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Tagblatt Online, 20. Oktober 2008 01:05:44

«Wirklich planen können wir nicht»

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Haben die Wohnung bereits geräumt: Bernice Staub und Elias Vierneisel mit Töchterchen Emma. (Bild: Bild: ir.)

JONSCHWIL/TANSANIA. Elias Vierneisel und Bernice Staub leisten ab Dezember dieses Jahres mit ihrer Tochter Emma einen dreijährigen Entwicklungshilfe-Einsatz in Tansania. Was in Afrika genau auf sie zukommen wird, wissen sie noch nicht.

Ivo Rechsteiner

Vor gut einem Jahr zogen Elias Vierneisel und Bernice Staub mit ihrer dreijährigen Tochter Emma von Jonschwil nach Oberwangen – und bereits sind Vorbereitungen für einen erneuten «Umzug» im Gange. Doch dieses Mal führt die Reise nicht von einem Dorf ins nächste, und die Distanz, die von der Familie zurückgelegt werden muss, übersteigt die knapp zehn Kilometer Luftlinie zwischen Jonschwil und Oberwangen bei weitem. Denn: Die Familie reist Anfang Dezember nach Tansania. Dort werden die Eltern einen dreijährigen Einsatz in der Entwicklungshilfe leisten. In einem Spital einer Missionsstation, mit dem Auto zwei Stunden von der am Indischen Ozean gelegenen Stadt Mtwara entfernt, wird Bernice Staub Krankenschwestern ausbilden, während das Tätigkeitsgebiet von Elias Vierneisel Schulung sowie Aufbau und Unterhalt im Bereich Informatik umfasst.

Nimmt nicht stillschweigend hin

Als Hauptmotiv für den Einsatz nennen die beiden, sich mit dem Leiden anderer solidarisch zeigen zu wollen. «Man kann nur ein bisschen helfen», ist sich Elias Vierneisel bewusst. «Aber man nimmt es wenigstens nicht stillschweigend hin.» Neben dieser solidarischen Haltung spielen noch weitere Gründe mit eine Rolle: Man könne einmal mit anderen Menschen in einem anderen Umfeld leben und dadurch wertvolle Erfahrungen gewinnen. Diese Erfahrungen wollen Bernice Staub und Elias Vierneisel bei ihrer Rückkehr auch den Leuten in der Schweiz vermitteln. «Man kann vieles daraus lernen. Was könnte man besser oder anders machen? Und das, ohne dabei naiv zu sein.»

Bedarfsgerechte Hilfe leisten

Ihre Hilfe vor Ort umfasst in erster Linie die Ausbildung von Personal. «Gerade wenn an Material wenig zur Verfügung steht, braucht es gutes Wissen», begründet Bernice Staub die Wichtigkeit des Hilfsprojekts. Aus diesem Grund gehört es unter anderem zu ihren Aufgaben, innerhalb der drei Jahre eine Bibliothek aufzubauen, die immer auf dem neusten Stand sein soll. Wenngleich der Wissensstand vor Ort nicht gleich null sei, müssten die Leute noch mehr Bescheid wissen über neueste Forschungen, zum Beispiel bezüglich Aids, da sie selber direkt betroffen seien. Es sei deshalb auch wichtig, dass die Einschätzung, was gebraucht werde und was nicht, von den Einwohnern ausgehe. «Wir können nicht einfach hin und ihnen sagen, wie sie's machen müssen», meint Elias Vierneisel.

Strenge Bewerbungsverfahren

Der Hilfseinsatz wird von der Schweizer Organisation «Interteam» (siehe Kasten) koordiniert. Um für Tansania zugelassen zu werden, musste die Familie ein strenges Verfahren, unter anderem mit Bewerbungsgesprächen, absolvieren. «Es wurde schon sehr genau auf die Motive geschaut», erinnert sich Elias Vierneisel.

«So richtig planen können wir nicht», geben die beiden zu bedenken. Sie hätten noch keine grosse Einführung gehabt und seien auch noch nie in Afrika gewesen. Auch der Landessprache – Suaheli – seien sie noch nicht mächtig. Sie werden zusammen mit anderen Mitarbeitern und Einwohnern in einem Quartier wohnen, gelebt wird von einem sogenannten «Bedarfslohn». Die dreijährige Emma wird in Tansania einen Kindergarten besuchen. «Wahrscheinlich lernt sie die Sprache schneller als wir», glaubt Bernice Staub.

Situation bei Rückkehr ungewiss

Nach Beendigung des dreijährigen Einsatzes kommt die Familie zurück in die Schweiz. Länger in Tansania zu bleiben käme nicht in Frage, erzählen Bernice Staub und Elias Vierneisel, und dies sei auch seitens der Organisation «Interteam» nicht vorgesehen. «Wir müssen alles so vorbereiten, dass sie dann alleine übernehmen können.» Elias Vierneisel gibt für das Hilfsprojekt seine Stelle bei der Bühler AG in Uzwil auf. Wie sich die berufliche Situation nach der Rückkehr aus Tansania gestalten wird, ist noch ungewiss.





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