Alle wollten dieses Foto

AMRISWIL ⋅ Der Wirtschaftsapéro der Stadt überzeugte nicht nur kulinarisch, sondern verköstigte die Besucher auch mit zwei Referenten, welche das Thema Highspeed aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachteten.
02. Oktober 2017, 05:18
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Da habe ich einen schweren Stand», meinte Referent Allen Fuchs. Der Verwaltungsratspräsident der Regio Energie Amriswil (REA) brachte zum 13. Wirtschaftsapéro der Stadt ein höchst spannendes, aber für viele Leute immer noch abstraktes Thema mit: «Smart City – Die automatische Stadt».

Sein Vorredner Nils «Jamie» Hämmerli konnte hingegen mit seinem Beruf punkten, von dem die Hälfte der Anwesenden bestimmt schon mal geträumt hatte. Oberstleutnant Hämmerli gehört der legendären Patrouille Suisse an, ist dort Kommandant.

Und Hämmerli, der selbstverständlich nicht in Anzug und Krawatte, sondern im Overall vor seine Zuhörer im Pentorama trat, liess zu Beginn seines Referates sogleich die Macht der Bilder sprechen. Ein kurzer Videoclip stimmte die mehrere hundert Vertreter der Wirtschaft, Politik und Schule mit spektakulären und emotionsgeladenen Aufnahmen auf die kommende Stunde ein, in der Hämmerli auch aus dem Nähkästchen plauderte und Geschichten der Kunstfliegerstaffel erzählte, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind.

Blumen für die Nationalrätin in spe

Unter anderem zeigte der Pilot ein Bild der Patrouille Suisse, wie sie über das Bundeshaus fliegt (siehe Foto). Interessant ist jedoch vor allem die Entstehung dieser Aufnahme. Jahrelang hätten sie sich bemüht, eine Genehmigung zu bekommen, um so ein Bild machen zu können. Immer habe es «Nein» geheissen – bis einst beschlossen wurde, es einfach zu tun. «Selbstverständlich haben wir dabei alle gesetzlichen Richtlinien wie etwa die Mindestflughöhe oder die Geschwindigkeit eingehalten», sagte Hämmerli. Noch bevor die sechs Flieger vom Typ F-5E Tiger II wieder in Payerne gelandet waren, habe es bereits einen Anruf gegeben mit «Ihr habt aber nicht etwa . . .».

In der Folge musste die Patrouille Suisse beim Chef der Armee und beim zuständigen Bundesrat antraben und sich rechtfertigen. «Kurze Zeit danach haben wir noch viele weitere Anrufe aus Bern bekommen», erzählte Hämmerli. Viele Beamte im Bundeshaus hätten angefragt, ob sie nicht die entsprechende Aufnahme haben dürften, um sie gross in ihrem Büro aufzuhängen.

Vielleicht sehen Sie das Bild ja irgendwo, wenn Sie dann im Bundeshaus sind», meinte Hämmerli zur anwesenden Nationalrätin in spe, Diana Gutjahr, die zu Beginn der Veranstaltung von Stadtpräsident Martin Salvisberg mit einem prächtigen Blumenstrauss beschenkt wurde.

App vermittelt kurzfristig einen Babysitter

Zu lachen gab auch Hämmerlis Geschichte, wie man einst einem Piloten der Schweizer Armee mitgeteilt hatte, dass er ins Team der Patrouille Suisse aufgenommen werde. Als er mit seiner Freundin aus den Ferien in Miami zurückgekehrt war, hätte die Patrouille Suisse ihre Beziehung zum Zoll spielen lassen und dem Pärchen Drogen ins Gepäck schmuggeln lassen. Beim Durchwühlen des Gepäcks sei dann das Emblem der Kunstflieger zum Vorschein gekommen und die Sache hätte sich aufgelöst. Aufgelöst in Tränen dürfte zu jenem Zeitpunkt wohl auch die Partnerin des neuen Mitglieds gewesen sein.

Mit solch spektakulären Geschichten konnte Allen Fuchs nicht aufwarten. Doch seine Ausführungen, wie einst die intelligente Stadt aussehen wird, war ein interessanter Blick in eine Zukunft, die teilweise in anderen Städten bereits Gegenwart ist. Zu so einer «Smart City» gehöre natürlich ein schnelles, flächendeckendes Glasfasernetz, da künftig noch viel grössere Datenmengen durch die Leitungen fliessen würden. Doch allein damit sei es nicht getan. Es brauche auch interessierte Nutzer. Und der Basler Fuchs erzählte von einem Quartier aus seiner Heimatstadt, in dem sich die Bewohner mittels einer Smartphone-App zusammengeschlossen hätten, mit der man sich über ganz verschiedene Dienstleistungen informieren könne – zum Beispiel, ob heute Abend ein Babysitter Zeit hat, oder wann das nächste Mal der Grünabfall abgeholt wird.


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