Die Mutigen gibt es noch

AMRISWIL ⋅ Wenn hier von Volleyball die Rede ist, denkt man sofort an den aktuellen Schweizer Meister. Doch was viele nicht wissen: Seit bald einem Vierteljahrhundert existiert in der Stadt noch ein zweiter Verein.
12. Oktober 2017, 07:00
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Wir waren sieben Jungs, die Volley­ball spielen wollten», erinnert sich Tom Ilg. «Wir wollten uns jedoch nicht einem Verein anschliessen, sondern unser eigenes Ding durchziehen.» Und so sassen sie am 25. August 1993 zu siebt in der «Traube» Neukirch, um die Gründungsurkunde des Studenten-Sportclubs Audax zu unterschreiben. Das lateinische Wort audax bedeutet mutig, kühn, aber auch frech – und es passte perfekt zum Septett, welches aus lauter Kantischülern aus ­Romanshorn und Frauenfeld bestand.

Heute präsidiert Tom Ilg den Verein, ist mittlerweile 44-jährig und letztes verbliebenes und ­aktives Gründungsmitglied. Der SSC Audax ist ein hiesiger Verein, weil drei der sieben Gründungsmitglieder Amriswiler sind: Tom Ilg, Oliver Meili und Claudio ­Paoletto. Die restlichen vier stammen aus Romanshorn, Weinfelden und Götighofen. «In der Götighofer Turnhalle haben wir die ersten zwei oder drei Saisons gespielt, weil es in Amriswil keine freie Halle für uns gab», sagt Ilg.

Die Kühnen und Frechen wurden Familienväter

Dass der Verein mal ein Vierteljahrhundert alt wird, hätte Ilg nicht gedacht. Heute umfasst der SSC Audax drei Herren- und zwei Frauenteams. In den Anfangs­zeiten hatte der Club noch Partys, Beachvolleyball- und Mixed-Turniere organisiert, doch aus den Kühnen und Frechen sind unterdessen Familienväter geworden.

«Heute organisieren wir für die Vereinsmitglieder Wander- und Skiweekends und pflegen so das Vereinsleben», sagt Ilg. Und dann gibt es noch fast jeden Monat das «Audax Kids». Die Vereinsmitglieder treffen sich in der Oberfeldhalle, holen sämtliches Material heraus und treiben mit ihrem Nachwuchs Sport. «Viele nehmen auch Nachbarn und Bekannte mit», erzählt Ilg, mittlerweile selber zweifacher Vater.

Doch Nachwuchsmannschaften im Volleyball sucht man bei Audax vergeblich. «Volley Amriswil macht einen hervorragenden Job», sagt Ilg. Man sehe sich auch nicht als Konkurrenzverein zum Schweizer Meister. Einige Kinder von Mitgliedern würden sogar bei Volley Amriswil spielen. Man habe ein gutes Verhältnis, betont Ilg. Oft besuchen Audax-Mit­glieder die NLA-Spiele und der SSC Audax habe auch schon Matchbälle gesponsert.

Inkonstanz ist die Konstante des Vereins

Doch nicht nur Audax-Mitglieder bescheren Volley Amriswil neue, junge Spieler, es gibt auch den anderen Weg. Dem SSC gelang auf diese Saison hin ein veritabler Coup mit der Verpflichtung von Ex-Profi Miro Tomasik (siehe Kasten), dessen Freundin in der Damenmannschaft von Audax spielt und der schon in der Vergangenheit hin und wieder bei Audax mittrainiert hatte.

«Dabei hatte es gegen Ende der letzten Saison nicht gut ausgesehen», gibt Ilg unumwunden zu. Die erste Herrenmannschaft stieg in die dritte Liga ab und ­hatte einige Abgänge – und es war nicht einmal sicher, ob dieses Team weiter bestehen würde. «Und jetzt haben wir wohl die stärkste Mannschaft der Vereinsgeschichte», sagt Ilg und kann sich ein Lächeln ob der unerwarteten Wendung nicht verkneifen.

Das ist typisch für den Verein, «dessen Konstanz über all die Jahre die Inkonstanz war», wie Ilg im letzten Newsletter an die Clubmitglieder geschrieben hat. Doch in den letzten Jahren seien die Mitgliederzahlen stabil bis leicht steigend, sagt Ilg. Einige seien Quereinsteiger aus anderen Sportarten, andere wiederum Zugezogene. «Und wir haben einen Kern von bestimmt der Hälfte unserer rund 70 Mitglieder, die schon viele Jahre bei uns sind.»

Auf dem Feld nehme man die Sache ernst, sagt Ilg, selber aktiv im dritten Team. Nebenbei sei aber auch das Soziale wichtig. Erst kürzlich haben er und seine Kollegen mit ihren Partnerinnen einen Städtetrip unternommen.

www.sscaudax.ch


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