Der Kormoran ist ein Ärgernis

BISCHOFSZELL ⋅ Die Zahl der Fische in der Thur und in der Sitter ist seit einigen Jahren stark rückläufig. Um den Forellenbestand zu retten, setzt der Fischereiverein Thur I jedes Jahr rund 25000 Jungfische aus.
27. September 2017, 05:19
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Der Wurm ist ein Allerwelts- köder und lockt jeden Fisch an. Forellen können aber auch mit einem künstlichen Angelköder angelockt werden», erklärt Christoph Maurer, während er einen kleinen Gummifisch an den Angelhaken steckt. Der passionierte Hobbyfischer versucht an diesem regnerischen Herbstabend unterhalb der alten Thurbrücke sein Anglerglück.

Wer an den Flüssen und Bächen fischen will, braucht eine Lizenz. Thur und Sitter sind in Strecken aufgeteilt und werden vom Kanton für jeweils sieben Jahre verpachtet. Die Pächter sind Vereine. Das Revier des Fischereivereins Thur I umfasst den Streckenabschnitt von der Kantonsgrenze St. Gallen/Thurgau bis zum Zusammenfluss von Sitter und Thur. Maurer ist Präsident des Fischereivereins Thur I und zudem auch Präsident des Thurgauer Fischereiverbandes.

«Der Fischereiverein Thur I zählt 27 Aktivmitglieder – lauter Hobbyfischer», erklärt Maurer. In der Thur kommen rund 30 verschiedene Fischarten vor. Karpfenartige Weissfische, wie der Alet und die Barbe, überwiegen. «Leider gibt es hier fast keine Forellen und Äschen mehr», sagt Maurer und ergänzt, dass diese zwei Arten Edelfische seien.

Für die rückläufigen Fangzahlen sind laut Maurer verschiedene Ursachen wie etwa die Gewässerstruktur, die Wasserqualität sowie die Klimaerwärmung verantwortlich. Mit der Hitze steige die Gefahr für die Fische, da ab einer Wassertemperatur von 26 Grad ein Fischsterben drohe. Im Hitzesommer 2013 sei ein Grossteil des Forellen- und Äschen- bestandes eingegangen. Um den Forellenbestand zu retten, setzt der Fischereiverein Thur I jedes Jahr im Frühling 25000 junge Forellen, sogenannte Sömmerlinge, in Bächen aus, die in die Thur fliessen. Maurer: «Wir hoffen, dass die ausgesetzten Forellen temperaturbeständiger sind und sich den veränderten Umweltbedingungen besser anpassen können.» Noch lasse sich nicht abschätzen, ob die Anstrengungen Früchte tragen werden.

Ein Kormoran frisst täglich 500 Gramm Fisch

Auf die vom Aussterben bedrohten Thurforellen und Thuräschen lauert aber noch eine weitere Gefahr. «Der Kormoran bereitet uns immer mehr Kopfzerbrechen», betont Maurer. Der Kormoran sei ein hochspezialisierter Fischer. Der Wasservogel war ursprünglich im Ostseeraum beheimatet und wich nur in strengen Wintern nach Mitteleuropa aus. Seit bald zwei Jahrzehnten brütet er aber auch in der Schweiz. Ein Kormoran fresse am Tag etwa ein halbes Kilogramm Fisch und schaffe es schnell, einen ganzen Fischbestand auszulöschen, weiss Maurer. Der Fischreiher ernähre sich hingegen nicht nur von Fischen, sondern auch von Fröschen, Mäusen und grossen Insekten.

Eine wichtige Aufgabe des Fischereivereins ist die Aus- und Weiterbildung der Fischer. Die Ausbildung der Anfänger unterliegt einer gesamtschweizerischen Regelung. Der Verein führt auch alle zwei Jahre eine Ufer- putzete durch. «Im November werden wir wieder der Thur entlang unterwegs sein und herumliegenden Abfall einsammeln», kündigt Maurer an. Vom 1. Oktober bis Ende Februar, während der Schonzeit für Bachforellen, darf nicht gefischt werden.

Seit frühester Kindheit ist das Fischen Maurers grosse Leidenschaft: «Ich fische inzwischen seit bald 50 Jahren», erzählt der 53-jährige Bischofszeller. An der Thur aufgewachsen, sei er dort oft baden gegangen und habe so Bekanntschaft mit Fischen gemacht. Der Virus habe bereits damals zugeschlagen, meint Christoph Maurer und lacht.


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