Die Vergangenheit ist eine Fundgrube

SULGEN ⋅ Die Schützengesellschaft existiert seit 1850. Bruno Sacchet hat die wichtigsten sportlichen und gesellschaftlichen Ereignisse des Traditionsvereins zusammengefasst.
06. Januar 2018, 08:11

Chroniken werden in der Regel zu runden Geburtstagen verfasst. Die neue Chronik der Schützengesellschaft Sulgen umfasst einen Zeitraum von 168 Jahren. Das sei aussergewöhnlich, sagt Bruno Sacchet. «Jetzt hatte ich aber Zeit, etwas tiefer in die Geschichte des Vereins einzutauchen, Dokumente und Fotografien zu sichten und zu schreiben.» Zum 150-Jahr-Jubiläum war ihm das nicht möglich gewesen.

Nicht immer seien die Vereinsaktivitäten gleich ausführlich dokumentiert worden, stellt das Ehrenmitglied des Schützen- vereins fest. «Einige Details, die in den letzten Jahrzehnten nicht aufgeschrieben worden sind, sind bei unseren Mitgliedern jedoch noch sehr präsent. Auch dieses Wissen wollte ich erhalten, bevor es verloren geht.»

Einst eine Vorbereitung auf den Militärdienst

Die SG Sulgen wurde 1850 gegründet. Es sei nicht erstaunlich, dass in dieser Zeit viele Schützengesellschaften entstanden sind, erklärt Sacchet. Mit der Bundesverfassung, mit der sich die Schweiz 1848 von einem Staatenbund zum modernen Bundesstaat wandelte, war die Wehr- bereitschaft nicht mehr Sache der Kantone, sondern eine Angelegenheit des Bundes. Die Schützenvereine boten die Möglichkeit, die Zielgenauigkeit zu trainieren. Ebenso seien fast alle Buben in die Vereine eingetreten, wo sie im Umgang mit dem Gewehr geschult und so bereits auf ihre Militärdienstzeit vorbereitet wurden, erklärt Sacchet.

«Die Landesverteidigung und die Vorbereitung auf den Militärdienst ist aber längst kein Thema mehr. Heute sind die Mitglieder Sportschützen.» Schiessen sei eine anspruchsvolle Sportart, sagt der 71-Jährige. Es brauche nicht nur eine ruhige Hand und ein scharfes Auge; auch mental müsse man auf der Höhe sein, um gute Resultate zu erreichen. «Im Verein ist das Ziel aber nicht nur, als Einzelschütze zu glänzen.Wir wollen als Sektion gute Resultate erzielen», betont Sacchet.

Schwänzen des Trainings wurde früher gebüsst

Im 88 Seiten umfassenden Büchlein lernt der Leser auch viele andere Aspekte des Vereinslebens kennen. So packten die Sulger Schützen jeweils selber mit an, wenn es darum ging, ihr im Jahr 1920 erbautes Schützenhaus im Buchholz in den nachfolgenden Jahren zu renovieren. «Manche Fakten werden die heutigen Mitglieder auch erstaunen. So musste man früher zum Beispiel eine Busse bezahlen, wenn man dem Training fernblieb. Oder wer weiss heute noch, dass die Schützengesellschaft im Buchholz ein unkündbares Bodenrecht hat?», sagt Sacchet. Im letzten Kapitel der Chronik geht der Autor dann auch noch kurz auf die Herausforderungen ein, welche den Verein derzeit beschäftigen.

 

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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