Tagblatt Online, 02. Juni 2012 01:05:00
Begeisterung spürbar gemacht
Anna Dieckmann (Mitte) lässt sich als Lady Gaga in der Phillies-Bar feiern. (Bild: Bilder: mst)
WIL. Das Musical am Ende der dritten Sekundarschule ist der Höhepunkt der Schulzeit bei den Kathi-Schülerinnen. Dafür opfern sie den Mittwochnachmittag und während der Aufführungen weitere Freizeit.
MONIQUE STÄGER
Sebastian Müller fordert seine vierte Chance. Mit seinem schweizerdeutsch untermauerten Hochdeutsch versuchte er die Moderatorin der Casting-Show zu überzeugen, dass er für die ganz grosse Gesangskarriere unbedingt geeignet ist. Dreimal hat er schon gepatzt, aber er glaubt unbeirrt an sein Talent.
Legenden aus dem Himmel
Drei Geschichten sind im neuen Kathi-Musical «Nachtmusik» ineinander verwoben. Da ist zum einen die Tochter, die gegen den Willen der Mutter mit ihrem Gesangstalent Karriere machen will, zum anderen versucht die Moderatorin einer Casting-Show geeignete Talente für ihre Gesangs-Show zu finden. Zum dritten sind da die bereits verstorbenen Musiklegenden, die vom Himmel auf die Erde kommen, um sich ein Bild über die heutige Musikszene zu machen.
Dann ist da noch die Seitenbühne, wo zwei «alte Tantchen» auf dem brokatbezogenen Sofa sitzend das Geschehen der Bühne auf ihrem antik anmutenden Röhrenfernseher anschauen und in österreichischem Dialekt ihren Senf dazugeben.
Eingepackt ist das Ganze in bekannte Musikstücke verschiedener Dekaden: Von Lady Gaga, über Elvis Presley, Abba, Bob Marley bis zu Mozart, kaum eine Musikrichtung wird ausgelassen.
Aus Improvisationen
«Viele Szenen sind im Verlauf des vergangenen Jahres aus Improvisationen heraus entstanden», beschreibt Bruno Mock die Entstehung der Geschichte. Mock bietet in der Mädchensekundarschule St. Katharina Theaterkurse an. Er ist beim Musical zuständig für die Regie und die Theaterszenen. «Seit Ende April proben wir an drei Nachmittagen pro Woche», erklärt er. Am Musical beteiligt sind ausschliesslich Schülerinnen der dritten Sekundarklasse, das ist Tradition. «Es ist der Höhepunkt der gesamten Kathi-Zeit der Mädchen», erklärt Lucio Notter, Verantwortlicher für Drehbuch und Musik. Den Mädchen sei das Musical so wichtig, dass ein Grossteil der Schülerinnen erst nach drei, anstatt zwei Sekundarschulklassen in die Kantonsschule wechselt – man will beim Musical dabei sein. Beteiligt sind bei diesem Projet mehr als 60 Schülerinnen. Der Chor und die Solistinnen werden durch die Band unterstützt. Mit den jungen Musikerinnen hat Michael Sarbach bereits im vergangenen Herbst mit den Proben begonnen. Seit 16 Jahren wird jährlich ein Musical im Kathi aufgeführt. «Es ist noch nie ausgefallen», freut sich Lucio Notter.
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