Das bunte Leben muss draussen bleiben

SULGEN ⋅ Nach rund fünfmonatiger Bauzeit wurden am Samstag die Gebäude auf dem Sulger Friedhof im Rahmen einer Einweihungsfeier ihrer Bestimmung übergeben. Die Feier sowie die Führungen stiessen auf reges Interesse.
02. Oktober 2017, 05:18
Monika Wick

«Ich habe mich in den letzten Tagen öfters gefragt, ob der Begriff ‹Freude› an diesem Ort angebracht ist», sagte Werner Herrmann, Gemeinderat von Sulgen und Baukommissionspräsident. Die Antwort gab er sich an den Einweihungsfeierlichkeiten der neu erstellten und sanierten Gebäude auf dem Friedhof in Sulgen am Samstagnachmittag gleich selber: «Ja! Ich habe Freude und spüre Erleichterung ob dem schönen Bauwerk». Während der rund fünf Monate dauernden Bauarbeiten sind im ­bestehenden Gebäude ein Pfarrzimmer sowie eine geschlech-­ tergetrennte und barrierefreie Toilettenanlage realisiert worden.

Markante Neubauten

Markanter präsentieren sich die beiden Neubauten rechts und links davon. In einem davon befinden sich drei Katafalkräume, die eine würdevolle Aufbahrung der verstorbenen Personen gewährleisten und Angehörigen eine angemessene Umgebung für ihre Trauer bieten. Der andere Neubau ermöglicht von der Witterung geschützte Versammlungen oder Trauerfeiern. Den Anstoss zur Neugestaltung der Friedhof- und Gebäudeinfrastruktur gaben laut Werner Herrmann Trauerfamilien, die die damalige Situation bemängelten. «Vor zwei Jahren durften wir das Begegnungshaus eröffnen. Ein Haus, in dem junge Menschen ihre ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben machen. Und hier ein Ort, an dem sich der Lebenskreis schliesst und das Leben seinen Abschluss findet.»

Als zweiter Festredner ergriff Guido Santschi, Architekt der Reno+Plan AG, das Wort. «Unsere Aufgabe war das Erschaffen eines Ortes des Abschieds und der Erinnerung an ein vergangenes Leben», erklärte er und erläuterte neben einigen anderen Überlegungen die Beweggründe, die Fenster der Katafalkräume, wo die Verstorbenen aufgebahrt werden, farbig zu gestalten. «Das bunte Leben muss draussen bleiben, denn es ist verblasst und erloschen. Nur das freie Licht des Himmels findet noch den Weg ins Innere». Symbolisch übergab er Maja Brühlmann Zwahlen, Präsidentin der Friedhofskommission, einen Strauss weisser Lilien, die laut dem Architekten für Licht, Hoffnung und Erinnerung stehen. Gedanken zum Friedhof, zum Leben und zum Sterben machten sich auch der evangelische Pfarrer Frank Sachweh und sein katholischer Kollege Martin Kohlbrenner, bevor Letzterer unter den Blicken der zahlreichen Gäste, beteiligten Handwerker und politischen Vertreter die Gebäude weihte. Durch das Programm führte Gemeindepräsident Andreas Opprecht. «Für die musikalische Umrahmung haben wir uns dem Ort entsprechend nicht für Pauken und Trompeten, sondern für das Trio Pegasus entschieden», erklärte er.

 

Monika Wick

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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