Tagblatt Online, 18. November 2008 01:00:36
Christlichen Werten treu geblieben
Der Gospelchor Oberbüren konzertierte in der katholischen Kirche Oberuzwil. (Bild: Bild: can.)
OBERUZWIL. Am Sonntagabend gab der Gospelchor Oberbüren in der katholischen Kirche ein Konzert, das traditionelle Gospelsongs mit Liedern aus der Welt des Pop verband.
Der Gospelchor Oberbüren ist bekannt dafür, ohne grosse Mikrophon-Anlage auszukommen: man legt Wert auf die natürliche Qualität und Klangfülle der menschlichen Stimme. Und so kam es denn auch am Sonntag zu einem Hörgenuss, wie man ihn bei Gospelkonzerten selten hört: ein natürlicher Klang aus 45 Kehlen, dazu eine hervorragend darauf abgestimmte Band (Christian Schneebeli, E-Piano, Hansi Britschgi, E-Bass) mit einem fein spielenden Schlagzeuger (Patrick Gerber).
Alles in Ordnung
Zu den Klängen von «Gib der Freude einen Platz» – ein Song des Oslo-Gospelchoirs, zu welchem Dirigent Bruder Karl Bauer aus Appenzell einen deutschen Text geschrieben hatte – nahm der Chor Aufstellung auf den Stufen zum Altar. «Im Gospel ist das Menschsein Jesu ein zentrales Thema», führte Raphael Brühwiler in seiner Begrüssung aus. Und dieses Menschsein helfe den Gläubigen von jeher, in allen Lebenssituationen Hoffnung und Kraft zu schöpfen: «It Feels Alright», hiess denn auch der nächste Titel. Es fühlt sich alles in Ordnung an, seit Jesus meine Seele rettete.
Bleistift statt Dirigentenstab
Seien es traditionelle Gospelsongs wie «How I Got Over», «I'm Gonna Walk» oder «Rock My Soul», letzteres in einem ungemein rassigen Arrangement, oder seien es moderne Popbaladen wie die 1988er-Olympiahymne «Hand In Hand», «We Are The World» oder «I Need An Angel» von Ruben Studdard: stets stehen christliche Werte im Vordergrund des Repertoires. «Love Can Build A Bridge» – gemeinsam können wir Wege in die Zukunft finden, wir haben es selbst in der Hand. Bruder Karl Bauer als Chorleiter dirigierte seine Sängerinnen und Sänger wie ein eingespieltes Team: die jahrelange Zusammenarbeit, das gegenseitige Kennen – oft reichte nur ein kurzer Blick und der Einsatz war gefunden. Wo andere Dirigenten einen bedrohlichen Stab benötigen, reicht Bruder Karl ein grüner Bleistift.
Joseph Haydn am Schluss
Solistisch ist der Gospelchor Oberbüren mit hervorragenden Stimmen in den eigenen Reihen bestückt: Janine Helg und Kristina Marty sangen gleich mehrere Songs, ebenso traten Irene Schmid, Klemens Dahinden, Beat Lütolf, Raphael Brühwiler und Daniel Fürer als Vokalsolisten auf. Wo andere Gospelchöre meist einen Evergreen wie «Oh Happy Day» – welches in Oberuzwil übrigens nicht auf der Playlist stand – an den Schluss eines Konzertes setzen, wagte der Oberbürer Chor mit «Die Himmel erzählen die Ehre Gottes» aus Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» etwas Neues – und das Experiment gelang, wenn es auch ungewohnt war. (can.)
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