Tagblatt Online, 02. Juni 2012 01:05:00
Neue Töne bei den Piusbrüdern
Pater Stefan Pfluger freut sich, dass nun die Kirche mit einer mechanischen Orgel beschallt werden kann. (Bild: sme.)
WIL. Vor neun Jahren konnte die Piusbruderschaft die Dreifaltigkeitskirche an der St. Gallerstrasse einweihen. Morgen Sonntag folgt ein weiterer Meilenstein. Eine Kirchenorgel wird feierlich gesegnet und in Betrieb genommen.
SILVAN MEILE
In der Dreifaltigkeitskirche der katholischen Piusbruderschaft an der St. Gallerstrasse steht morgen Sonntag ein freudiges Ereignis bevor. Die Gemeinschaft weiht ihre Orgel ein. «Fast neun Jahre hat die Kirche seit ihrer Einsegnung warten müssen, bis sie eine Orgel erhält, die ihrer würdig ist», schreibt Pater Stefan Pfluger in der Einladung zur Orgelweihe von morgen Sonntag. Bis anhin sind die Messen in der Dreifaltigkeitskirche mit den Klängen einer elektronischen Orgel mit Lautsprecherboxen begleitet worden. Vom klanglichen Unterschied gegenüber der Pfeifenorgel ist Prior Pfluger seit dem ersten Hinhören überrascht: «Ich war frappiert vom klanglichen Unterschied», sagt er. Die durch den Luftstrom angeblasenen Pfeifen würden das Gotteshaus viel klarer und heller beschallen, freut sich der Geistliche, bevor er sich später gleich selber nacheinander an beide Orgeln setzen wird, um den Unterschied vor Ort zu demonstrieren. «Die Orgel ist bestens geeignet, den Gesang der Gemeinde zu untermalen», schwärmt Pfluger. Und sie könne schöne Effekte hervorbringen, von denen die Orgelmusik der Romantik lebe.
15 Monate daran gearbeitet
Die Priesterbruderschaft konnte die Orgel, Baujahr 1967, von der katholischen Kirchgemeinde im solothurnischen Erschwil günstig erwerben. Denn dort entschied man sich, die historisch bedeutende Kirchenorgel aus dem Jahr 1788, von welcher sich Teile im kantonalen Denkmalamt befanden, wieder möglichst originalgetreu herzustellen und ihr den ursprünglichen Platz in der Erschwiler Kirche wieder einzuräumen. So musste die in den 60er-Jahren bei einer Kirchenrenovation eingebaute Orgel ihrer Vorgängerin weichen. In der Dreifaltigkeitskirche Wil fand die Orgel aus den 60er-Jahren nun aber einen neuen Platz. Zuvor ist sie während rund 15 Monaten durch eine Orgelbaufirma abgebaut, gründlich restauriert und von 21 auf 28 Register erweitert worden, bis sie schliesslich in Wil wieder aufgebaut wurde. «Die komplexe Mechanik, dass schliesslich alle Pfeifen eines Registers auf die gleiche Weise tönen und bis jede Pfeife genau auf der richtigen Tonhöhe erklingt, erfordert exakteste Einstellungen und ein hervorragendes Gehör», weiss Pater Pfluger. Rund eine Viertelmillion Franken hat die Orgel schliesslich gekostet. «Eine neue Orgel in dieser Grösse käme wohl auf das Dreifache dieses Preises», sagt Prior Pfluger. Dass sie in seiner Kirchgemeinde ein Bedürfnis ist, zeigt auch die Spendenbereitschaft, dank derer die Kosten vollständig gedeckt werden konnten.
Mit Orgel in Dialog treten
Die ersten offiziellen Töne werden während der feierlichen Segnung des Instruments gespielt, unmittelbar vor dem Sonntagsgottesdienst. Nach einem Gebet wird der segnende Priester in den Dialog mit der Orgel treten und diese mit verschiedenen Aussagen zum Lob Gottes auffordern. Der Orgelspieler wird dann diese mit seinem individuellen Spiel erwidern. Ein Priester fand diese Zeremonie in einem Segnungsbuch aus Frankreich, erklärt der Prior den Ursprung der Idee dieses einmaligen feierlichen Vorgangs. Am Nachmittag wird ab 15 Uhr ein öffentliches und kostenloses Orgelkonzert mit Werken von Joseph Haydn, Johann Sebastian Bach und anderen Komponisten aufgeführt. Danach soll die Kirchenorgel in der Dreifaltigkeitskirche über Generationen ihren Dienst für Gott und die Gemeinde vollbringen. «Das ist eine Investition für die nächsten hundert Jahre», sagt der Prior.
- Artikel empfehlen:









Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben