Zweitausend Kilometer - barfuss

FISCHINGEN ⋅ Aldo Berti aus Villingen-Schwenningen hat vorgestern den Weltrekord im Barfusslaufen aufgestellt. Hinter diesem Projekt steckt aber noch viel mehr. Es geht um eine Spendenaktion.
Aktualisiert: 
19.08.2017, 22:00
19. August 2017, 07:43
Miranda Diggelmann

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann@ thurgauerzeitung.ch

Auf der Insel Rügen in Deutschland startete am 28. Mai die dreimonatige Reise des 53-jährigen Aldo Berti, und zwar barfuss. Am Donnerstag machte er im Kloster Fischingen Halt. Was aber ist Sinn und Zweck dieser kuriosen Aktion? «Es geht um ein Charity-Projekt», erklärt der Deutsche. Schon seit vielen Jahren unterstützt er Hilfsorganisationen, in dem er Spendenaktionen organisiert und selbst durchführt. Vor einiger Zeit ist ein Freund von Berti 800 Kilometer barfuss gegangen. Als Psychotherapeut und Naturheilpraktiker weiss Berti, dass barfuss gehen gesund für das Immunsystem ist. Es könne sogar bei Plattfüssen oder Hallux helfen. «Das muss ich unbedingt auch mal versuchen», dachte sich Aldo Berti damals. Seit 2015 ist er deshalb öfters mal barfuss gegangen. «Anfangs haben mich alle Leute komisch angeschaut. Mittlerweile sprechen sie mich jedoch an, wenn ich mal Schuhe trage», sagt er und lacht.

Später kam Berti auf die Idee, das Barfusslaufen mit einem Wohltätigkeitsprojekt zu verbinden und fing an, darauf zu trainieren. «Es war ein rund zweijähriger Prozess, bis ich schliesslich bereit war, den langen Weg barfuss zu gehen», sagt er. Nur schon, weil er für die drei Monate auch seine zwei Praxen und das Familienleben organisieren hätte müssen. «Als ich vom Weltrekord im Barfusslaufen, der ein Ire aufgestellt hatte, hörte, war mir sofort klar, dass ich den knacken will – ich mag Herausforderungen», sagt Berti weiter. Der Plan war also klar: In unter 104 Tagen 2080 Kilometer gehen, und zwar barfuss.

Keine Probleme trotz Wind und Wetter

Nach 82 Tagen Barfusswanderung, mehr oder weniger entlang des Jakobsweges, durch Deutschland und die Schweiz, durch Regen und Wind, Hitze und Kälte, manchmal mit, oftmals ohne Begleitung, Übernachtungen in Luxushotels und Baumhäusern, war es schliesslich so weit: Aldo Berti knackt den Weltrekord. Und das obwohl er noch gar nicht an seinem Ziel, dem Kloster in Einsiedeln, angekommen war. «Ich habe mich riesig gefreut. Den Erfolg habe ich um 11 Uhr morgens bei Pilgersuppe und Radler gefeiert. Für Bier war es schliesslich noch zu früh», sagt der studierte Schauspieler und Opernsänger. Und sein Erfolg kommt nicht nur ihm, sondern vor allem auch drei Kinderhilfsprojekten zugute.

«Die restlichen Kilometer bis nach Einsiedeln sind nur noch das Sahnehäubchen obendrauf», sagt Berti. Und diese will er unbedingt noch gehen, und das obschon seine Füsse schon ziemlich schmerzen. Eine Nacht würde nicht mehr für die Regenerierung reichen. Aber weder Blasen, Schnitte, Glassplitter noch das Schienbeinkantensyndrom (Schmerzen in den Beinen) haben den 53-Jährigen bisher von seiner Barfussreise abgehalten. Ernst zu nehmende Probleme hatte Aldo Berti bisher nicht. Schliesslich sei er für Notfälle auch ganz gut mit einer kleinen Apotheke ausgerüstet. Bei Schnitten schwöre er auf Sekundenkleber. Das habe ihm ein Zahntechniker empfohlen. Dem Deutschen wurde auf seiner Reise klar: «Der Mensch ist ein Wunderwerk.» Dass er eine solche Strecke barfuss gehen könnte, hätte ihm niemand zugetraut – nicht einmal er sich selbst.

Morgen Sonntag, um 11 Uhr, wird Aldo Berti beim Kloster Einsiedeln empfangen. Mehr Informationen zu seiner Barfussreise oder den Hilfsprojekten gibt es auf seiner Website: barfussweltrekord.aldo-berti.de.


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