Die neue Skyline der Stadt

AMRISWIL ⋅ Wachstum ist nur noch durch verdichtetes Bauen möglich. Die alten Häuser gegenüber dem Bahnhof sollen mittelfristig durch höhere Gebäude ersetzt werden.
29. September 2017, 07:37
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich dürfte in Amriswil kein Haus höher sein als vier Stockwerke plus das Attikageschoss. «Eigentlich», sagt auch Stefan Mayer, der im Stadtrat das Ressort Raum- und Stadtentwicklung innehat. Wie einst die hohen Amriswiler Häuser an der Romanshornerstrasse, beim Sportplatz und an der Poststrasse entstanden sind, kann er sich auch nicht erklären. Eine gesetzliche Grundlage für solche Hochhäuser gab es bisher nämlich nicht.

Doch nun werden die Bausünden, die «vielleicht am Wirtshaustisch verhandelt wurden» (Stefan Mayer), sozusagen posthum «legitimiert». Der Stadtrat will nächstes oder übernächstes Jahr den Zonenplan und das Baureglement überarbeiten. Gleichzeitig schafft er Grundlagen, dass auch höhere Häuser (17 bis 30 Meter) und Hochhäuser (ab 30 Meter) gebaut werden können. Ganz so hoch wie das 13-stöckige Gebäude 300 Meter weiter westlich sollen die Häuser an der Poststrasse gegenüber dem Bahnhof zwar nicht werden, aber zumindest sechsstöckig. An der Gemeindeversammlung vom letzten Dezember zeigte Stefan ­Mayer auf, wie gross die neue Gebäudezeile im Vergleich zu den heutigen bestehenden Bauten sein könnte (siehe Grafik).

In die Höhe bauen, aber Freiflächen schaffen

«Wir sind gezwungen, in die Höhe zu bauen», sagt Stadtrat Mayer. Durch die eidgenössische Abstimmung zum Raumplanungsgesetz darf die Stadt nicht mehr nach aussen wachsen. Die ein­zige Möglichkeit für Wachstum bleibe verdichtetes Bauen. Im Gegenzug müssten aber auch Frei- und Grünflächen geschaffen werden, betont Mayer. Freie Parzellen insbesondere für Mehrfamilienhäuser gebe es praktisch keine mehr in Amriswil. Doch Mayer relativiert: Der Leerwohnungsbestand auf dem Gemeindegebiet werde noch zunehmen.

Dennoch wird die Bautätigkeit im Zentrum zwischen Marktplatz und Bahnhof nicht abnehmen. Das grösste Bauprojekt ist die neue Migros. Auch auf der nördlichen Seite des «Amriville» werden die Bagger auffahren. Die ehemaligen Arbeiterwohnblöcke der Esco-Mitarbeiter, «Carmen» und «Aida», sind dem Abbruch geweiht. Der Gestaltungsplan ist nun in der Prüfung beim Kanton. Anstelle der völlig veralteten Wohnungen sollen auf deren Areal und auf dem Parkplatz ­daneben moderne Wohnhäuser entstehen. Abgestuft wie eine Torte: Aussen ein Kreis von Häusern mit drei Etagen, dahinter vier- und fünfstöckige Häuser und in der Mitte ein Wohnturm mit 29,75 Metern, der per Definition gerade noch ein höheres Haus und nicht ein Hochhaus ist.

So weit fortgeschritten sind die Planungen beim Bahnhof noch nicht überall. Lediglich zwischen Rennweg und Dianastrasse wird in absehbarer Zeit ebenfalls gebaut werden. «Unser Ziel ist, beim Bahnhofplatz ein städtisches Bild hinzubekommen», sagt Stadtrat Stefan Mayer, «mit einer Verdichtung an einer sehr guten Lage.» Allerdings wolle man Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen nehmen. Nach Süden hin sollen die Gebäude weniger hoch werden.


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