Das «KRAPF» ist schon weg

AMRISWIL ⋅ Mit dem Fahrzeugbauer Krapf ist ein weiteres Traditionsunternehmen aus der Stadt verschwunden. Die Zeiten seien härter, rauer und unfairer geworden, meint der ehemalige Patron Rolf Krapf.
24. November 2017, 07:52
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Das rote Logo am gelben Gebäude fiel auf, wenn man von Amriswil in Richtung Steinebrunn fuhr. Deshalb fällt auch auf, dass es nun nicht mehr da ist. Und wo früher reihenweise kleine Lastwagen vor dem Gebäude standen, stehen nun violette Mulden einer Recyclingfirma.

Die Krapf AG beendete ihre Tätigkeiten per Ende Oktober. Damit verliert Amriswil ein weiteres traditionsreiches Unternehmen. Mit dem Slogan «Der Fahrzeugbauer sei 1856» warb die Firma, die mit einer Wagnerei im Zentrum begann. Als der Platz an der Rütistrasse zu klein wurde, zog die Firma an die Arbonerstrasse 100, wo sie bis zum Schluss blieb.

In einem offenen Brief verabschiedet sich Rolf Krapf von seinen Kunden und Lieferanten und bedankt sich bei ihnen – ebenso bei seinen Mitarbeitern, «ohne die es unmöglich gewesen wäre, diesen Betrieb zu unterhalten». Doch der Betrieb, der stets zu hundert Prozent im Familienbesitz war, spürte je länger, je mehr die Konkurrenz aus dem Ausland. «Handarbeit in der Schweiz hat einen schweren Stand bekommen. Die Wertskalen haben sich verschoben», meint Rolf Krapf.

Nach 25 Jahren Verantwortung abgegeben

Die Krapf AG habe gute Zeiten gehabt, welche ein Unternehmen benötige, um Innovationen zu betreiben, gute Leute zu bezahlen und auch mal wirtschaftliche Flauten zu überbrücken, um der Preishärte im Markt entgegenzuwirken. Man sei jedoch nie von Banken abhängig gewesen und habe immer erst investiert, wenn das Geld dazu verdient gewesen sei, schreibt Rolf Krapf in seiner Stellungnahme. Er ist froh, nach 25 Jahren in der Firma die Verantwortung abgeben zu können und «vielleicht auch einmal etwas egoistisch sein und nur noch das tun, was man möchte». Es gebe im Leben auch noch andere Dinge, schreibt der 66-Jährige. Nun habe er das Glück gehabt, die grossen Landreserven und die Immobilie an der Arbonerstrasse verkaufen zu können.

Mit Wehmut verabschiedet er sich von den treuen Kunden, die er sehr vermissen werde. Doch er verhehlt seine Frustration nicht und schliesst mit den Worten, dass er sich aber auch von vielen Unannehmlichkeiten verabschiede, die heute im Markt Standard geworden seien, von der nicht mehr vorhandenen Kundentreue und der oft sinkenden Qualität einzelner Lieferanten.
 

In Bellach und Muolen

Das Koffer- und das Kippersystem seien weiterhin «in gewohnter Qualität» erhältlich, steht auf der Webseite der Krapf AG. Die Koffersysteme würden samt Ersatzteilbewirtschaftung und entsprechendem Reparaturservice von der Carrosserie Hess im solothurnischen Bellach weitergeführt. Das Geschäft mit dem Kippersystem bleibt in unmittelbarer Nähe. Es wird von der DLA Fahrzeugbau GmbH in Muolen bewirtschaftet, einer Firma des ehemaligen Krapf-Mitarbeiters Nehat Shala. (man)


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