Alter ohne Verfallsdatum

AMRISWIL ⋅ Die Alterskommission lud ins Pentorama zu zwei Podiumsdiskussionen, die zuvor mit je einem Theaterstück illustriert wurden. Interessiert hat dabei vor allem die «Hilfe aus dem Osten».
26. September 2017, 07:28
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Es ist ein heikles Thema, weil es wie so oft ums Geld geht. Und wenn dann noch das Erbe auf dem Spiel steht, geht es nicht mehr nur die Ältesten an, sondern auch ihre Nachkommen. Deshalb hoffte Stadtrat Erwin Tanner, dass sich auch viele Besucher mittleren Alters für die Veranstaltung der Alterskommission interessierten. Zudem liess sich Stadtrat Tanner mit «Alter ohne Verfallsdatum» einen leicht provokativen Titel einfallen, denn «Altern ist keine von anderen Lebensphasen abgetrennte Kategorie mehr, sondern grenzenlos», wie er meint.

Gefolgt sind der Einladung am Donnerstagabend schliesslich nicht ganz 200 Personen. Begrüsst wurden sie von den vier Nachwuchsmusikern der Band Four Brass Quartett, die der Veranstaltung einen musikalischen Rahmen gab, und von Andreas Notter, der den Abend und die nachfolgenden beiden Podiumsgespräche moderierte.

Podium mit kompetenter Expertenrunde

Im Gegensatz zum letzten Jahr entschied sich die Alterskommission für einen leicht veränderten Ablauf. Gab es vor einem Jahr noch ein interaktives Theater, in welches das Publikum eingreifen konnte, so führte das Theater Knotenpunkt diesmal zwei Stücke auf, auf deren Grundlage hinterher diskutiert wurde.

Beide Podien waren mit Experten besetzt, doch Ida Hungerbühler, die als Bewohnerin des Amriswiler Alters- und Pflegezentrums (APZ) von ihren Erfahrungen erzählte, war der heimliche Star des Abends. Mit ihr diskutierten Vertreter der Spitex, von Pro Senectute, vom kantonalen Amt für Gesundheit, APZ-Leiter Dominique Nobel sowie ein Finanzexperte der Thurgauer Kantonalbank.

Eines der angesprochenen Themen war «die Hilfe aus dem Osten», wie eine der Podiumsteilnehmerinnen vermeintlich billige Pflegerinnen aus Rumänien, Polen oder anderen Oststaaten diplomatisch beschrieb.

Ferien machen im Alters- und Pflegezentrum

Man müsse in solchen Fällen gut hinschauen, sich informieren und die Rechnung machen, denn oftmals sei die Spitex nicht teurer, war der Tenor. Gerade die Sprachbarriere werde bei günstigen Angeboten oft unterschätzt. Allerdings könne es auch passen, wie bei einem älteren Mann, der aus demselben osteuropäischen Land wie die Betreuerin stammt. Die Experten betonten, dass solche Personen nicht als Pflegerinnen bezeichnet werden dürfen. Es seien Haushaltskräfte und das werde von der Krankenkasse nicht abgedeckt.

Nebst finanziellen Fragen wie einem Erbvorbezug oder dem Überschreiben eines Hauses auf die Kinder war auch die Selbstbestimmung der älteren Menschen ein wichtiger Punkt in der Podiumsdiskussion. APZ-Leiter Dominique Nobel führte aus, dass in den Heimen sehr individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen werde. So dusche der eine lieber am Abend als am Morgen, und auch das Frühstück nähmen nicht alle zur gleichen Zeit ein. Und wer unsicher sei, der habe die Möglichkeit, auch mal für zwei, drei Wochen «in die Ferien» zu kommen.


Leserkommentare

Anzeige: