Das grosse Flattern

SITTERDORF ⋅ Heinz Traber hat vor einigen Jahren einen Schweinestall umgebaut und mit Vogelvolieren ausgestattet. Der Hochbaupolier züchtet Grosssittiche. Er erhielt bereits unzählige Pokale für seine Zuchterfolge.
22. August 2017, 05:17
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Markantes Kreischen und Pfeifen ertönt: Eine Vielzahl von Vögeln flattert in ihren Volieren – ausschliesslich Grosssittiche mit ursprünglich südamerikanischer, australischer und asiatischer Herkunft. Heinz Traber nimmt einen bunten Chinasittich, eine in Asien verbreitete Papageienart aus der Gattung der Edelsittiche, vorsichtig in die Hand. «Grosssittiche können aggressiv werden und beissen», weiss der Hobbyzüchter aus eigener Erfahrung.

Heinz Traber wohnt im Weiler Hegi in Sitterdorf, abseits des Dorfes. Lange habe er nach einer geeigneten Liegenschaft gesucht. Vor bald 20 Jahren ist er fündig geworden und konnte das Anwesen, wo sich früher eine Schweinezucht befunden hatte, erwerben. Der gelernte Hochbaupolier hatte damals den Schweinestall selber umgebaut und mit 45 Innen- und Aussen-Vogelvolieren ausgestattet. «Hier ist die Lage ideal. Das Kreischen und Pfeifen stört niemanden», sagt Heinz Traber und betont, dass es noch nie Reklamationen gab. Angefangen habe er damals in Sitterdorf mit etwa 350 Vögeln, heute seien es noch 140 bis 150. Der Absatz der Grosssittiche sei im Vergleich zu früher bedeutend schwieriger geworden, ausserdem gäbe es immer weniger Jungzüchter. «Zudem werde ich nicht jünger», meint der bald 60-Jährige mit einem zufriedenen Lachen. Dass Heinz Traber sehr tierliebend ist, müsste wohl kaum erwähnt werden: Auf seinem Anwesen tummeln sich nämlich zwei Hunde, zahlreiche Hühner, Gänse sowie Walliser Schwarzhals- und Kupferhalsziegen. Und im grossen Teich drehen etwa 70 Kois und Störe ihre Runden.

Gefieder und Grösse werden bewertet

Für seine Zuchterfolge mit ­Vögeln wurde Heinz Traber an Ausstellungen immer wieder mit Preisen belohnt. «Unzählige Pokale habe ich gewonnen», erzählt er und ergänzt, dass er einige Male sogar Schweizer Meister war. Damit ist inzwischen aber genug, denn der Hobbyzüchter nimmt nicht mehr an Ausstellungen teil. Dies sei immer mit viel Zeit und Aufwand verbunden gewesen. An diesen Anlässen werden unter anderem Gefieder und Grösse der Tiere bewertet.

Seine Leidenschaft für Vögel begann vor ungefähr 35 Jahren. Heinz Traber mag sich noch gut an seinen ersten Wellensittich erinnern, den ihm ein Kollege geschenkt hatte. Gleich darauf habe er sich einen zweiten gekauft. «Seither hat es mir den Ärmel so richtig reingezogen.» Da der Thurgauer damals noch in einer Wohnung in Bronschhofen SG lebte, hatte er sich eine Vogel­voliere im Haus seiner Eltern im Ottoberg gebaut. Das Wissen habe er sich selbst angeeignet – durch gemachte Erfahrungen und vor allem durch das Lesen von Büchern.

Ersatzeltern für einen Felsensittich

Jeden Morgen um halb sechs Uhr macht sich Heinz Traber auf den Weg zur Arbeit. Am Feierabend nimmt er sich dann Zeit für die Tiere und füttert auch seine ­Vögel. Die Hauptnahrung sei eine Samenmischung, ausserdem Weichfutter sowie Vogelbeeren, die am Baum in seinem Garten wachsen. Unterstützt wird er bei der Tierhaltung von seiner Lebenspartnerin Doris Roschi. Seit rund elf Jahren betreibt sie auf dem Anwesen ein Atelier mit ­dekorativen Gegenständen und einen Schaugarten.

Durch sein Hobby hat Heinz Traber schon viele Züchter aus dem In- und Ausland kennen gelernt. Dies sei eine Bereicherung für ihn. Grundsätzlich könne zu einem Vogel keine Beziehung aufgebaut werden. Doch Heinz Traber weiss von einer Ausnahme: «Vor einigen Jahren besassen wir einen südamerikanischen Felsensittich. Das zahme Tier, das aus der eigenen Züchtung stammte, wurde von der Vogelmutter verstossen.» Heinz Traber und Doris Roschi nahmen den Jungvogel zu sich ins Wohnhaus und zogen ihn auf. Täglich war er draussen in freier Natur und kehrte nach zwei oder drei Stunden wieder zurück. «Wenn er ins Haus wollte, klopfte er mit seinem Schnabel an die Fensterscheibe.»

Heinz Traber und Doris Roschi sind erst vor kurzem aus ihren Ferien zurückgekommen. Die beiden sind sich einig: Obwohl es zu Hause stets viel zu tun gebe, sei es hier trotzdem am schönsten.


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