Das Bild ist prägnanter als der Inhalt

SULGEN ⋅ Mit Katharina Locher besuchte ein bekanntes Gesicht des Schweizer Fernsehens die Gruppe «neu/alt». Die Moderatorin hielt einen Vortrag über ihre Arbeit.
20. Oktober 2017, 07:19
Hannelore Bruderer

Katharina Locher spricht Berner Dialekt – so hat sie ihr Referat in Sulgen gehalten und so kennt man die Moderatorin aus der Sendung «Schweiz aktuell». Sie ist auch in Bern aufgewachsen. Da ihre Eltern aus der Ostschweiz stammen, habe sie bis zum Eintritt in den Kindergarten aber ­deren Mundart gesprochen und noch heute spreche sie mit ihren Verwandten in der Ostschweiz so, verriet die Journalistin den rund 40 Personen, die sich im evangelischen Kirchgemeindehaus Sulgen zum Dienstags­gespräch mit ihr eingefunden hatten.

Anhand einer Tagesablaufplanung, die morgens um sieben noch fast leer ist und sich bis zum Abend füllt, zeigte sie auf, wie die Sendung «Schweiz aktuell» entsteht. Um aktuell zu sein und Doppelspurigkeiten mit anderen Informationssendungen zu vermeiden, werden während des ­Tages immer wieder Redaktionssitzungen abgehalten und Entscheidungen gefällt.

Die Drehorte sind über die ganze Schweiz verteilt

Ihre Moderationen schreibt Katharina Locher selber. Deshalb muss sie die Planung stets verfolgen und die Inhalte der Sendung kennen. Da «Schweiz aktuell» die ganze Vielfalt aller Landesteile zeigt, liegen viele der Drehorte vom Studio in Zürich weit entfernt. Dank der neuen mobilen Übertragungsgeräte erreichen die Beiträge das Fernsehstudio dennoch innert kürzester Zeit. Der Faktor Zeit ist bestimmend für die Sendung, die Längen aller Beiträge und Moderationen sind minutiös geplant und aufeinander abgestimmt. Da die nachfolgende Sendung «Tagesschau» um 19.30 Uhr beginnen muss, darf «Schweiz aktuell» höchstens um 30 Sekunden überziehen.

Mit Erstaunen erfuhren die Zuhörer, dass die Moderatorin vor jeder Sendung rund eine Stunde in der Maske verbringt. «Fernsehen ist ein visuelles Medium», sagt sie. Das Verhältnis der visuellen Wahrnehmung liege mit 70 Prozent über der Wahrnehmung des Inhaltes mit 30 Prozent. «Entsprechend viel Rückmeldungen aus dem Publikum betreffen denn auch meine Frisur oder Kleider und nicht den Inhalt der Sendung», sagt Katharina ­Locher. Nach der Maske ist sie bereit für den Auftritt. Ihre Mode­ration liest sie während der Sendung vom Teleprompter ab, über einen «Knopf» im Ohr erhält sie Anweisungen der Regie. Die ­Kameras werden ebenfalls vom Regiepult aus gesteuert. Die ­Kameraleute, die diese Arbeit zuvor verrichtet hatten, sind dem Spardruck beim SRF zum Opfer gefallen.

Eine besondere Herausforderung für das Team sind die Livesendungen. «Können wir eine Verbindung über das Mobilnetz oder den Satelliten herstellen, können wir eigentlich von überall senden», erklärt die Fernsehfrau. Die Einstellungen würden, bevor sie gedreht werden, zwar geprobt, aber alles sei nicht vorhersehbar, deshalb würden die Journalisten für eine Livesendung nebst Mut und Geduld auch viel Improvisationstalent benötigen. Nach ihrem Vortrag beantwortete Katharina Locher Fragen aus dem Publikum.

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch


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