemälde fertig war. «Ich habe aber nicht ununterbrochen daran gearbeitet», erklärt Heinz J. Berchtold. An der stark befahrenen Hauptstrasse zu malen, erforderte nämlich hohe Konzentration, und zudem brannte oftmals die Sonne auf die Fassade. Für die Bemalung habe er eine UV- und wetterbeständige Acrylfarbe verwendet und diese abschliessend viermal mit einem Lack versiegelt. Zuvor hat er die Kühe auf der Wiese draussen mit Bleistift auf Papier abgezeichnet. Denn die Tiere, die der Kunsthandwerker malt, zeichnet er grundsätzlich in der Natur ab. Bevor er das Gemälde dann mit dem Pinsel auf die Wand bringen konnte, musste ein Maler eine fachgerechte Fassaden-Grundbehandlung machen.

Heinz J. Berchtold malt vorwiegend Ölbilder auf Leinwand, primär seien es Pferde. «Eigentlich male ich aber sämtliche Tiere», führt er aus. Wildtiere porträtiere er jedoch ausschliesslich auf altem Holz. Zurzeit sei er ­ an einer Leinwandmalerei mit Schmetterlingen, die in den Mittleren Osten geliefert wird. Mit seinen Arbeiten hat sich der Thurgauer einen hervorragenden Ruf weit über die Grenzen hinaus gemacht. Heinz J. Berchtold betont, dass er nie zweimal das gleiche Bild malen würde. Jedes seiner Kunstwerke sei ein Unikat.

Euro-Ehrenpreis gewonnen

Nach der Ausbildung als Restaurator wechselte Heinz J. Berchtold zur Stadtpolizei Zürich und war später viele Jahre in kantonalen Verwaltungen tätig. Sein Ziel sei es immer gewesen, irgendwann die Selbstständigkeit als Tier- und Pferdemaler zu erlangen. Vor 18 Jahren konnte er sich seinen lang gehegten Traum erfüllen, und er machte seine grosse Leidenschaft zum Beruf. Seither greift der passionierte Kunsthandwerker täglich zu Pinsel und Farbe, manchmal acht Stunden am Tag. Auf die Frage, wann er denn eigentlich pensioniert werde, lacht der 71-Jährige und winkt ab: «Malen ist meine Religion –ohne kann ich nicht sein.»

Im vergangenen Juni erhielt Heinz J. Berchtold den Euro-Ehrenpreis 2017 in der Kategorie Sonderstufe. Der Tier- und Pferdemaler wurde in Freudenstadt/Deutschland für seine herausragenden künstlerischen Leistungen geehrt.


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