«Die Schule soll innovativ sein»

SULGEN ⋅ Daniel G. Fuchs ist der einzige auswärtige Kandidat für das Präsidium der VSG Region Sulgen. Seine bisherige berufliche Laufbahn erachtet er als ideale Voraussetzung, um als Schulpräsident tätig zu sein.
07. Oktober 2017, 09:11
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Daniel Fuchs, bis zum Wahlpodium am 27. September waren Sie in Sulgen weit- gehend unbekannt. Wie gut kennen denn Sie die Region?

Ich kenne sie nicht besser als andere, die nicht dort wohnen. Ich erachte das aber sogar als Vorteil, denn ich wäre niemandem verpflichtet, könnte das Amt unbefangen antreten und aus einem neuen Blickwinkel ausüben. Ich habe mich inzwischen aber umgesehen und lerne die Region von Woche zu Woche besser kennen.

Vor dem Hintergrund Ihres bisherigen beruflichen Werdegangs überrascht Ihre Kandidatur. Weshalb wollen Sie Schulpräsident werden?

Ich habe als Vater mit dem Schweizer Schulsystem sehr gute Erfahrungen gemacht und möchte einen Beitrag zu dessen Erhaltung und Verbesserung leisten. Für mich wäre es die Krönung meiner beruflichen Laufbahn.

Was gedenken Sie zu tun, um Ihren Bekanntheitsgrad bis zum Wahltag zu erhöhen?

In dieser Hinsicht habe ich in der Tat einen Aufholbedarf. Ich werde daher bis zum 29. Oktober mit Inseraten, Flugblättern und kleinformatigen Plakaten auf meine Kandidatur aufmerksam machen. Zudem werde ich versuchen, mit den Schulleitern und Lehrkräften persönlich in Kontakt zu treten. Ich werde mit meiner Familie auch vermehrt Gaststätten in der Region aufsuchen.

Was spricht dafür, Sie zum Schulpräsidenten zu wählen?

Ich hätte zwei Standbeine. Zum einen verfüge ich über vertiefte Kenntnisse in Betriebswirtschaft, zum anderen habe ich eine Affinität zur Pädagogik. Beides ist für dieses Amt wichtig. Der Schulpräsident wird 120 Leute führen und Verantwortung für ein Budget in beträchtlicher Höhe tragen.

Was ist Ihrer Einschätzung nach eine «gute Schule»?

Es müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Ganz wichtig sind topmotivierte Lehrpersonen mit der Bereitschaft zur permanenten Weiterbildung. Die Schule soll innovativ sein und sich neuen Trends nicht verschliessen. Der Eigenverantwortung der Schüler sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Optimierungsbedarf sehe ich bei der Vorbereitung der Kinder auf die Oberstufe. Die Schule darf es nicht dabei bewenden lassen, nur Wissen zu vermitteln. Sie hat auch dafür zu sorgen, dass die Sozialkompetenz gefördert wird.

Der Schulpräsident wird mit sechs Behördenmitgliedern zusammenarbeiten. Welchen Führungsstil pflegen Sie?

Ich bin nicht jemand, der allein entscheiden will. Mir wäre es wichtig, dass die Behördenmitglieder ehrlich ihre Meinung sagen und Lösungsvorschläge machen. Ich möchte hören, was man verbessern kann; nur so erzielt man Fortschritte. Mein Führungsstil ist offen, kompromissbereit, aber auch konsequent.

Was werden die grössten Herausforderungen für die Behörde und den Präsidenten der VSG Region Sulgen sein?

Jedes Schaushaus hat einen ei- genen Charakter. Daran soll sich nichts ändern. Auch die Standorte sollen erhalten bleiben. Gegen aussen werden wir einen gemeinsamen Auftritt erwirken müssen. Es ist mir bewusst, dass dies keine leichte Aufgabe sein wird. Wir sollten uns auch nicht davor scheuen, unkonventionelle Lösungen zu realisieren. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, Immobilien kreativ zu bewirtschaften, das heisst, die Infrastruktur gegen eine entsprechene Entschädigung auch für ausserschulische Zwecke zur Verfügung zu stellen, sofern dies den Schul- betrieb nicht beeinträchtigt.

Wie bewerten Sie die Auseinandersetzungen im Vorfeld der VSG-Gründung?

Ich habe Verständnis für den Widerstand, der sich in Götighofen manifestierte. Man hatte Angst, dass die Dorfschule geschlossen wird. Das ist nachvollziehbar. Als Schulpräsident würde ich mit den Leuten offen und ehrlich reden und sie in Entscheidungspro- zesse einbeziehen. Ich bin überzeugt, auf diese Weise Probleme so lösen zu können, dass am Ende alle Beteiligten zufrieden sind.

Im Falle einer Wahl müssten Sie Ihren heutigen Wohnsitz aufgeben. Was sagt Ihre Familie zu dieser Aussicht?

Meine Frau würde sich freuen, weil sie meinen Enthusiasmus sieht. Mein schulpflichtiger Sohn ist weniger begeistert. Andererseits wäre er auf neue Bekanntschaften gespannt, und dank der heutigen Kommunikationstechnik könnte er auch die bisherigen Kontakte aufrechterhalten. Wir würden spätestens im Juli 2018 in die Region Sulgen umziehen.


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