Auf dem Wasser zu Hause

AMRISWIL ⋅ Der 15-jährige Kanute Kilian Mayer durfte dieses Jahr zum Olympischen Festival der Europäischen Jugend nach Ungarn fahren. Vor kurzem hat er eine Lehre bei der Stadtverwaltung begonnen.
17. August 2017, 07:25
Rita Kohn

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Er ist 15 Jahre alt und hat bereits ein wenig olympische Luft geschnuppert. Kilian Mayer aus Amriswil ist einer der beiden Thurgauer Nachwuchstalente, die die Schweiz am European Youth Olympic Festival (EYOF) in Ungarn vertreten haben. Edelmetall gab es für den jungen Kanuten keines. Aber eine Menge Erfahrungen. Und Kilian Mayer weiss nun, dass er irgendwann an den richtigen Olympischen Spielen starten möchte.

Sechsmal wöchentlich trainiert der Amriswiler Kanute. Bisher waren es regelmässig auch Doppeleinheiten, die er nach der Schule absolvierte. Nun hat sich in Kilian Mayers Leben aber einiges verändert: Vor ein paar Tagen hat er seine Lehre begonnen, eine Kaufmännische Ausbildung bei der Stadtverwaltung Arbon. «Ich werde nun zuerst rausfinden müssen, wie sich die Trainings mit meiner Lehre vereinbaren lassen», sagt der junge Sportler. Klar ist, dass er seinem Sport treu bleiben wird.

Vom Eishockey aufs Wasser

Mit acht Jahren entdeckte Kilian Mayer seine Liebe zum Kanu. Damals stand er noch als junger Eishockey-Spieler auf den Schlittschuhen. Als die jungen Kanuten im Rahmen eines freundschaftlichen Vereinsprogramms mal auf dem Eis stehen und die Eishockeyspieler ins Kanu durften, war der junge Amriswiler fasziniert. Kurze Zeit später gab es einen Schnupperkurs, der ihn endgültig zum Kanu hinzog.

Immer wieder findet Kilian Mayer auch Interesse an anderen Sportarten, so etwa Volleyball. Aber ihm ist klar, dass er sich auf etwas konzentrieren muss, will er sich einen Spitzenplatz erkämpfen. Da muss er nicht lange überlegen, was er am liebsten mag. Das Kanufahren bedeutet für ihn nicht nur Sport. Die Stille, die er oft auf dem Bodensee erlebt, gibt ihm auch persönlich viel. Die Nähe zum See ist dem jungen Amriswiler denn auch wichtig. Am liebsten wäre er direkt nach Romanshorn gezogen, um dem Wasser näher zu sein. Doch die Familie ist in Amriswil verankert.

Erst kurz vorher erfahren, dass er dabei ist

Die Teilnahme am EYOF war für Kilian Mayer einer der Höhepunkte in seiner bisherigen sportlichen Laufbahn. Erfahren, dass er dabei ist und mit nach Ungarn fahren darf, hat er erst kurz vor der Abreise. Zwar wusste er, dass es ihm von den Qualifikationspunkten her reichen könnte, aber es war ungewiss, ob überhaupt eine Kanu-Delegation mitfahren wird. In der Schweiz sei dies eher eine Randsportart, sagt er.

Umso glücklicher war Kilian Mayer über die Nachricht, dass er mitfahren kann. Seine Eltern, Stefan und Octavia Mayer, reagieren umgehend. Sie stellten sich auf die unerwartete Situation ein und fuhren ebenfalls nach Ungarn, um den Einsatz ihres Sohnes mitzuerleben. Die beiden freuen sich über die sportlichen Ambitionen ihres Sohnes, die nie dazu geführt haben, dass er die Schule oder seine Zukunftspläne vernachlässigt hätte.

Auch wenn es Kilian Mayer dieses Mal noch nicht für einen vorderen Rang gereicht hat, ist er nicht enttäuscht. Natürlich hätte er sich gewünscht, an die Spitze fahren zu können. Aber er sagt nun selbstkritisch, dass er einiges gesehen hat, das er noch besser machen könnte. Sachen, an denen er in den nächsten Monaten arbeiten wird.

Oft wird in der Halle trainiert

Noch laden die Witterungsverhältnisse dazu ein, mit dem Kanu auf dem Wasser unterwegs zu sein. Im Winter finden dann aber etliche Trainingseinheiten in der Halle statt. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit werden im Trockenen genau so trainiert wie auf dem Wasser. Für den jungen Kanuten eine Selbstverständlichkeit. Überwinden, zum Training zu fahren, muss er sich nicht.

Für die Eltern ist es eine Beruhigung, dass Kilian Mayer im Kanuclub Romanshorn gut aufgehoben ist. «Der Club hat eine ausgezeichnete Struktur», lobt Stefan Mayer. Das heisst auch, dass nicht die Eltern ihren Sohn zu Wettkämpfen fahren müssen, sondern der Club das organisiert. Zwar haben Octavia und Stefan Mayer ihren Sohn früher hin und wieder nach Romanshorn zum Training gefahren und ihn wieder geholt, aber je älter er wurde, desto selbstständiger wurde er auch. «Für uns bedeuten Kilians sportliche Ambitionen vor allem Freude, keine übermässige Belastung», sagen sie.


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