Die Entscheidung ist vertagt

SULGEN ⋅ Keiner der drei Kandidaten für das Präsidium der Volksschulgemeinde Region Sulgen erreichte gestern das absolute Mehr. Am besten schnitt Christoph Stäheli ab. In vier Wochen kommt es zu einem zweiten Wahlgang. Bereits komplett ist die Schulbehörde.
30. Oktober 2017, 05:18
Georg Stelzner

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Selten war in der Region eine Wahl so spannend und der Ausgang so ungewiss. Als am frühen Sonntagnachmittag am Wahlapéro im Sekundarschulhaus ­Befang zum ersten Mal angestossen wurde, tat man das noch in Unkenntnis der Wahlresultate. Die Anspannung war den Kandidierenden anzumerken. Dann, exakt um 14.38 Uhr, lüftete Ernst Ritzi das Geheimnis. Der Be- auftragte für das Wahlbüro gab die ­Namen der sechs gewählten ­Behördenmitglieder und das ­Ergebnis der Wahl für das Schulpräsidium bekannt. Was viele erwartet hatten, trat ein: Die Frage, wer die am 1. Januar 2018 in Kraft tretende neue Volksschulgemeinde präsidieren wird, konnte noch nicht beantwortet werden.

Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz

Mit dem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal zehn Stimmen ging Christoph Stäheli im ersten Wahlgang als Sieger hervor. «Es war in meinen Augen ein offenes Rennen und der Ausgang überhaupt nicht abschätzbar», sagte Stäheli, sichtlich erfreut über seine 337 Stimmen. Der in Sulgen unterrichtende Primar­lehrer wertete den Erfolg auch als Ausdruck der Wertschätzung für sein zwei Jahrzehnte andauerndes Engagement für die Menschen und die Natur in der Region. «Viele Leute kennen mich und wissen, was ich mache. Davon habe ich jetzt wahrscheinlich auch profitieren können.» Im Hinblick auf den zweiten Wahlgang am 26. November werde er seine Strategie nicht ändern. «Ich möchte mir und meinen Zielsetzungen auf jeden Fall treu bleiben», versicherte der 53-Jährige. Stäheli räumte ein, dass er seine Kandidatur möglicherweise zurückgezogen hätte, wenn er auf dem zweiten oder gar nur dritten Platz gelandet wäre.

Grund zur Freude hatte gestern auch Daniel G. Fuchs, der ebenso wie Christoph Stäheli von der Findungskommission zur Wahl empfohlen worden war. «Es war mein erster Wahlkampf, und ich habe ihn in der Hoffnung bestritten, in die zweite Runde zu kommen», sagte der Altnauer. Dieses Ziel habe er dank der Unterstützung durch viele Leute erreicht. Der geringe Abstand zum Sieger des ersten Wahlgangs überrasche ihn ebenso wie der grosse Vorsprung auf den Drittplatzierten, gestand Fuchs. Sein gutes Abschneiden motiviere ihn zusätzlich. Er sei sich bewusst, dass er mit der Popularität und dem Bekanntheitsgrad Stähelis nicht mithalten könne. «Ich möchte deshalb nun verstärkt ­darauf aufmerksam machen, dass meine fachlichen Qualitäten die eigentlichen Kernkompetenzen für die Ausübung des Schulpräsidiums sind.» Er werde auch vermehrt Anlässe in der Region besuchen, um weitere persönliche Kontakte knüpfen zu können.

Eine bittere Pille musste der von der SP portierte Peter Welti Cavegn schlucken. Der Sulger Sekundarschulpräsident fiel gegenüber seinen Mitbewerbern stimmenmässig deutlich ab und zog umgehend die Konsequenz: Er wird am zweiten Wahlgang nicht teilnehmen. Einen Hauptgrund für sein Scheitern glaubt Welti zu kennen: «Die Kampagne gegen meine Person hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Selbstverständlich akzeptiere ich aber den Wählerwillen.»

Selbstkritisch stellte Welti aber auch fest, dass es ihm nicht gelungen sei, seine Kenntnisse in bildungspolitischen Fragen und seine Vernetzung im Kanton klar genug herauszustreichen: «Gerade das wird beim Aufbau der neuen Volksschulgemeinde jedoch wichtig sein, während pädagogische und verwaltungsökonomische Kompetenzen eine untergeordnete Rolle spielen werden.» Eine Wahlempfehlung für den zweiten Wahlgang gibt Welti nicht ab. Damit würde er seine Argumente nachträglich verleugnen, begründet er seine Haltung.


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